bedeckt München -2°

Lyrik:Wenn Gedichte in die Stadt rufen

Das Schamrock-Festival will sich politisch einmischen. Etliche der 40 bis 50 Autorinnen müssen angesichts der pandemischen Umstände allerdings zu Hause bleiben.

Von Antje Weber

Die Revolution zu begleiten, sei nicht einfach für sie, sagt Tang Siu Wa aus Hongkong: "Sich einzumischen hat mich sehr verändert." Die Lyrikerin und Aktivistin erzählt das in einem Video, das sie vorab an die Organisatoren des Schamrock-Festivals geschickt hatte - für den Fall, dass sie nicht persönlich kommen kann. Doch Tang Siu Wa ist tatsächlich bereits eingeflogen: Am Samstag um 18 Uhr kann man sie im Gespräch mit Lyrikerin Anja Utler in der White Box im Werksviertel erleben; sicherlich eine der spannendsten Begegnungen des Festivals.

"Einmischen - oder Poetry for Future" heißt das Motto des 5. Internationalen Schamrock-Festivals der Dichterinnen, das vom 23. bis 25. Oktober stattfinden wird - mit einem bis zum letzten Moment unwägbaren Programm. Etliche der 40 bis 50 Autorinnen müssen angesichts der pandemischen Umstände nun doch zu Hause bleiben, zum Beispiel vier Dichterinnen aus Katalonien. Doch Augusta und Kalle Laar haben ohnehin ein flexibles hybrides Konzept entwickelt, das digitale und analoge Lesungen, Filme, Performances und Gespräche abwechselt und manchmal sogar ineinander verschränkt. Und so werden alle angekündigten Schriftstellerinnen in irgendeiner Form auftreten.

Nicht nur Münchner Slam-Poetinnen wie Meike Harms, Elisabeth Schwachulla und Katrin Freiburghaus werden also live zu hören sein. Geplant ist auch zum Beispiel ein Live-Gespräch mit der aus Wien anreisenden Schriftstellerin Marlene Streeruwitz. Die Dichterin Volha Hapeyeva aus Belarus ist ebenso dabei wie Keith Zenga King aus Uganda. Der afrikanische Kontinent ist überhaupt stark vertreten, mit einem äthiopisch-eritreischen Schwerpunkt. Den hat die im Münchner Exil lebende eritreische Lyrikerin Yirgalem Fisseha Mebrahtu kuratiert; und dezidiert politisch wird es natürlich auch hierbei immer wieder werden: "Dieses Gedicht ruft nach allen Bürgerinnen und Bürgern einer Stadt", schreibt zum Beispiel Mihret Kebede aus Addis Abeba. "Dieses Gedicht ist selbst eine Stadt, eine Sage, die nach Worten klagt, um für Verlorene auf Wahrheit zu bauen".

Schamrock-Festival, Fr.-So., 23.-25. Okt., White Box, Atelierstr. 18, Infos: www.schamrock.org

© SZ vom 22.10.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema