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Messe München will Geschäftsführer loswerden:Chef ohne Scham

Messe München

Der Geschäftsführer der Messe München fordert 800.000 Euro Abfindung

(Foto: Renate Winkler-Schlang)

Die Messe München will einen Geschäftsführer loswerden, der wegen sexueller Belästigung und Mobbing mehrmals abgemahnt wurde. Doch nach SZ-Informationen will der Manager 800.000 Euro Abfindung. Ärger gibt es nun auch wegen seiner politischen Beziehungen.

Von Silke Lode

Der Fall hat die Gemüter bewegt, nicht nur bei der Messe München. Dort soll einer der Geschäftsführer mindestens zwei Mitarbeiterinnen gemobbt und sexuell belästigt haben, seine Assistentin hatte Übergriffe ihres Chefs über mehrere Jahre geschildert. Als die Sache Ende März öffentlich wurde, verfügten die Messe-Gesellschafter, dass der Mann nicht mehr an seinen Schreibtisch zurückkehren darf.

Seither war es ruhig um den Fall, alles sah nach einem stillen, beschämten Abgang aus. Hinter verschlossenen Türen aber wird hart über eine Abfindung in schwindelerregender Höhe verhandelt: Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung geht es dabei um bis zu 800.000 Euro.

In Messe-Kreisen sorgt allein die Tatsache, dass überhaupt noch verhandelt wird, für ungläubiges Kopfschütteln. Doch Fakt ist: Der Vertrag des ehemaligen Geschäftsführers läuft offiziell noch bis Ende 2014, und gekündigt wurde ihm nie. Dafür sind die Gesellschafter verantwortlich, also der Freistaat Bayern, die Stadt München, die Handwerkskammer sowie die Industrie- und Handelskammer. Sie haben mit Abmahnungen reagiert, als sie von den Vorfällen erfahren haben - nicht aber zum Beispiel mit einer fristlosen Kündigung.

Zwar beschreiben die Gesellschafter unisono die Vorwürfe für glaubwürdig und schwerwiegend, ein beratender Anwalt hielt sie sogar ausreichend für eine fristlose Kündigung. Wie stets in solchen Fällen bleibt jedoch die Gefahr einer Niederlage vor Gericht - und dieses Risiko wollte laut einem Sitzungsprotokoll nur Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) eingehen. Also einigte man sich auf Abmahnungen, fünf insgesamt, die der beschuldigten Manager allesamt aussitzen konnte. Erst nach Medienberichten musste er seinen Schreibtisch räumen.

Opfer soll nur 20.000 Euro bekommen haben

Ausgerechnet die Abmahnungen sind es nun, die dem geschassten Messe-Geschäftsführer einen goldenen Handschlag bescheren könnten. Denn sie verbauen den Ausweg über eine Kündigung, die sich auf das bereits abgemahnte Verhalten bezieht. Eine vorzeitige Vertragsauflösung ist damit Verhandlungssache, und über die Höhe einer Abfindung entscheiden oft die vereinbarten Bezüge. Die waren bei dem Spitzenmanager üppig: 265.000 Euro hat er im Jahr 2011 laut dem Beteiligungsbericht der Stadt verdient, hinzu kamen 90.000 Euro Tantiemen für das Vorjahr.

Der Fall hat inzwischen auch die Grünen auf den Plan gerufen, die von Oberbürgermeister Ude detailliert Auskunft verlangen. Die Nachricht, dass tatsächlich über eine Abfindung verhandelt wird, macht Fraktionschefin Gülseren Demirel stutzig: "Wie kann es sein, dass jemand, der unter solchen Bedingungen gehen muss die Stirn hat, über eine Abfindung zu verhandeln?", empört sich die Stadträtin.

Für heftige Vorwürfe hat die Angelegenheit auch wegen der politischen Beziehungen des geschassten Managers gesorgt. Er war vor seinem Wechsel zur Messe viele Jahre im Wirtschaftsministerium tätig gewesen. Ausgerechnet Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) und Finanzstaatssekretär Franz Pschierer (CSU) haben sich darauf verständig, im Gesellschafterkreis gegen die fristlose Kündigung zu stimmen. Ein weiteres Detail hinterlässt ebenfalls einen Nachgeschmack: Die Frau, die Hauptopfer der jahrelangen Übergriffe war, hat die Messe München längst verlassen. Auch sie hat eine Abfindung bekommen. Es sollen nur etwa 20.000 Euro gewesen sein.

© SZ vom 12.06.2013

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