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Lerchenau:Anhaltender Protest

Lokalpolitiker lehnen Eggarten-Bebauung weiter ab

Von Jerzy Sobotta, Lerchenau

Lokalpolitiker aus dem Münchner Norden lehnen erste Entwürfe zur Bebauung der Eggartensiedlung mit 2000 Wohnungen ab. Der örtliche Bezirksausschuss (BA) stimmte im Oktober erneut über das Projekt ab, das bald in die nächste Planungsrunde geht. Im Juli wurden die beiden Berliner Architektenbüros Studio Wessendorf und Atelier Loidl Landschaftsarchitekten zu den Siegern des städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerbs gekürt, nach deren Vorlagen die Siedlung nun weiter entworfen wird. Anfang 2021 soll auch der Stadtrat diesen Plänen zustimmen, damit ein Bebauungsplan erstellt werden kann.

Die Politiker aus dem Norden lehnen die Bebauung grundsätzlich ab: Das Gelände sei ein wertvolles Biotop und dürfe aus ökologischen Gründen nicht bebaut werden. Das ganze Stadtklima würde sich erwärmen, da sich der Eggarten zwischen zwei Frischluftschneisen befindet. "Es ist absurd, dass die Stadt den Klimanotstand ausruft und dann so etwas baut", sagte Johann Hohenadl (FDP). Neben CSU und Grünen lehnten fast alle im BA vertretenen Parteien die Bebauung ab. Auch die AfD. Eine Kehrtwende, denn vergangenes Jahr hatte ihr Vertreter Manfred Neudecker noch über den Eggarten gesagt: "Er ist ein einziges Gerümpel, kein Biotop."

Einzig die SPD stellt sich hinter den Siegerentwurf. Sie begrüßte, dass die Hälfte aller Wohnungen im Eggarten von Genossenschaften gebaut und betrieben werden: "Bezahlbare Wohnungen sind in München sehr knapp. Daher unterstützen wir den Wohnungsbau", sagte Gabriele Meissner (SPD). Sie forderte eine bessere Anbindung an den Nahverkehr, vor allem weil das neue Quartier weitgehend autofrei bleiben soll. Anders die Grünen: Sie wollen einen umgehenden Stopp aller Arbeiten auf dem Gelände, bis das Ergebnis einer Umweltverträglichkeitsprüfung vorliege. Eine solche hatte das Gremium im Sommer gewünscht, bisher aber noch keine Antwort der Stadt bekommen. Die Grünen befürchten, dass der Abriss von maroden Häusern und Baumfällungen die Habitate von Tieren und Pflanzen zerstört.

In der Siedlung wird regelmäßig Totholz beseitigt, außerdem werden Sträucher und Bäume zurückgeschnitten. Nicht mehr genutzte Gartenhütten und Schuppen auf einigen Grundstücken werden rückgebaut, bestätigen die Eigentümer. Alles im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht, versichern sie auf Anfrage der SZ. Die Arbeiten erfolgten "unter fachgutachterlicher Aufsicht und im Einklang mit dem Natur- und Artenschutz. Über den Sommer wurde darüber hinaus umfassend kontrolliert, ob sich Fledermäuse in den Häusern und Schuppen der Eggarten-Siedlung aufhalten." Der Abschlussbericht eines biologischen Fachbüros soll in Kürze vorgelegt werden. Die Pachtverträge für die Kleingärtner seien bereits für 2021 verlängert worden. Größere Arbeiten seien für die kommenden Monate nicht geplant.

© SZ vom 24.10.2020
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