Süffiges ohne Kohlensäure

Das beste Bier der Welt ist nicht das Helle, sondern der Zoigl. Kennen Sie nicht? Macht nichts, der Zoigl ist einem exklusiven Zirkel von Menschen vorbehalten - den Bewohnern einer wirtschaftlich eher schwachen, mehr ländlich als urban geprägten Region: der nördlichen Oberpfalz. Wenn wir sonst schon nichts haben, dann wenigstens den Stolz aufs beste Bier. Die untergärige Spezialität wird traditionell ausschließlich in sogenannten Kommunbrauhäusern in genau fünf Orten gebraut: Windischeschenbach, Neuhaus, Falkenberg, Mitterteich und Eslarn (auch diese Orte müssen Sie nicht kennen). Das süffige Zoiglbier wurde früher einfach in der Stube, also quasi im Wohnzimmer oder der Küche des jeweiligen Brauers ausgeschenkt. Und wer es brauen will, braucht auch heute noch den passenden Eintrag im Grundbuch, weil das Braurecht fest mit Haus und Grundstück verbunden ist.

Der Zoigl unterscheidet sich vom herkömmlichen Bier der Brauereien durch seinen geringen Kohlensäureanteil, was das Trinken deutlich erleichtert. Man nimmt dieses trübe, weil ungefilterte Oberpfälzer Original am besten mit einer deftigen Brotzeit zu sich. Die gemütlichen Zoiglstuben, die sich aus den Wohnzimmern der Brauer entwickelt haben, sind genau dafür vorgesehen. Man erkennt sie am Stern an der Fassade, der ein wenig aussieht wie der jüdische Davidstern. Die sechs Zacken stehen für die am Brauen beteiligten Elemente Feuer, Wasser und Luft sowie die Bierzutaten Wasser, Malz und Hopfen. Wenn man Glück hat, kostet die "Halbe" Zoiglbier nur 1,60 Euro, die Schlachtschüssel gibt es für etwa drei Euro dazu. Ja, in mancher Hinsicht ist in der nördlichen Oberpfalz die Welt noch in Ordnung. Von Dominik Fürst

10. Februar 2015, 12:242015-02-10 12:24:20 © SZ.de/tba