Maxvorstadt Missliebige Markierung

In der Amalienstraße darf jetzt auf einer Länge von gut 600 Metern schräg geparkt werden - gegen den Willen der lokalen Politiker

Von Stefan Mühleisen, Maxvorstadt

Schon seit zwei Monaten sind rund um das Siegestor die Bauarbeiten im Gange; die städtebauliche Wüste im Umfeld des Triumphbogens soll ein ansprechendes, vor allem fahrrad- und fußgängerfreundliches Gepräge bekommen, mit breiten Wegen, hohen Pappeln, bequemen Sitzbänken. Allerdings werden dafür jede Menge Parkplätze geopfert - die aber nach dem Willen des Stadtrates nicht ersatzlos gestrichen werden: Als Kompensation, so ist es beschlossen, soll die Ostseite der Amalienstraße zwischen Theresienstraße im Süden und der Akademiestraße im Norden von Längs- auf Schrägparkbuchten ummarkiert werden.

Allerdings ist der Bezirksausschuss (BA) Maxvorstadt strikt dagegen, wie das Gremium zuletzt per Beschluss deutlich gemacht hat. Entsprechend wütend fallen die Reaktionen aus, dass Ende vergangener Woche ungeachtet des Votums Mitarbeiter des Baureferats anrückten, um mit den Schrägpark-Markierungen loszulegen. "Es ist städtebaulich eine Blamage, so eine Blechwüste zu schaffen", echauffiert sich Hans-Stefan Selikovsky (SPD), Sprecher des Unterausschusses Verkehr und öffentlicher Raum.

Gemäß einer internen Notiz des Kreisverwaltungsreferats (KVR) ist es unterdessen nicht möglich, durchgängig auf diesem gut 600 Meter langen Abschnitt Schrägparkplätze einzurichten. Genehmigte Freischankflächen oder Ein- und Ausfahrten verhindern dies, weshalb also auch Bereiche mit Längsparkstreifen bleiben. Die Behörde rechnet insgesamt mit 50 zusätzlichen Parkplätzen, die in dieser in südlicher Richtung verlaufenden Einbahnstraße entstehen.

Die Politiker in der Maxvorstadt halten allerdings die gesamte Aktion für einen Fehler. Sie wehren sich wegen der schieren Masse an neuen Stellplätzen - und befürchten dadurch eine Verschlechterung der Verkehrssituation. "Bisher hat der Radverkehr entgegen der Einbahnstraße sehr gut funktioniert. Das wird jetzt sehr problematisch", sagt SPD-Politiker Selikovsky. Es bleibe für Radler zu wenig Platz, wenn etwa Lieferfahrzeuge in zweiter Reihe halten. "Wenn da noch ein Radler kommt, geht gar nichts mehr." All diese Bedenken hatte der Bezirksausschuss Maxvorstadt der städtischen Verkehrsbehörde vor wenigen Tagen schriftlich übermittelt. "Doch die Stadt setzt sich über unser Votum hinweg", sagt Selikovsky. Für die Lokalpolitiker dürfte das auch deshalb bitter sein, weil das städtische Baureferat bei der Planung zur Verschönerung des Siegestor-Umfelds sehr eng mit dem Bezirksausschuss kooperiert hat. Es war Teil einer Projektreihe zur Umgestaltung von fünf Münchner Plätzen, bei der die jeweiligen Konzepte zunächst in den politischen Lokalgremien diskutiert wurden - und die Stadt erst dann tiefer in die Planungen eingestiegen ist.

Die Aufwertung rund um das Siegestor schreitet einstweilen munter voran; der Projektabschluss ist für Herbst 2020 angepeilt. Bis Ende des laufenden Jahres sollen die Arbeiten an den Fahrbahnen abgeschlossen sein, Das Baureferat will dabei zwei Fahrspuren je Richtung aufrecht erhalten; nur im Herbst müsse für acht Wochen auf je eine Spur reduziert werden, heißt es. In der Akademiestraße ist die Ausfahrt zur Ludwigstraße gesperrt. Die bestehenden Einbahnregelungen in Schack- und Adalbertstraße sollen bleiben. Die Umfahrung südlich des Siegestor ist nicht möglich.