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Moosach:Kontroverse Entwicklung

Der Eigentümer des Olympia-Einkaufszentrums will den Komplex modernisieren und überlegt, auf dem Gelände Wohnungen zu bauen. Die Stadt sieht die Pläne skeptisch - Anwohner befürchten, das Viertel werde "verschandelt"

Das 1972 eröffnete Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) steht vor einer größeren Entwicklung: Der Betreiber, die ECE Projektmanagement GmbH, will das OEZ modernisieren - und womöglich Flächen auf dem Gelände mit Wohnraum nachverdichten. Die Planungen seien noch in einer sehr frühen Phase, heißt es von der ECE. Unterdessen lässt das städtische Planungsreferat seine Skepsis zu den Plänen erkennen. "Bisherige Vorschläge von der ECE sind nicht schlüssig und realistisch gewesen", sagte Bernd Willer, der beim Planungsreferat ein für Bebauungspläne zuständiges Team leitet, am Donnerstagabend am Rande der Moosacher Bürgerversammlung der Süddeutschen Zeitung.

OEZ in München, 2010

Pause beim Shoppen: Das Olympia-Einkaufszentrum soll modernisiert werden, um noch mehr Aufenthaltsqualität zu bekommen.

Von den Überlegungen haben überdies bereits Anwohner Wind bekommen - und sie nutzten die Bürgerversammlung, um ihrem Missbehagen über die ECE-Pläne Ausdruck zu verleihen. "Damit der Stadtführung klar ist, dass uns das Thema beschäftigt und dass wir uns unser Viertel nicht verschandeln lassen wollen", sagte Anwohner Christian Daumer unter großem Applaus.

Die bislang letzte Modernisierung des Einkaufszentrums sei bereits eine Weile her, begründet ECE-Sprecher Lukas Nemela auf Anfrage den Schritt, das OEZ aufwerten zu wollen. Man wolle nun investieren, um das Einkaufszentrum "heller und freundlicher" zu gestalten und für mehr Aufenthaltsqualität zu sorgen. Die Modernisierung soll nach seinen Worten 2019 beginnen.

Feinstaubbelastung in der Landshuter Allee

Weniger Lärm, weniger Dreck: Das Tempo-50-Gebot auf der Landshuter Allee soll in nördliche Richtung bis zur Triebstraße hin verlängert werden.

(Foto: Florian Peljak)

Der Umbau des OEZ steht also fest - die Pläne für die Nachverdichtung sind jedoch noch lange nicht in trockenen Tüchern. Der Gedanke, nördlich und südlich des Einkaufszentrums Wohnungen zu entwickeln, erfolge vor dem Hintergrund, "dass die Stellplätze um das OEZ mittelfristig ohnehin saniert werden müssen", erklärt Nemela. Bisherige Simulationen, die auch unter den Anwohnern kursieren und die Kritik auslösen, seien "beispielhafte Annahmen zur Veranschaulichung der Ideen", sagt Nemela. "Aber für genaue Zahlen der möglichen Wohneinheiten sind die Planungen zum jetzigen Zeitpunkt nicht konkret genug." Überhaupt: "Ob, was und wie genau realisiert wird, dafür ist es noch viel zu früh, etwas zu sagen", betont Nemela.

Missliebige Böller und besorgte Beamte

Erst am Dienstag dieser Woche hatte sich die Haderner Bürgerversammlung für ein Verbot privater Silvesterfeuerwerke ausgesprochen, am Donnerstagabend folgte auch die Bürgerversammlung in Moosach einem entsprechenden Antrag: Eine Bürgerin argumentierte mit der hohen Feinstaubbelastung und den Beeinträchtigungen für Tiere durch Lärm und Licht. "Jedes Jahr amüsiert sich ein Teil der Bürger, die anderen leiden", sagte sie und forderte ein zentrales, von der Stadt organisiertes Feuerwerk als Kompromisslösung.

