Live-Blog vom Oktoberfest Außer Rand und Band

Exzessives Feiern, charmante Italiener und ein Heiratsantrag: Die Wiesn ist an diesem Wochenende fest im Griff der ausländischen Besucher. Seit 10 Uhr morgens sind die meisten Zelte wegen Überfüllung geschlossen. Die drinnen sind, stehen auf den Bänken und grölen so laut sie können.

Von der Theresienwiese berichteten Anna Fischhaber und Beate Wild

Der achte Wiesntag steht ganz im Zeichen des Italienerwochenendes. Wir berichten live vom Oktoberfest und aus dem Hofbräuzelt.

19:52 Uhr

(Foto: Anna Fischhaber)

Dann spielt die Kapelle Y.M.C.A. von den Village People. Ebenfalls ein Wiesnklassiker. Alle Hände sind in der Luft, viele versuchen die dem Song typischen Bewegungen mit den Armen nachzumachen. Bei dem Alkoholpegel der meisten hier im Zelt sieht es eher aus wie das verzweifelte Winken eines in Not geratenen Trachtlers. Oder wollen die nur die Bedienung herbeiwinken für eine neue Maß? Egal. Prost!

19:32 Uhr

(Foto: Anna Fischhaber)

Selbst in den Boxen ist die Stimmung ausgelassen. "We are crazy" ruft ein Mann und schwenkt seinen Rock aus Bast, den er extra in London für das Oktoberfest erstanden hat. Bastrock? Fürs Oktoberfest?

18:54 Uhr

(Foto: Anna Fischhaber)

Im Schottenhammel steht das ganze Zelt auf den Bänken. Manche wollen zum Tanzen auch rauf auf die Tische, doch dann kommt sofort die Security an - denn die Biertische sind aus Sicherheitsgründen verboten. Die Kapelle spielt derweilt "Walking on Sunshine" - doch dass heute den ganzen Tag lang bestes Wiesnwetter war, hat hier drinnen niemand mitbekommen.

18:36 Uhr

(Foto: Anna Fischhaber)

Kurze Schunkel-Pause für dieses Pärchen: Manche sind nach dem stundenlangen Hüpfen auf den Bierbänken schon sichtlich erschöpft. Doch die Blaskapelle hat kein Erbarmen. "Über den Wolken", "Fürstenfeld", "Ab in den Süden" - eigentlich sind alles Wiesnhits so gut, dass man mitgehen muss. Oder?

18:10 Uhr

(Foto: Anna Fischhaber)

Krawall und Remmidemmi im Schottenhamel. Längst ist auch dieses Zelt wegen Überfüllung geschlossen, an allen Eingängen haben sich lange Schlangen gebildet. Wer raus geht, bekommt eine Wiedereinlasskarte, für die inzwischen vor dem Zelt schon bis zu 100 Euro geboten werden. Und die, die drinnen sind, feiern, als gäbe es kein Morgen.

17:50 Uhr

(Foto: Anna Fischhaber)

Draußen auf dem Rasen neben der Bavaria liegen schon die Alkoholleichen. Eine Gruppe junger Männer hat fast wie bewusstlos alle Viere von sich gestreckt, daneben knutscht exzessiv ein Pärchen. Und zwar so wild, dass Umstehende schon applaudieren und die beiden anfeuern. Die zwei Knutscher fühlen sich dadurch anscheinend animiert. Oder merken sie etwa gar nicht mehr, was um sie herum passiert?

17:34 Uhr

Die meist gesprochene Sprache an diesem Samstag ist in jedem Fall Italienisch. Der Bedienung im Biergarten des Armbrustschützenzelt ist das Recht. Als wir einen Radi bei der Bedienung bestellen wollen, schaut sie uns entgeistert an. "Radi? Sowas führe icke nicht", sagt sie dann im breitesten Berlinerisch. Nicht viel besser ergeht es dem Security am Eingang zu alten Oiden Wiesn. Er kommt aus Sachsen - versucht das aber durch eine Art bayerisch-sächsisch zu verstecken. "Hä", sagt ein älterer Herr mit Trachtenhut, als ihm der Weg zum Ausgang erklärt wird. Dann doch lieber Italienisch.

17:05 Uhr

(Foto: Beate Wild)

Das Schichtl ist ja bekannt dafür, auf der Bühne Hinrichtungen mit der Guillotine durchzuführen. Dafür wird stets ein Opfer aus dem Publikum gesucht. Chef Manfred Schauer drückt es salopper aus: "Den Schädel haun wir euch runter, egal ob Mensch oder Preuß".

17:01 Uhr

(Foto: Beate Wild)

Über Ringo, sein ältestes Ensemble-Mitglied sagt Schichtl-Chef Manfred Schauer: "So schaut Gammelfleisch aus, wenn es noch lebt" - und hat damit die Lacher auf seiner Seite.

16:58 Uhr

(Foto: Beate Wild)

Abstecher beim Schichtl: Eigentümer Manfred Schauer steht gerade mit seinem Ensemble draußen auf der Bühne und animiert die vorbeiziehenden Besucher, in seine Show zu kommen. Er klopft einen Spruch nach dem anderen.

16:51 Uhr

(Foto: Anna Fischhaber)

Nicht nur zahlreiche Südländer, auch Norweger trifft man an diesem Samstag auf dem Oktoberfest. Diese Freunde sind bereits zum vierten Mal da und große Fans vom Promizelt Hippodrom und der dortigen Oktoberfestband Simmisamma. In diesem Jahr haben sie sich deshalb extra Shirts mit dem Name der Band gedruckt. "Die waren so begeistert, dass wir auf die Bühne durften", erzählt einer. "Vor sechstausend Leuten haben wir mitgesungen, das war Wahnsinn". Zu mehr als einem Prosit der Gemütlichkeit habe ihr Deutsch dann allerdings doch nicht gereicht.