Meine Woche:Schöne Unruhe durch Lichtwesen

Vanessa Hafenbrädl Performerin Lichtkünstlerin

Die Lichtkünstlerin und Performerin Vanessa Hafenbrädl.

(Foto: privat)

Künstlerin Vanessa Hafenbrädl erleuchtet das Pasinger Rathaus

Von Jutta Czeguhn

Wenn ich mal Ruhe gesucht hab', dann hab' ich sie an der Würm gefunden", erinnert sich Vanessa Hafenbrädl. Die Lichtkünstlerin und Performerin ist in Aubing aufgewachsen, da war es für die Jugendliche nicht allzu weit zum kleinen Fluss hinüber nach Pasing. Heute lebt die 41-Jährige in Dießen am Ammersee. Wasser, könnte man also vermuten, ist es irgendwie für Vanessa Hafenbrädl. Ihre Licht-Choreografie "Er wars", in der sich verführerische oder todbringende Wasserwesen tummeln, hat sie schon in Weimar auf sogenannten Hydro-Shields, also Wasserleinwände projiziert. Die Nixen, Nyhoen und Necken aus Licht sind dann mit ihr viel gereist, sie waren schon am Atlantik (Boston, USA) und auch am Pazifik (Wellington, Neuseeland) zu sehen. Am 24. und 25. September kommt die Arbeit nach Pasing, wo erstaunliche, großflächige Lichtkunstarbeiten an der Fassade des Rathauses mittlerweile eine kleine Tradition haben. Organisiert vom Verein mit dem etwas sperrigen Namen "Kunst und Kultur in und um das Rathaus Pasing".

Eigentlich war Vanessa Hafenbrädl auf einer ganz anderen Leuchtspur, was ihr Projekt für Pasing angeht: Die führte in Michael Endes wundersame Geschichtenwelt. Wühlarbeit im kleinen, feinen Michael-Ende-Museum in der Blutenburg. "Ganz fruchtbare Begegnungen" habe sie dort gehabt, die sie dann aber auf einen ganz anderen Pfad brachten. Man ahnt es, ans Wasser, an die Würm, zu den "Drei Bethen von Leutstetten". Einer uralten Sage nach sollen dort drei Frauen umgehen. Für die einen ein faszinierender Grusel-Spuk, für andere heilende, Trost bringende Erscheinungen, die natürlich auch von der katholischen Kirche gekapert und mit einem Sankt versehen wurden. Verführung und Angst, Aneignung, aber auch das sich Entziehen aus auferlegten Kategorien wie Geschlecht, Herkunft, sogar Spezies, das sei es, was sie künstlerisch an solchen Mythen interessiert, sagt die Künstlerin.

Noch muss Vanessa Hafenbrädl diese Woche zusehen, dass sie alle Kabel richtig verlegt, ihre Techniker sind gebrieft, die Projektoren bestellt, die bei Regen unter einem Zelt arbeiten werden. Dann können am Wochenende, jeweils nach 19.30 Uhr, die drei Bethen anstelle der Nixen die starre Fassade des Pasinger Rathauses, diese Nazi-Architektur, in ästhetische Unruhe bringen. Die Lichtwesen werden durch mundgeblasene, rotierende Glaskuben aus dem Bayerwald schweben und zur Musik von The Notwist schwingen. Und Vanessa Hafenbrädl hofft sehr, dass es ihr Publikum - in schönem Corona-Abstand - diesen Irrlichtern gleichtun wird.

© SZ vom 20.09.2021
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