Resultat der Bürgerversammlung ist es auch, dass die Stadt die Entfernung der Tischtennisplatte samt umliegenden Bänken in der Grünanlage an der Merseburger Straße überprüfen soll. Nach den Worten des Bürgers, der den Antrag gestellt hat, habe sich die Stelle zu einer "Partyzone" von Jugendlichen entwickelt, inklusive Müllresten. "Tischtennis spielt so gut wie keiner", sagte der Anwohner. Eine Mehrheit fand überdies der Antrag, die Tempobegrenzung von 50 Stundenkilometern auf der Landshuter Allee bis auf Höhe der Triebstraße zu verlängern.

Was den Verkehr anbelangt, zeigt sich die Polizei für Moosach und Allach-Untermenzing ohnehin besorgt. Bislang habe man fürs laufende Jahr 1882 Verkehrsunfälle in beiden Stadtbezirken registriert, sagte der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Moosach, Bernd Zischek. Das sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aktuell ein Plus von 135 Unfällen. Gestiegen seien dabei die Unfälle, bei denen Personen zu Schaden gekommen seien, und die Unfälle mit Fahrradfahrern. Simon Schramm

Bernd Willer vom Planungsreferat versicherte, dass die Stadt die ECE-Pläne genau unter die Lupe nehmen werde. Sollte dringend benötigter Wohnraum entstehen, wolle die Stadt das prüfen. Voraussetzung sei aber, "dass der Verkehr abwickelbar ist, dass die Infrastruktur geschaffen werden kann und vor allem auch genügend Freiflächen im Gebiet für die Bewohner im Gebiet da sind", sagte Willer. Er erinnerte überdies daran, dass Bewohner der Wohntürme Miteigentümer des OEZ seien. Darum will er erst von der ECE die genauen Eigentumsverhältnisse geklärt haben. "Wenn die ECE sich überhaupt mal mit den Miteigentümern einigt und uns Konzepte vorschlägt, wird sich herausstellen, was im Gesamtzusammenhang mit den Freiflächen überhaupt möglich ist", sagte Willer - dann werde man sehen, über wie viele Wohneinheiten man überhaupt spreche.

Die größte Hürde für die Pläne der ECE ist bisher, dass für das Gelände des OEZ ein Bebauungsplan gilt, auf dessen Einhaltung Anwohner Daumer per Antrag gedrungen hatte. Damit die ECE tatsächlich neu bauen kann, muss zunächst der Flächennutzungsplan geändert werden und der Stadtrat die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans beschließen - unter Beteiligung des Bezirksausschusses. Auf dieses Prozedere wies auch Stadtplaner Willer hin.

Bei der Bürgerversammlung war der Anwohner indes der Meinung, dass eine größere Nachverdichtung mit Wohnungen für die Umgebung nicht verkraftbar sei und überdies zu wenige Parkplätze eingeplant seien. ECE-Sprecher Nemela gibt an, die Anzahl der Parkplätze bleibe gleich. "Bei zusätzlicher Wohnbebauung werden selbstverständlich auch zusätzliche Stellplätze geschaffen." Daumer verwies allgemein auf die vielen Bauprojekte in der Umgebung und den "riesigen Verkehrsdruck", der auf den Stadtteil zukomme. Er befürchtete auch mögliche Einschnitte im Baumbestand und dass neue Baukörper die Nachbarhäuser womöglich verschatteten. "Die Olympia-Pressestadt hat einen offenen Charme", sagte Daumer. "Wir wollen keine Ghettoisierung der Olympia-Pressestadt."

Laut ECE-Sprecher Nemela sind die Planungen noch zu unkonkret, um sagen zu können, ob und in welcher Anzahl Bäume gefällt werden. Nach aktuellem Stand der Planungen werde es keine Verschattung der bestehenden Wohnbebauung geben: "Viele Aspekte stehen einfach noch nicht fest."