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Veranstalter Till Hofmann:Der Mann der vielen Orte

Als Manager begleitet er die La Brass Banda, privat feiert er mit Mehmet Scholl Geburtstag: Till Hofmann ist ein Schwabinger Veranstalter mit Sinn für gehobenes Geblödel. Nun globalisiert er sein Kleinkunstreich.

Man könnte ihn "Münchens Großunternehmer in Sachen Kleinkunst" nennen. Aber ihn als "Unternehmer" zu bezeichnen, da sträubt sich etwas dagegen, das klingt etwas zu sehr nach einem Zahlenmenschen. Im Grunde erinnert Till Hofmann einen ja ein bisschen an einen aufgeweckten Schülersprecher, der etwas auf die Beine stellt, weil ihm das gerade saumäßig Spaß macht. Das ist oft die Antriebsfeder seines Handelns - und tatsächlich hat so auch alles seinen Anfang genommen.

Till Hofmann, 2010

Till Hofmann, Großunternehmer in Sachen Kleinkunst, ist ein Muster an Gelassenheit, der begeisterungsfähige Leute um sich zu scharen weiß, denen er vertrauen kann und die er dann auch machen lässt. "Des geht scho", sagt er. Und dann geht es eben schon.

(Foto: Stephan Rumpf)

Nur ist Till Hofmann jetzt nicht mehr Schülersprecher am Leopoldinum in Passau, sondern Betreiber des Lustspielhauses, der Lach- und Schießgesellschaft, des Vereinsheims, des Café Ringelnatz, alle in Schwabing beheimatet, außerdem des Stadttheaters Oblomow in der Hans-Sachs-Straße.

Seit dem 3. Januar ist er nun auch noch Mitbetreiber des neu eröffneten Kabaretttheaters "Stadtsaal" im Wiener 6. Bezirk. Damit wird nun das System Hofmann gewissermaßen globalisiert. Er sieht das freilich überhaupt nicht so: "Wien hat mich eh immer schon interessiert. Ich habe auch Verwandtschaft dort." Warum also nicht auch ein Kleinkunstlokal eröffnen?

Wenn man Till Hofmann so zuhört, erscheint einem sowieso alles ganz selbstverständlich, was er so auf die Beine stellt. Mitarbeiter und Freunde, befragt nach einem typischen Satz von ihm, sagen meist: "Des geht scho." Oftmals handelt es sich auch nur um einziges Wort: "Eh!" Das erschließt sich nun nur dem richtig, der sich ein bisschen auskennt mit dem Typus des Niederbayern an sich. Der ist es gewohnt, sich knapp auszudrücken, und das Wort "eh" kann dabei sehr vielfältige Bedeutungen haben, auch wenn es meist so viel besagt wie "schon klar".

Till Hofmann kam auf die Welt im niederbayerischen Hofkirchen. Niederbayerische und österreichische Wurzeln - das ist sicher keine schlechte Voraussetzung, wenn man später mal mit Kabarett zu tun haben wird. Bei Hofmann war das so zwar nicht direkt abzusehen gewesen. Er rutschte da so hinein, als er Schülersprecher am Gymnasium war - und eine der vornehmsten Aufgaben, die der Bayerische Staat der sogenannten "Schülermitverantwortung" zugestand, war das Ausrichten von Schulfesten und Veranstaltungen.

Hofmann erwies sich da als besonders gewieft, wie sein damaliger Rektor heute noch zu berichten weiß. Der Rektor, sagt Hofmann, habe ihn gerne machen lassen, und so kam es zu Konzerten mit Maceo Parker und Klaus Kreuzeder in der Schulaula, zu Auftritten von Sigi Zimmerschied und Bruno Jonas, was vor 20 Jahren an Passauer Schulen noch nicht üblich war, vorsichtig ausgedrückt.

Da hat Hofmann jedenfalls gemerkt, dass es ihm liegt, etwas auf die Beine zu stellen. Er organisierte zu Hause in Passau weiterhin Veranstaltungen, gründete noch als Schüler seine Agentur "Eulenspiegel Concerts", die unter anderem seit 1995 in Passau das "Eulenspiegel-Zeltfestival" veranstaltet. Eine Zeitlang hat er dann Bruno Jonas begleitet, wenn der auf Tour ging, und hat die Technik für ihn gemacht. "Beziehungsweise so getan, als ob ich von Technik was verstehe", sagt er und lacht.

Eigentlich war er damals an der Passauer Uni in Romanistik eingeschrieben, aber das Studium "ruht noch immer", wie er sagt. Bruno Jonas übernahm in den Neunzigern zusammen mit dem damaligen Münchner Konzerthallen-Meister Wolfgang Nöth das Lustspielhaus in Schwabing, und als Nöth 1996 sich zurückzog, weil er gerade den Kunstpark Ost aufmachte, fragten sie Hofmann, ob er den Laden nicht als Geschäftsführer übernehmen wollte. Hofmann wollte, und das war sozusagen der Grundstein für sein Kleinkunst-Imperium. Was Wolfgang Nöth seinerzeit auf dem Gebiet der Konzerthallen war, das ist Till Hofmann heute in Sachen Kleinkunst: der Mann der vielen Orte.