bedeckt München 24°

Macher der Nacht:Auf dem Präsentierteller

Sandra Forster wechselte von einem Tattoo-Studio ins Nachtleben und wurde zunächst kritisch beäugt - der Schritt hat sich gelohnt, allerdings hält sie die aktuelle Club-Szene für übersättigt

Von Philipp Crone

München - Um zu verstehen, warum man von einem Tattoo-Studio ins Nachtleben gezogen werden kann, muss man nur die Arme eines durchschnittlichen Münchner Barkeepers ansehen. Sandra Forster, 41, hatte sich nach dem Abitur mit einem Tattoo-Laden selbständig gemacht, und ihre Kunden kamen oft aus der Party-Branche. Und als sich im Jahr 2000 die Chance ergab, selbst dort einzusteigen, zögerte Forster nicht. "Es gab damals ja nicht so viel, außer dem Nachtcafé, dem Schumann's oder dem Holy Home", vor allem nicht viel, wo die Frauen gerne hingegangen sind. Forster eröffnete in der Corneliusstraße das "Hit the Sky", wo heute das "Netzer & Overath" beheimatet ist. Forster kannte Michi Kern, der schon Erfahrungen im Nachtleben hatte, der wusste, wie man eine Location bekam und wie man die so wichtigen Kontakte zu einer Brauerei knüpft.

Schnell wurde ihr Laden zu einem Treffpunkt, "wenn die Mädchen hingehen, kommen die Männer ja sowieso". Doch nach drei Jahren lief der Laden nicht mehr so gut. "Das hat sehr weh getan, man ist ja in so einem Job jeden Tag auf dem Präsentierteller, und dann merkt man, dass die Leute nicht mehr zu einem kommen." Sie hatte das Lokal Zappeforster am Gärtnerplatz eröffnet, und nach einer Weile mit Kern das Zerwirk. "Die Leute merken, ob man hinter einem Konzept steht, und bei unserem Beruf spielt der Job ja auch in die Freizeit. Da muss man sich wohlfühlen in seinen Läden." Forster lernte aus dem gescheiterten "Hit the Sky", ihre folgenden Projekte funktionierten besser. Sie eröffnete das Restaurant Roeckl am Roecklplatz, das Café King in der Müllerstraße, das Kong und vor Kurzem am Promenadeplatz das derzeit sehr angesagte Kismet mit vegetarischem Restaurant und Bar im ersten Stock.

Als Frau im Nachtleben, in einem Job, den sonst fast nur Männer machen? Forster lacht ein wenig atemlos, sie schiebt gerade den Kinderwagen. "Das ist ein harter Job, anders als ein Bürojob, man ist immer den Leuten ausgesetzt." Da sei dann gerne auch mal ein Schlaumeier dabei, der ganz genau wisse, wie schnell ein Gericht gehen muss und was es kosten darf. "In der Gastronomie spielt Tradition schon noch eine besonders große Rolle. Ich erinnere mich an ein Treffen mit Leuten einer Brauerei, da war ich 25, meinen Partnern haben die Bier angeboten und mir ne Cola."

Sandra Forster setzt auf Gastronomie, auch in ihrem Lokal Charlie, das samstags noch in der Kegelbahn zu einem Club wird. Im Herbst eröffnet sie in der Landwehrstraße ein orientalisches Restaurant mit Rakibar, mit dem Namen Kis, vegetarisches Essen wird es geben, in Richtung Streetfood. "Es gibt mittlerweile irre viel Gastronomie in München. Aber ich habe auch das Gefühl, dass die Leute auch mehr essen gehen." Ihre Prognose für das Nachtleben hingegen ist eher ernüchternd. "Ich denke, dass sich die Club-Szene in den nächsten Jahren durchaus verändern wird, weil sie in meinen Augen zur Zeit etwas übersättigt ist."

© SZ vom 20.08.2015
Zur SZ-Startseite