Moderne Medizin Die Revolution des Krankenhauses

Das Gebäude des Klinikums Großhadern von 1973 (links) wird abgerissen. Das Operationszentrum (rechts) ist die Zelle der neuen Klinik.

(Foto: Robert Haas)
  • Die Gebäude des Klinikums Großhadern werden abgerissen. Die Gründe dafür liegen auch in den veränderten Anforderungen in der Medizin.
  • Vor allem der Einsatz von modernen Geräten, die viel Platz brauchen, macht einen Umbau nötig.
  • Zudem arbeiten Ärzte immer interdisziplinärer bei der Behandlung von Patienten zusammen, wodurch die Wege zwischen den Abteilungen kürzer werden müssen.
Von Stephan Handel

Die Pyramiden von Gizeh sind ungefähr 4500 Jahre alt. Mit dem Bau der Chinesischen Mauer wurde vor 1300 Jahren begonnen, und die ersten Steine des Kölner Doms wurden vor etwa 700 Jahren aufeinandergesetzt. Die ersten Gebäude des Klinikums Großhadern gingen 1973 in Betrieb. Jetzt wird es abgerissen.

Das ist natürlich ein unfairer Vergleich, weil eine Pyramide, zumindest in ihrem Inneren, nur von einem einzelnen Pharao frequentiert wird, und der ist tot. Ein Großklinikum hingegen muss täglich mit Tausenden Menschen fertig werden, Ärzten, Pflegern, Patienten, Besuchern, Handwerkern, Reinigungspersonal. Die Gründe für den Abriss des größten Münchner Krankenhauses liegen jedoch nicht nur in der Abnutzung der Gebäude. Sie liegen vor allem darin, wie sich die Medizin verändert hat, und wie die Menschen sich heutzutage einen Klinik-Aufenthalt vorstellen.

Krankensäle von damals mit 20 Betten

In der Medizinischen Klinik an der Ziemssenstraße, 1813 erbaut und die Keimzelle des heutigen Universitätsklinikums, sind noch Krankensäle zu besichtigen, wie sie damals angelegt wurden: 15, 20 Betten, in einem Eck hatte die Saalschwester ihr Reich; sie wohnte praktisch in dem Raum. Heute würde sich niemand mehr mit 20 anderen Kranken in einen Raum legen, Waschbecken und Toiletten auf dem Flur. Von den Patienten erwarteter Standard heutzutage ist ein Zimmer mit höchstens zwei Betten und eigener Nasszelle.

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Das bringt zum Beispiel aktuell das Klinikum Schwabing in größere Schwierigkeiten, weil dort die baulichen Gegebenheiten und der Denkmalschutz den Umbau in Zweier-Zimmer erschweren. Zimmer mit drei Betten sind dort die Regel, aber schon das empfinden viele Menschen als Zumutung. Der dadurch erhöhte Platzbedarf setzt sich fort in der technischen Entwicklung der Medizin: Als das Klinikum Großhadern eröffnete, waren Computertomografen gerade erst erfunden worden; sie konnten ausschließlich für Aufnahmen des Schädels verwendet werden. Also reichte ein solches Gerät, um die vielleicht fünf Patienten am Tag zu versorgen.

Moderne Medizin braucht Fläche

Heute werden CTs in vielen Disziplinen der Medizin eingesetzt - in der Hirnchirurgie immer noch, aber auch in der Kardiologie, in der Orthopädie, in der Gefäßchirurgie, bis hin zur Psychiatrie. Auch in Operationssälen stehen die Geräte, damit die Chirurgen noch während der OP das Ergebnis ihrer Bemühungen überprüfen können. Die Geräte sind immer noch so groß wie ein kleiner Lieferwagen, dazu benötigen sie abgeschirmte Bedien-Räume, Wartezimmer, Technikräume. Sie brauchen also Platz, und das ist nur ein Beispiel, in welchem Umfang moderne Medizin mehr und mehr Flächen beansprucht. Im Gegensatz dazu werden die Aufenthalte der Patienten im Krankenhaus immer kürzer, weil die Therapien besser geworden sind, aber auch, weil die Kassen auf die Kosten achten.

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Das bedeutet, dass auch weniger Betten benötigt werden. Für das neue Klinikum ergibt das in der Summe eine kleinere Fläche: 240 000 Quadratmeter statt 270 000, die Zahl der Betten in Großhadern und Innenstadt zusammengenommen sinkt von jetzt 2200 auf 2000. Das berichtete Gerd Koslowski, der Kaufmännische Direktor des Klinikums auf einer Pressekonferenz zum Thema Neubau.

Moderne Spitzenmedizin, das ist der Anspruch der LMU an ihrem Universitätsklinikum, dem größten Bayerns. Das bedeutet, dass dort die schwersten Fälle behandelt werden, und dass die Ärzte dort Methoden beherrschen, die nirgendwo anders praktiziert werden. Der Neurochirurg Jörg-Christian Tonn etwa operiert Patienten mit einem Gehirntumor, während diese bei Bewusstsein sind. Das hört sich gespenstisch an, erhält den Patienten aber zum Beispiel die Sprache, deren Verlust früher als unabänderlich angesehen wurde.