bedeckt München 22°

Landwerkstätten:Schweine hatten sich mit Geflügel-TBC infiziert

Auch beim Antibiotika-Einsatz legte Mülln nach. Er präsentierte ein Dokument des Tiergesundheitsdiensts (TGD) Bayern, laut dem die Keime im Kadaver eines zwei Wochen jungen Herrmannsdorfer Ferkels gegen sechs Antibiotika-Gruppen resistent waren. "Sechs Antibiotika - das ist eine immense Menge", sagte Mülln. "Da stellt sich die Frage, wie so etwas in einem Bio-Musterbetrieb zustande kommt."

Außerdem präsentierte Mülln ein Dokument, in dem der TGD Schweisfurth sehr deutlich an seine Verantwortung den Verbrauchern gegenüber erinnert. Der Grund war, dass sich in den Landwerkstätten Schweine mit Geflügel-TBC infiziert hatten. Der Erreger kann für ältere und geschwächte Menschen gefährlich sein.

Ursache für die Infektion der Schweine dürfte die "symbiotische Landwirtschaft" gewesen sein, also die Haltung von Hühnern und Schweinen auf denselben Flächen.

Das Ferkel sei gleichsam von Natur aus gegen die Medikamente immun gewesen

Die Tierärzte forderten, solche Infektionen zu unterbinden. "Gerade in Herrmannsdorf sollte man sich der Verantwortung gegenüber dem Kunden bewusst sein", heißt es in dem Schreiben. Man müsse "alle Möglichkeiten ausschöpfen, nicht nur eine artgerechte Haltung anzustreben, sondern auch sicheres Fleisch zu erzeugen".

"Wir haben sofort die Zahl der Hühner reduziert", sagte Schweisfurth. "Vor allem die der älteren." Denn ältere Hühner seien besonders anfällig für Geflügel-TBC. Die Maßnahmen hätten gegriffen, Geflügel-TBC sei kein Thema mehr in Herrmannsdorf.

So wie auch Antibiotika-Resistenzen. "Der Befund von den sechs Resistenzen, die Mülln anprangert, hat keine Aussagekraft", erklärte Schweisfurth. "Das waren sogenannte natürliche Resistenzen." Das Ferkel sei gleichsam von Natur aus gegen die Medikamente immun gewesen. Solche Fälle träten immer wieder auf.

© SZ vom 03.02.2016/dit

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite