Milbertshofen Ärger mit Ansage

Es geht voran: Auf dem ehemaligen Bolzplatzgelände am Frankfurter Ring haben die Arbeiten begonnen.

(Foto: GWG)

Lokalpolitiker sehen die Bolzplatz-Lösung in unmittelbarer Nähe zu den "Wohnen-für-alle"-Neubauten am Frankfurter Ring kritisch. Sie kündigen an, genervte Anwohner direkt "ins Rathaus" zu schicken

Von Nicole Graner, Milbertshofen

Den meisten dürfte es von Anfang an klar gewesen sein: An der Tatsache, dass auf dem ehemaligen Bolzplatzgelände am Frankfurter Ring/Schmalkaldener Straße das GWG-Bauprojekt "Wohnen für alle" entsteht, ist nicht mehr zu rütteln. Auch wissen die Mitglieder des Bezirksausschusses (BA) Milbertshofen-Am Hart natürlich, dass schon seit Anfang November die Bauarbeiten laufen - nächste Woche soll bereits mit den Fundamentarbeiten für das Wohngebäude begonnen werden. Dennoch wollte die GWG das Projekt und insbesondere die neue, verkleinerte Spielwiese, die sie im Auftrag der Stadt plant und anlegt, dem örtlichen Bezirksausschuss detailliert vorstellen - sowie Rede und Antwort stehen.

Die Neuigkeiten: Die Spielfläche, 41 mal 21 Meter groß, soll mit Bäumen umsäumt werden und an den Stirnseiten nicht mit einem Zaun, sondern einem sechs Meter hohen Ballfangnetz umgeben sein. Der Zaun zur Seite und zu den bereits bestehenden Bebauungen östlich des Areals wird zwei Meter hoch sein. Geplant ist, auf der Spielfläche Rollrasen zu verlegen. Damit, wie Martin Rebmann vom Landschaftsarchitektur-Büro "Teutsch, Ritz, Rebmann" erklärt, sei das Feld zügig nach Baufertigstellung "wieder bespielbar". Vorgesehen sei der Baubeginn der Spielfläche parallel zum Baubeginn des Wohngebäudes im Juli und August. Wenn alles glatt läuft, soll der Platz Ende September fertig sein.

Der alte, schmale Durchgangsweg vom Frankfurter Ring zur Schmalkaldener Straße wird als Plattenweg weiter nach Westen gerückt, bleibt aber gleich breit. Allerdings wird er dann mit Fußwegbeleuchtung ausgestattet sein; am Anfang und am Ende des Weges sollen Poller Autos am Durchfahren hindern.

Immer wieder hatte der Bezirksausschuss deutlich gemacht, dass er das von der Stadt München forcierte Bauprojekt ablehnt, um einen der letzten, offenen Bolzplätze im Viertel zu erhalten. Noch einmal machte Mathias Kowoll (SPD) daher deutlich, dass der BA das Projekt von Anfang an kritisch gesehen hat - besonders was die Lage der neuen Spielwiese beträfe. Der Lärm auf dem Spielfeld und der Lärm der Bälle, die in den Ballfangzaun knallen, würden mit Sicherheit Beschwerden zur Folge haben: "Die Nachbarn im Osten werden sich wegen Lärms beklagen." Der Ballfangzaun aus wabenförmigem Draht, ergänzte Rebmann, sei bewusst so gewählt worden, dass er den Lärm mindert. Auch habe man dieses Material gewählt, damit optisch keine "Käfigwirkung" entstehe. Auf jeden Fall wolle die GWG auch noch mit den Nachbarn der an die Spielwiese angrenzenden Wohnungen sprechen.

Claus Wunderlich (FDP) bezeichnete die Planung mit Bäumen, Bänken und Blumenwiesen als "weltfremd und romantisch". Die Spielfläche sei einfach "faktisch unter den Fenstern der Häuser." Die Spielwiese an die bestehenden Häuser heranzubauen, sei, so Wunderlich "die aller- ungünstigste Variante." Der Abstand vom Spielfeld zu den Grundstücken betrage, so korrigierte Martin Rebmann, nach Plan 5,50 Meter, an der Südecke 5,10 Meter.

Dass sich Martin Rebmann und der GWG-Landschaftsarchitekt Michael Blank nun in der jüngsten Sitzung auch dem Unmut der Lokalpolitiker stellen mussten, war vor allem einem Schreiben des Referates für Stadtplanung und Bauordnung vom 29. November geschuldet, das den Antrag der FW/ÖDP vom Juni, einen Alternativstandort zu finden, nicht mehr in den Stadtrat vom September einbringen konnte. Die Problematik aber sei, so heißt es im Schreiben der Behörde, "dort umfassend behandelt worden", den Antrag des Gremiums sehe man somit als "erledigt an".

Leo Meyer-Giesow (Freie Wähler/ÖDP) ärgerte diese Begründung sehr. Man könne nicht so mit Anträgen eines Bezirksausschusses umgehen, das sei eine "mangelhafte Behandlung". Und der stellvertretende BA-Vorsitzende Erich Tomsche (CSU) entwarf, weil ja alle Einwände des BA "vollkommen irrelevant" geblieben seien, folgendes Szenario: "Wenn sich die Nachbarn hier bei uns beschweren, dann schicken wir alle ins Rathaus. Dort kann man sich damit beschäftigen."