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Messestadt Riem:Standort gewechselt

Willy-Brandt-Platz in München, 2019

Recht unwirtlich: Der Willy-Brandt-Platz, im Hintergrund die Riem Arcaden bleibt heuer ungeschmückt.

(Foto: Robert Haas)

Der Willy-Brandt-Platz bleibt im Advent leer, der Platz der Menschenrechte nicht

Von Ilona Gerdom, Messestadt Riem

Einer der wohl beliebtesten Treffpunkte in einem gewöhnlichen Dezember ist der Weihnachtsmarkt. Für dieses Jahr hatte der Bezirksausschuss (BA) Trudering-Riem einen solchen Markt für den Willy-Brandt-Platz in der Messestadt gefordert. Daraus wird nun nichts, schon wegen des Teil-Lockdowns. Dafür wird es aber einen Christbaum am Platz der Menschenrechte geben.

Schier endlos groß scheint der Willy-Brandt-Platz. Besonders in der kalten Jahreszeit, wenn er kaum bespielt wird. Deshalb und weil es im Münchner Osten nur vereinzelt Weihnachtsmärkte gebe, hatte das Stadtteilgremium eine Adventsveranstaltung gefordert. Laut Kreisverwaltungsreferat geht das heuer nicht. Und ausnahmsweise ist Corona gar nicht schuld. Ausschlaggebend ist vielmehr, dass solche Veranstaltungen auf öffentlichem Grund bis zum 31. Januar des jeweiligen Jahres angemeldet werden müssen. Mit seinem Antrag im Juli war der BA also gut sieben Monate zu spät. Zudem teilte die Stadt mit, dass für einen Christkindlmarkt ein privater Veranstalter gefunden werden müsse. Nun ist der Unterausschuss Budget und Allgemeines beauftragt, die vorweihnachtliche Aktion für 2021 in die Wege zu leiten.

Die Bürgerinitiative "Bunt und Sauber" hatte ebenfalls einen Adventswunsch angemeldet: Sie wollte einen Christbaum auf der Fläche vor den Riem Arcaden. Eva Blomberg (SPD) fand diese Idee "total schön". Daher hatte sie vor der Sitzung bereits in Eigenregie bei zuständigen Stellen angefragt. Aber die SPD-Fraktionssprecherin musste feststellen: Selbst für einen geschmückten Nadelbaum ist es zu spät. Denn für den großen Willy-Brandt-Platz bräuchte es ein gigantisches Gewächs und dazu eine Bodenhülse. Alternativ schlug Blomberg den Platz der Menschenrechte vor. Zunächst war nicht klar, wie der Baum beleuchtet werden könnte. Da er nun nicht direkt auf den öffentlichen Platz, sondern in der Nähe auf die Terrasse der Riem Arcaden kommt, übernimmt das Shoppingcenter die Stromversorgung. Mit diesem Standort hat sich ein weiteres Problem gelöst, das Gremiums-Chef Stefan Ziegler (CSU) ins Gespräch gebracht hatte, nämlich "wie man das Ding gegen Vandalismus" schützt. Darauf könne der Security-Dienst der Einkaufsmeile ein Auge haben, so Blomberg. Den Baum hat eine "alteingesessene Familie" aus dem Stadtteil gespendet. Ein Ständer und Lichterketten wurden für etwa 200 Euro aus dem Stadtbezirksbudget finanziert.

In der jüngsten BA-Sitzung hatte es auch kritische Stimmen gegeben. Georg Kronawitter (CSU) machte klar: "Was ich nicht will ist, dass der BA künftig die Verantwortung für das Aufstellen des Christbaums hat." Trotzdem wurde das Vorhaben einstimmig beschlossen und am Samstag, 5. Dezember, um 12 Uhr ist es soweit. Allerdings wie Ziegler betonte: "Einmalig, jetzt im Corona-Jahr, weil es nichts anderes gibt." Dekorieren dürfen die Messestädter dann übrigens selbst.

© SZ vom 03.12.2020
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