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Maxvorstadt:Das Loch nach dem Funk

Bayerischer Rundfunk - Funkhaus

Bald wird der BR sein Stammgelände am Hauptbahnhof verlassen und nach Freimann umziehen.

(Foto: Felix Hörhager/dpa)

Wenn der BR sein neues Zentrum in Freimann bezieht, eröffnen sich auf dem Stammgelände neue Chancen für die Stadt

Von Stefan Mühleisen, Maxvorstadt

Schon seit zehn Jahren läuft beim Bayerischen Rundfunk (BR) ein großer Reformprozess mit dem Aufbau eines neuen Zentrums in Freimann, das die Redaktionen von Hörfunk, Fernsehen und Online zusammenfasst. Damit verbunden ist die Neuordnung des Stammgeländes am Rundfunkplatz in der Nähe des Hauptbahnhofs. Stadt und BR-Führung bereiten derzeit einen Ideenwettbewerb vor, der wohl noch heuer starten soll. Danach dürfte ein Bebauungsplanverfahren anlaufen; das sich bis zum Ende des Jahrzehnts hinziehen könnte, so BR-Intendant Ulrich Wilhelm. Dessen ungeachtet meldete sich nun der Bezirksausschuss (BA) Maxvorstadt zu Wort - und formulierte zur ersten Weichenstellung im Stadtrat einige Forderungen.

Dass dem BR an der Mitwirkung der lokalen Politik gelegen ist, hat die Rundfunkanstalt bereits deutlich gemacht: Die beiden BR-Projektleiter Ulrich Bechler und Thomas Kiermeyer stellten in der Sitzung des Maxvorstädter Gremiums die Überlegungen für das Areal dar. Diese sind, wie im Dezember 2020 auch bei einer Pressekonferenz mit Vertretern von Stadt und BR deutlich wurde, noch vage. Klar dürfte sein, dass der BR etwa ein Drittel der Fläche, 30 000 Quadratmeter Geschossfläche, weiter selbst nutzen wird. Über das Drumherum konnten auch Bechler und Kiermeyer nur sagen, dass dort "Büro- und Verwaltungsstrukturen" sowie wohl ein Boardinghaus entstehe, das Gebiet ein Medienstandort bleiben solle - allerdings mit öffentlich zugänglichen Bereichen. "Vieles ist vorstellbar", sagte Kiermeyer, zumal noch vieles geprüft werden müsse. So etwa, ob das BR-Hochhaus abgerissen werden muss oder erhalten bleiben kann. Fest steht, dass die Keimzelles des BR, der denkmalgeschützte Riemerschmid-Bau, erhalten bleibt. Gut anderthalb Jahre, so schätzt Kiermeyer, dürfte der Rückbau auf dem Gelände dauern. Und der könnte, wenn alles glatt geht, wohl 2024 anlaufen, wenn, so der Plan, die Umsiedlung nach Freimann abgeschlossen ist.

Die Maxvorstädter Politiker wollen jedoch nicht widerspruchslos akzeptieren, dass das Gelände zum reinen Gewerbestandort gerät. Der Auszug des BR, so formuliert der BA in seiner Stellungnahme, sei eine Chance, auch andere Nutzungen zu realisieren. "Vor allem preiswerter Wohnraum fehlt in der Maxvorstadt. Deshalb bitten wir die Stadtverwaltung zu prüfen, ob nicht ein Teil des Geländes als Urbanes Gebiet ausgewiesen werden könnte und dort geförderte Wohnungen z.B. als Werkswohnungen errichtet werden könnten." Das "Urbane Gebiet" ist eine relativ neue Kategorie im Baugesetzbuch, das eine Mischung aus Gewerbe und Wohnen zulässt. Ferner dringt das Gremium darauf, "mit hoher Priorität" unbebaute Flächen für die Öffentlichkeit als Erholungs- und Grünflächen zu erschließen. Zudem soll nach dem Willen des BA ein Mobilitätskonzept mit deutlich weniger Stellplätze erstellt, ausreichend Flächen für Kindertagesstätten reserviert sowie an die Pflanzung von Großbäumen gedacht werden.

Was den Wunsch nach Wohnungsbau angeht, dürften die Chancen allerdings schlecht stehen, wie ein Vertreter des Planungsreferats schon in der BA-Sitzung durchblicken ließ. Das BR-Grundstück ist Teil des Umfelds der Spaten-Brauerei, weshalb das Gebiet baurechtlich als Industriegebiet definiert ist. "Da scheidet Wohnungsbau aus", sagte der Behördenmitarbeiter. Projektmanager Kiermeyer stellte klar, dass der BR zwar Eigentümer der Fläche bleiben - aber selbst nicht Bauherr sein wird. "Wir haben das Kapital nicht und brauchen einen Partner", sagte er und fügte hinzu: "Wir wissen nicht, was bei dem Wettbewerb heraus kommt und wo wir landen werden."

© SZ vom 29.01.2021
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