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Mitten in Hadern:Schwankende Loyalität

Widmungen haben es in sich. Das gilt, egal ob man ins Poesiealbum dichten soll oder Verkehrsplanung betreiben muss

Kolumne von Berthold Neff

Widmungen haben es in sich, dass man mit ihnen einiges gut, aber auch vieles falsch machen kann. Wer den Eintrag ins Poesiealbum in der Abschlussklasse verweigert, wird sich noch Jahre danach unangenehmen Fragen stellen müssen. Wer versucht, einen simplen Weg zu widmen, steht vor einem ähnlichen Problem. Diese Erfahrung musste jüngst das Kreisverwaltungsreferat (KVR) machen, das - einem Wunsch von Bürgern entsprechend - den Gehweg entlang der Bortenhofstraße, den viele Radfahrer als Schleichweg von der Gräfelfinger Straße hin zur Guardinistraße nutzen, exklusiv den Fußgängern widmen wollte. Geplant war, dort das Fußweg-Verkehrszeichen Nummer 239 aufzustellen. Radler hätten, so sie dort erwischt werden, mit einem Bußgeld von bis zu 35 Euro rechnen müssen.

Anwohner hatten eine solche Lösung von der Stadt verlangt, und bei einigen Ortsterminen kamen auch die KVR-Experten zu dem Schluss, dass Unfälle zwischen Radfahrern und Fußgängern dort nicht auszuschließen seien. Ein solches Schild wäre wichtig, um den Radlern klar zu machen, dass dies ein Gehweg und ihnen somit versperrt sei. Der Bezirksausschuss Hadern beschloss allerdings in seiner Juni-Sitzung, eine solche Widmung abzulehnen, ohne eine Alternative vorzulegen. Man wolle, so hieß es, die Radfahrer nicht von vornherein ausschließen, was mit dem Verkehrsschild Nr. 239 geschehen wäre. Angeregt wurde, einen Hinweis "Radfahrer frei" anzubringen. Das aber wäre, so das Fazit der Polizei, wenig hilfreich, weil kaum ein Radler dort mit Schrittgeschwindigkeit durchschleichen mag. Aus dem KVR hieß es dementsprechend: "Wenn der BA hier den Radverkehr zulassen möchte, muss erst die Widmung geändert werden."

Dazu wiederum mochte sich der Haderner BA aber auch in seiner Juli-Sitzung nicht durchringen. Nun bittet man die KVR-Experten, eine Lösung zu finden, wie Radler und Fußgänger doch unter einen Hut zu bringen wären. Sollten sie nicht fündig werden, bleibt nur ein abschließender Eintrag ins Poesiealbum - unter dem Titel "Verlorene Liebesmüh".

© SZ vom 15.07.2020

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