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Mitten in Hadern:Gefahren lauern überall

Um körperliche Unbill abzuwehren, haben wir vor einem Jahr noch Masken aus alten Abikleidern geschneidert. Mittlerweile muss die Gefahrenabwehr auf Flora und Fauna ausgeweitet werden

Glosse von Berthold Neff

Um uns geschützt zu wähnen, griffen wir vor gut einem Jahr noch zu abenteuerlichen Masken, für deren Herstellung oft das längst zu eng gewordene und aus der Mode gefallene Abikleid dran glauben musste. Die Heimarbeit zur Gefahrenabwehr endete abrupt, als China beschloss, deutsche Politiker - vornehmlich aus dem Unionslager - in Versuchung zu führen, und ihnen die Grundlage für die sogenannten Maskendeals lieferte. Der eine oder andere verdiente sich dabei eine goldene Nase, die zwar vorschriftsgemäß mit einer FFP2-Maske verdeckt wurde, aber die unbarmherzige Staatsanwaltschaft dennoch auf den Plan rief.

Nun scheinen die Risiken für unsere Gesundheit angesichts der niedrigen Infektionszahlen halbwegs gebannt, aber es tun sich allenthalben neue Gefahren auf, und zwar für Flora und Fauna, die wir fürs Überleben ja ebenso brauchen wie die gefilterte Luft zum Atmen. Die Attacken erfolgen perfiderweise von unten und von oben, sodass man gar nicht weiß, wie man die Tagetes, den Paprika oder die Tomaten noch schützen soll.

Von unten erreicht uns die Schneckenplage, die sich heuer, zumindest hier in Hadern, in Grenzen hält. Zunächst war es viel zu kalt, weil sich die Eisheiligen wie eine von Jogi Löw kommandierte Dreierkette über den ganzen Mai bis in den Juni hin verteilten. Wasser für die Schleimspur gab es reichlich, aber wenn es die Erde erst kurz vor dem Gefrierpunkt erreicht, kann selbst die Spanische Wegschnecke wenig damit anfangen.

Und nun die Gefahr von oben. Da wäre zum einen die Sonne, die trotz der Creme mit hohem Lichtschutzfaktor auf lange Sicht die Haut so aussehen lässt wie die ausgetrocknete Erde im Vorgarten mit ihren tiefen Rissen. Aber der Himmel wäre nicht das, wofür wir ihn halten, wenn er nicht einen Ausweg wüsste. Die tiefen Spalten in der trockenen Erde hat er gerade eben mit kühlendem Eis gefüllt, für den geschundenen, ausgemergelten Boden sicher eine Wohltat. Leider hat der Hagel neben diversem Gemüse auch die Geranien niedergemetzelt. Den Schnecken kann es egal sein. Auf dieses Grün mit seinen flaumigen Blättern hätten sie ohnehin keinen Appetit gehabt.

© SZ vom 23.06.2021
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