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Mitten in der Maxvorstadt:Abenteuer im Corona-Alltag

Ein Ausflug zum Altglascontainer bietet die Möglichkeit, Sport und Mülltrennung zu verbinden. Allerdings...

Glosse von Viktoria Großmann

Wo kann man eigentlich noch hin? Ach ja, zum Altglascontainer. Die sind als eines der letzten geöffneten Ausflugsziele begehrt wie nie, die Flaschen stehen Schlange. Der Andrang ist nur vergleichbar mit dem täglichen Massenstart beim Joggen auf dem Alten Nördlichen Friedhof. Wobei nicht wenige Ausflügler beides gern verbinden, den Sport und die Mülltrennung, denn an drei Ecken der Friedhofsmauer befinden sich Container. Die an der Ecke Zieblandstraße liegen bei Nachhaltigkeitsbewussten aber eindeutig am stärksten im Trend. Wer dort nicht mehr zum Zuge kommt, reiht seine Schraubgläser einfach ordentlich neben den Containern auf und beschert den Fußgängern einen kleinen Hindernislauf. So viel Abenteuer darf im Corona-Alltag noch sein.

Doch ein knallrotes Warnschild scheint uns Maxvorstädtern nun auch diesen letzten Ausflugsort noch nehmen zu wollen. "Benutzung nur für Bürger der Gemeinde Planegg!", lautet die Vorschrift am Weißglascontainer an der Zieblandstraße. "Zuwiderhandlungen werden mit Geldbußen bis 2500 Euro geahndet!" Da gefriert einem doch das Leergut in der Hand. Wie ist denn die Inzidenzrate in Planegg? Können wir die ohne Test reinlassen? Wo es doch in der Zieblandstraße ohnehin so eng zugeht. Da müsste man im Begegnungsverkehr schon längst über Abstandsgebote nachdenken. Nicht nur zwischen SUV und Fahrradfahrer. Und wohin jetzt mit dem ausgespülten Marmeladenglas des Arcisstraßenanwohners? Müssen wir künftig alle nach Planegg joggen? Wo ist eigentlich die 15-Kilometer-Regel, wenn man sie dringend braucht?

Ach nein, es hat wohl doch damit zu tun, dass Anfang Januar der allzu begehrte Weißglascontainer über seiner Last kollabierte. Der Kugelbehälter riss in der Mitte entzwei, erhob sich auf seine Hälften und spie die leeren Weihnachtskonserven auf den Gehweg. Ersatz dafür war offensichtlich im ganzen Stadtgebiet nicht aufzutreiben. Kaum etwas ist ja begehrter als ein leerer Container. Haidhausen oder die Isarvorstadt braucht man da gar nicht erst zu fragen. Selbstlos half Planegg - und ließ in der Eile den Vorschriftszettel dran. Oder wahrscheinlich hoffen sie noch, dass sie ihn irgendwann zurück bekommen. Ach, liebe Planegger, bitte lasst ihn uns noch ein Weilchen. An ihm werden wir doch zumindest ein paar unserer Sorgen los.

© SZ vom 26.01.2021
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