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Lochhausen:Nicht um jeden Preis

Bei einem Informationsabend machen die Bürger deutlich: Sie wollen Infrastruktur, aber dafür keine weiteren Grünflächen opfern. Sie wünschen sich vor allem eine Schule, eine Ortsmitte, bessere Radwege - und ein Café

"Ist da oben noch was frei?" So schallt es aus dem Flur in Richtung Empore. "Nur noch ein paar Stehplätze", ruft ein Mann zurück, der sich gerade selbst erst durch die schmale Gasse im Tennisheim an der Ziegeleistraße gezwängt hat. Rund 50 Plätze hat das Tennisheim in der Kolonie in Lochhausen. Gekommen sind an diesem Abend aber an die hundert Gäste. Die Enge ist bezeichnend: Die lokale CSU hatte zur Informations- und Diskussionsrunde unter dem Motto "Quo vadis, Lochhausen" eingeladen. Und einer der Punkte, die im Stadtteil seit langem gefordert werden, ist ein großer Veranstaltungsraum.

Lochhausen, das Viertel im Westen an der Grenze zu Gröbenzell, soll nach dem Willen des städtischen Planungsreferates nun auch strukturell entwickelt werden. Die Neubaugebiete "Wohnen am Osteranger", "Spatzenwinkel" und "Henschelstraße" sind längst beschlossene Sache, mit insgesamt knapp tausend neuen Wohnungen wird Lochhausen an diesen Ecken verdichtet. Was bislang fehlt, sind Schulen, Läden, Treffs und Verbesserungen bei der Verkehrsanbindung.

Die Lochhausener, das wird an diesem Abend deutlich, wollen Infrastruktur, aber keine Nachverdichtung um jeden Preis. Der Stadtteil ist geprägt von Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern. Sechsgeschossige Hochpunkte, wie sie etwa an der Osterangerstraße geplant sind, verfehlen nach Meinung der Nachbarn "Maß und Ziel". Wenn einmal ein Pflock in dieser Richtung gesetzt sei, fürchten sie, gehe "das so weiter". "Wir haben hier viel Grün, die halbe Stadt kommt deswegen zu uns", erläutert einer der Kritiker. "Und das soll jetzt quadratisch praktisch zugebaut werden? Das dürfen und werden wir uns nicht mehr gefallen lassen." Ein Grund für den Protest ist die Optik, ein anderer der hohe Grundwasserspiegel in Lochhausen. Eine Hauseigentümerin, die an der Hufschmiedstraße wohnt, erzählt, dass ihr Grundstück beim Kauf anno 1972 noch trocken gewesen sei. Mittlerweile aber, als Folge der zunehmenden Bebauung, laufe ihr immer wieder der Keller voll. "Wenn jetzt noch mehr Häuser kommen, womöglich mit Tiefgaragen, dann saufen wir ab", so ihre Angst.

Für wichtig hingegen erachten die Bürger, wie es ein Vater zweier Jungen beschreibt, "Versorgungsangebote für die Jugend". Dazu zählen Schulstandorte, aber auch Treffs, Sporthallen und ausreichend Betreuungsplätze. Ein zweiter Grundschulstandort im Süden der Lochhausener Straße ist auch dem Bezirksausschuss Aubing-Lochhausen-Langwied ein großes Anliegen: Die Lokalpolitiker wollen die Kinder nicht länger der Gefahr ausgesetzt wissen, auf dem Weg zur Schule die stark befahrene Hauptstraße überqueren zu müssen. "Eine Schülerlotsin", berichtet der zweite Vorsitzende des Stadtteilgremiums, Jürgen Umseher (CSU), habe ihm von "28 Rotverstößen durch Autofahrer pro Schicht" erzählt.

Weil der Stadtbezirk bislang weder über eine Realschule noch über ein Gymnasium verfügt, wird von Eltern zudem der Bau einer weiterführenden Schule in Lochhausen gewünscht. Und die Leiterin der Mittagbetreuung am Schubinweg beklagt, dass es im Stadtteil zu wenige Betreuungsplätze gebe. "Und wenn, dann sind sie wenig familienfreundlich."

Diskutiert wird an dem Abend auch der Verkehr. Einige plädieren für "bessere Radwege", andere für einen Ringschluss der Autobahn A 99 im Süden, um den Transitverkehr durch die Stadt zu minimieren. Wegen der permanenten Staus im Westen der A 99 plant die Autobahndirektion Südbayern, den Bereich um den Aubinger Tunnel sechsspurig und um den Allacher Tunnel achtstreifig, später sogar noch mit einer zusätzlichen Röhre, auszubauen. Auch der Anschluss der Schleißheimer Straße im Norden der Stadt an die Autobahnumgehung A 99, wovon unter anderem BMW profitieren würde, wird derzeit geprüft.

Was in Lochhausen nach Meinung der Bewohner außerdem fehlt, ist so etwas wie eine Ortsmitte. "Ein Platz, wo man sich draußen gemütlich hinsetzen kann. Wo es vielleicht auch ein Café gibt." Die Ecke rund um die Kirche an der Schussenrieder Straße könnte so ein Ort werden, finden die Lochhausener. Idealerweise sogar mit guter Mobilfunkanbindung. Denn auch daran hapert es am westlichsten Stadtrand der bayerischen Metropole.

Das Meinungsbild des Informationsabends nimmt nun der Bezirksausschuss-Vorsitzende Sebastian Kriesel mit - zum Weiterleiten an die Stadt.