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Maibock-Anstich im Hofbräuhaus:"Kabarett muss wehtun"

Django Asül zieht im Hofbräuhaus über die Politik her und sorgt damit mindestens so effektvoll für gute Stimmung wie der Maibock mit seinem Alkoholgehalt von 7,2 Prozent.

Berthold Neff

Was wären die Kabarettisten ohne die Politiker, und vor allem ohne deren Verfehlungen? Nicht sehr viel, räumte Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon am Donnerstagabend im Hofbräuhaus ein, bevor sich Django Asül beim Maibock-Anstich anschickte, der Konkurrenz vom Nockherberg das Fürchten zu lehren. Beim dortigen Starkbier-Anstich durfte Asül sich nur einmal beweisen, das freistaatliche Hofbräu öffnete ihm die Bühne nun schon zum dritten Mal.

Django Asül

Wer als Politiker nicht zum Maibock-Anstich erscheint, kriegt sein Fett gleich doppelt weg.

(Foto: Foto: Robert Haas)

Völlig zu Recht, denn Django Asül sorgt mindestens so effektvoll für gute Stimmung wie der Maibock mit seinem Alkoholgehalt von 7,2 Prozent. Wer nicht da ist, kriegt sein Fett doppelt weg, etwa Markus Söder, Bayerns Gesundheitsminister, der im Auftrag von Ministerpräsident Horst Seehofer deshalb so vehement die von der FDP geforderte Kopfpauschale bekämpft, weil - so Asül - "alles, was mit Kopf zu tun hat, ist dem Söder so was von suspekt". Sozialministerin Christine Haderthauer hört aufmerksam zu, zumal sie sich ja, wie Asül weiß, durchaus Hoffnungen macht, dereinst Ministerpräsidentin zu werden.

Das scheidet für Finanzminister Georg Fahrenschon aus, der ausbaden muss, was ihm sein - ebenfalls anwesender, aber nicht derbleckter Amtsvorgänger Kurt Faltlhauser - eingebrockt hat: Die Landesbank retten, die mittlerweile "Pflegestufe drei beantragt hat".

Stoiber, in dessen Regierungszeit der fatale Kauf der maroden Hypo Alpe-Adria fiel, wird von Django Asül besonders gewürdigt. Sicher habe Stoiber die Unterlagen vor dem Kauf gelesen, "aber kein Mensch kann dem Stoiber nachweisen, dass er es auch kapiert hat".

Da nur die Wichtigen derbleckt werden, sollte es die SPD als gutes Zeichen werten, dass Django Asül auch über die Sozialdemokraten ein paar böse Worte verlor - unter Freunden gewissermaßen. Mit dem bayerischen SPD-Chef Florian Pronold hat Asül nämlich die Schulbank gedrückt und in Deggendorf bei der Sparkasse eine Banklehre gemacht. Ihre gemeinsame Zeit in Niederbayern fasst Asül so zusammen: "Der eine macht Karriere, der andere geht zur SPD."

Der Festsaal quittierte es mit dem stärksten Applaus des Abends und Pronold nahm's mit Humor. Erstens kannte er den Gag schon, zweitens ist er der Meinung: "Kabarett muss wehtun." Wie andere Gäste auch findet er aber, Django Asül habe mehr mit dem Florett als mit dem Säbel agiert und seine Sache gut gemacht.

© SZ vom 30.04.2010/amm

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