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Messestadt Riem:Grüne Dächer müssen reichen

Stadt lehnt Fassadengewächse für den Bildungscampus ab

Kräne, Bauarbeiter, ein eigenes Betonwerk: Eine Fläche am westlichen Rand der Messestadt Riem ist jetzt Großbaustelle. Seit April 2020 sind die Bauarbeiten für den Bildungscampus in vollem Gange. Eröffnet werden sollen das Gymnasium und die Realschule im September 2022. Eigentlich genug Zeit, um noch eine Fassadenbegrünung auf den Weg zu bringen, das hatte zumindest der Bezirksausschuss (BA) Trudering-Riem gefunden. Doch die Stadtkämmerei erteilte dem nun nach Absprache mit der Münchner Raumentwicklungsgesellschaft (MRG) und dem beauftragten Planungsbüro h4a eine Absage.

Den Antrag hatte das Stadtteilgremium im vergangenen September auf Initiative der Grünen gestellt. Begründung: Einerseits verbessere sich das Kleinklima, weil sich die Fassade nicht so stark erhitze. Andererseits bringe die Verdunstung durch die Gewächse ein "angenehmes Mikroklima" mit sich. Überdies schlucke die Außenbegrünung Schallwellen und trage so zum Lärmschutz bei.

Das Antwortschreiben der Stadtkämmerei war für das Stadtteilgremium wenig erfreulich. So habe sich die MRG bereits im Januar 2020 mit einer Bepflanzung der Fassade auseinandergesetzt. Allerdings sei man schon da zum Schluss gekommen, dass ein solches Vorhaben nur mit "hohem Aufwand und gleichzeitig mit hohen Risiken für die zeitlichen Projektziele umsetzbar wäre". Die erneute Prüfung, die die Architekten vornahmen, kam zum gleichen Ergebnis: "Beim jetzigen Planungs- und Ausführungsstand würde eine geänderte Fassadenbegrünung und -gestaltung zu umfangreichen Umplanungen sowie einem erheblichen Eingriff in die geprüfte Statik sowie das vorliegende Brandschutzkonzept führen." Die MRG sprach sogar von einem Planungs- und Baustopp, um nun noch die Gewächse miteinbeziehen. Darüber hinaus müsse natürlich das Urheberrecht des Architekten beachtet werden. Außerdem wurde auf eine ohnehin ökologische Planung verwiesen. Sowohl die Dachflächen als auch die Innenhöfe würden demnach "intensiv begrünt". Zudem ist eine Photovoltaikanlage Teil des Konzepts.

Die Grünen wollten sich dessen ungeachtet mit dem Schreiben nicht anfreunden. Ihrer Auffassung nach müsse es eineinhalb Jahre vor Fertigstellung möglich sein, eine Fassadenbegrünung wenigstens in Betracht zu ziehen. Deshalb dringt der BA weiterhin darauf, alle Möglichkeiten auszuloten. Damit wolle man aber keinesfalls dem geplanten Eröffnungstermin im Weg stehen.

© SZ vom 05.03.2021 / Ilgd
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