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Maxvorstadt:Späte Mission zur Rettung

Tierärztliche Fakultät der LMU in München, 2014

Einziges Einzekldenkmal: das Portal an der Südseite.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Protest der Altstadtfreunde gegen den Abriss der Tierklinik am Englischen Garten muss ohne Rückendeckung durch den Denkmalschutz auskommen. Jetzt bleibt nur noch das Hoffen auf Landespolitiker

Der Titel klingt nach Notfall: "Kein Kahlschlag am Englischen Garten", überschreibt der Verein Altstadtfreunde einen Aufruf zum Erhalt der Tierklinik-Gebäude am Englischen Garten. Gut 1000 Unterschriften hat der Verein gegen den Abriss der Häuser an der Königinstraße gesammelt - und dazu eine Petition beim bayerischen Landtag eingereicht. Dennoch dürfte das Schicksal der Uni-Gebäude besiegelt sein: Bayerns oberste Denkmalschützer halten sie nicht für schützenswert. "Das sind schöne Gebäude, aber keine Denkmäler", sagt der Generalkonservator des Landesamts für Denkmalpflege, Mathias Pfeil. Allerdings: Landespolitiker geben die Gebäude noch nicht auf.

Die Komplexe sollen einem Großprojekt der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) weichen: Auf vier Hektar zwischen der Veterinärstraße, beim Milchhäusl, und der Ohmstraße soll die verstreute Physik-Fakultät zu einem Campus zusammengefasst werden. 50 000 Quadratmeter Nutzfläche stellen sich die Planer vor. Dafür wird die Tierärztliche Fakultät, die dort seit 1900 beheimatet ist, sukzessive nach Oberschleißheim umziehen. Es ist ein Prestigeprojekt des Kultusministeriums. Von "Wissenschaft auf höchstem Niveau im Herzen der Stadt", hatte Ressortminister Ludwig Spaenle (CSU) im Vorjahr gesprochen. Der erste Bauabschnitt ist schon angelaufen, das erste Gebäude eingerissen: 26 Millionen Euro hat der Landtag für das neue Nano-Institut - es entsteht südlich des Bibliotheksgebäudes - genehmigt.

Die Altstadtfreunde wollen nun einen 150 Meter langen Komplex vor der Abrissbirne retten: den südlichen flachen Kopfbau an der Ecke zur Veterinärstraße und den anschließenden Mittelbau, der vor allem durch seine scharf terrassierten Simse im dritten Stock und das säulenartige Eingangsportal ins Auge sticht. Seit 120 Jahren bildeten die Gebäude ein vertrautes Entree zum Englischen Garten, argumentieren die Altstadtfreunde in ihrer Petition. "Wir glauben, dass es eine Lösung gibt, die historischen Bauten zu erhalten", sagt Vereinssprecher Florian Grüning. Das mag Bayerns oberster Denkmalschützer Pfeil gar nicht in Abrede stellen. "Stadtplanerisch mögen die Gebäude erhaltenswert sein. Sie sind schön und imposant, den Wunsch nach dem Erhalt kann ich verstehen. Aber denkmalschutzrechtlich genießen sie keinen Schutzstatus." Er hebt hervor, dass seine Behörde die Häuser untersucht und das Urteil im Zuge des Verfahrens abgegeben habe. Die Bauten seien im Krieg stark zerstört und vereinfacht wieder aufgebaut worden. "Sie haben keine besondere Aussagekraft für ihre Zeit. Man kann sie erhalten, muss es aber nicht tun."

Der Freistaat als Bauherr und Geldgeber wollte dies eben nicht. Alle Entwürfe für den Architektenwettbewerb sahen eine komplette Neubebauung vor. Stadtheimatpfleger Gert Goergens bedauert das immer noch sehr. "Der Verlust dieser hochwertigen Gebäude ist sehr schade", sagt er. Jedoch habe sich damals in der Stadtgestaltungskommission niemand für den Erhalt einsetzen wollen. Der Grundsatzbeschluss des Stadtrates zur Umstrukturierung des Areals vom Mai 2012 nennt als Einzeldenkmal nur das Portal mit den Dreiecksgiebeln an der Südseite beim Milchhäusl.

Nicht ausgeschlossen ist es hingegen, dass sich Landespolitiker ins Zeug legen. Die Petition der Altstadtfreunde soll bis Anfang Februar im Landtagsausschuss für Wissenschaft und Kunst auf den Tisch kommen. "Das ist ein sensibler Bereich. Wir werden uns das sehr gründlich anschauen", kündigt der Gremiumsvorsitzende Michael Piazolo (Freie Wähler) an. Auch der CSU-Abgeordnete Robert Brannekämper will das Verdikt der Denkmalschutzbehörde noch einmal genau prüfen. "Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen."