bedeckt München 18°

Meine Woche:Kein Bummeln bei Schneefall

Ljulijzim Malici.

(Foto: Gino Dambrowski)

Ljulijzim Malici und sein Team haben anstrengende Tage

von Simon Garschhammer

Wenn es vor dem Schlafengehen schneit, weiß Ljulijzim Malici (), dass der nächste Tag sehr lang sein wird. Denn um vier Uhr morgens wird sein Wecker klingeln.

Der Kosovare ist Inhaber einer Hausmeister-Firma und betreut mit seinem Unternehmen mehrere Gebäude rund um den Marienplatz. Der 52-Jährige ist routiniert, die Arbeit im Winter macht ihm dennoch zu schaffen. "Winterdienst ist gefährlich, da muss man aufpassen", sagt er. Gar nicht mal auf sich, sondern auf die Passanten. Wo man sich als Fußgänger der Winterpracht erfreut, sieht Malici potenzielle Gefahren lauern. Eiszapfen an Dachrinnen, rutschigen Schnee auf den Fußwegen. Sie zu beseitigen ist kein altruistischer Akt - hat Malici erst mal einen Auftrag für ein Hausobjekt angenommen, ist er auch verantwortlich im Falle von Unfällen. Probleme habe es bisher in seiner Laufbahn zwar nicht gegeben, darauf ankommen lassen will es der umtriebige Mann aber nicht.

Um fünf Uhr beginnt die Arbeit für Malici und sein Team. Jeder weiß dann, was zu tun ist: Schneeschippen, Kies streuen, Schnee von den Dächern räumen, Eiszapfen entfernen. Und das immer wieder. Zusätzlich kommen die anderen Arbeiten des Tages dazu, Mülltonnen verräumen, Heizungen reparieren, Lampen austauschen. Und dazwischen viele Telefonate. "Wenn es schneit, bekomme ich 60 Anrufe pro Tag und werde gefragt, ob ich Kapazitäten habe." Aber der erfahrene Hausmeister ist vorsichtig. Anfragen, bei denen es nur um Winterdienste geht, lehnt er meistens ab. "Wenn man einen Winterdienst annimmt, muss man sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag bereit sein."

Wenn Ljulijzim Malici von seiner Arbeit erzählt, wirkt er stolz. Im Kosovo habe er Landwirtschaft an der Universität in Pristina studiert. Dann kam der Krieg. Im Jahr 1998 sei er dann nach Deutschland gekommen, habe anfangs Treppen und Büros geputzt. Mit den Jahren habe er sich hochgearbeitet und 2008 seine eigene Firma gegründet. Seitdem sei er jeden Tag der erste, der kommt, und der letzte, der geht. Ihm mache das nichts aus. "Ich bleibe nie stehen", sagt er mit einem lauten Lachen im Gesicht.

Für den nächsten Wintereinbruch sieht er sich gerüstet. Mehrere Paletten Salz und Kies habe er bestellt und auf Lager. Auch die Wetter-App auf seinem Handy kontrolliere er mehrmals täglich. "Wenn der nächste Schnee kommt, sind wir bereit", sagt er selbstbewusst. Dennoch ist er froh, wenn der Winterdienst vorbei ist. "Ein Rasen kann auch mal einen Tag warten, aber Schnee, der wartet nicht."

© SZ vom 25.01.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema