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Maibock-Anstich:Söder ist der Richtige - aber wofür?

Markus Söder und Hofbräu-Chef Michael Möller.

(Foto: Robert Haas)
  • Seine Rede beim Hofbräu-Anstich ist für Finanzminister Söder heikel: Er muss seine Ambitionen zeigen, ohne Horst Seehofer zu verprellen.
  • Söder bleibt in diesem Jahr deshalb eher zahm. Die Grobheiten überlässt er lieber dem Kabarettisten Django Asül, der die Ziele des Franken aber untermauert.

Von Frank Müllerund Kassian Stroh

Es ist wieder ein münchnerisch-fränkisch-niederbayerisches Gesamtkunstwerk: Mehr als 700 geladene, vorwiegend Münchner Gäste sind an diesem Mittwochabend im Hofbräuhaus, um beim Maibock-Anstich zu verfolgen, wie sich der Franke Markus Söder und der Niederbayer Django Asül kabarettistisch die Bälle zuspielen. Wiederum zeigt der Maibock, dass er sich als ernstzunehmende Konkurrenz für den Starkbieranstich am Nockherberg versteht - und dabei politisch sogar noch aufgeladener ist. Weil Söder, der als Finanzminister zugleich oberster Hofbräu-Chef ist, bei seinem bisherigen zwei Maibock-Auftritten über Ministerpräsident Horst Seehofer viel Spott ausgoss, hören nun alle Kabinettskollegen und Seehofers Sprecher ganz genau hin. Doch sie müssen nicht viel Besorgniserregendes hören. Die witzigen Grobheiten überlässt Söder weitgehend Django Asül, bei dessen Rede sich die Gäste deutlich mehr amüsieren als beim Finanzminister.

Söder, der wieder aufs Oberbayerischste mit Trachtenanzug und Blasmusik in den Saal einzieht, spricht es gleich zu Beginn an: Er habe entscheiden müssen, ob er sich für eine halbe Stunde Spaß ein halbes Jahr Ärger einhandeln wolle - mit seinem Chef.

In den vergangenen Wochen hat Söder viel Liebe und Zeit darauf verwendet, so zu tun, als ob seine diesjährige Rede sämtliche anderen Herausforderungen an einen bayerischen Finanzminister übertreffen würde. Auf den (abwesenden) Seehofer kommt er folgerichtig gleich am Anfang zu sprechen: Gerne hätte er ihn begrüßt, sagt Söder, er habe Seehofer auch um ein Grußwort gebeten. "Neben einem Finanzminister muss auch ein Ministerpräsident eine Chance haben und auf diese Dinge antworten dürfen. Das sollte vor allem ab 2018 gelten - denn man weiß ja nie, wer nach mir Finanzminister ist."

"Kompetenz-Maiböckchen"

Am Ende löst er die Spannung mit einem Kunstgriff auf. Ein virtueller Seehofer ruft ihn auf der Bühne an und empfiehlt ihm, nur eine sehr kurze, von ihm freigegebene Rede zu halten. Inhalt: Bayern supersuper, CSU supersuper, Maibock supersuper.

Kleine Sticheleien statt grober Klötze, und dabei nie den eigenen Ehrgeiz unerwähnt lassen - das ist Söders Linie 2015. Seehofer bekommt noch etwas milden Spott ab für sein geplantes neues CSU-Kompetenzteam, hinter dem Söder vor allem ungeliebte Konkurrenz wittert: "Nächstes Jahr gibt es nicht mehr nur einen Maibock", sagt Söder. Der Ministerpräsident habe ihn gebeten, dass das komplette neue Kompetenzteam von 30 Leuten reden dürfe. Dann gebe es statt einem Maibock künftig eben viele "Kompetenz-Maiböckchen", sagt Söder.

Dann macht Söder Platz für den niederbayerischen Kabarettisten Django Asül, schließlich versteht er sich nur als dessen "Vorprogramm". Der kommt dann allerdings sofort wieder auf den Finanzminister zu sprechen: "Dieses Jahr feiert Bayern zwei historische Großereignisse: 100 Jahre Franz Josef Strauß. Und natürlich noch imposanter: 48 Jahre Markus Söder." Der Heimatminister mit dem zweiten Amtssitz in Nürnberg sei schon jetzt "nordbayerischer Ministerpräsident".

Wen Django Asül verspottet

Django Asül spottet über Söders umstrittenen BR-Auftritt in der Serie "Dahoam is Dahoam": Die Finanzen liefen in Bayern praktisch von selbst, sagt Django Asül. Deswegen könne er sich um seine Schauspielkarriere kümmern. "Da hat der Söder einen uneigennützigen, charmanten Politiker gespielt." Das habe die Zuschauer irritiert und die Kritiker erstaunt. "Sie hätten Söder diese Verwandlungsfähigkeit nicht zugetraut."

Django Asül pflügt sich breit durch bayerische, deutsche und europäische Politik und gibt vor allem der SPD-Opposition um Fraktionschef Markus Rinderspacher, aber auch dessen Parteifreunden im Bund viele Schläge mit. Die SPD sei einfach zu brav. Kein Wunder, dass man beim Googeln des Namens Rinderspacher vor allem das Wort Rinderbraten finde. "Lasst mal ab und zu den Drecksack raus", empfiehlt er und nennt dabei ausdrücklich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker als Vorbild - die einzige richtig grobe Attacke. "Der ist mit Leib und Seele ein echter Drecksack", sagt Asül über Juncker. Als Regierungschef von Luxemburg habe er aus dem Land "die größte Geldwaschanlage der Welt gemacht - da hat selbst die Mafia gesagt: Respekt."

Am Ende kommt Django Asül - natürlich - auf Söder zurück. "Drum kann ich abschließend mit dem Brustton der Überzeugung sagen: Markus Söder ist der Richtige. Aber ich habe keine Ahnung, wofür."

© SZ vom 30.04.2015/mmo
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