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SZ-Serie: "Campus-Köpfe":Ein Extra-Semester fürs Engagement

"Kleine Erfolge gibt es ganz viele", sagt Zaim Sari über seine Arbeit als studentischer Vertreter im Senat und im Hochschulrat der TU.

(Foto: Catherina Hess)

Der 21 Jahre alte Zaim Sari studiert Informatik an der Technischen Universität in Garching. Nebenbei vertritt er die Interessen seiner Kommilitonen im Senat und im Hochschulrat.

Zaim Sari wartet schon. Er hat für das Gespräch einen Raum im Studitum in Garching reserviert, online versteht sich, denn Sari studiert nicht nur Informatik im sechsten Semester, Digitalisierung der Hochschulen ist eines der Themen, die er sich gesucht hat und das er in diesem Fall auch bundesweit verfolgt.

Der 21-Jährige sitzt zudem noch als studentischer Vertreter im Senat und im Hochschulrat der Technischen Universität München (TU). "Es ist das höchste Amt, das per Wahlen vergeben wird", sagt er und klappt seinen Computer auf. Da kann er zeigen, was er da zu tun hat. Der erste Eindruck: Hunderte von Seiten aus Satzungen lesen. Oft sei es eine trockene Angelegenheit, gibt er zu, "aber es ist wichtig, um Fehler zu vermeiden und Nachteile für Studenten."

Sari, der Name kommt aus dem türkischen und bedeutet Gelb, wie er sagt, läuft einem öfter mit Anzug über den Weg und sticht allein deswegen schon aus der Masse, etwa bei der Eröffnung der neuen Mensa. Ja, sagt er, bei Senatssitzungen und auch im Hochschulrat trügen alle Herren Anzüge, da habe er sich "mal so eingeordnet", bei offiziellen Veranstaltungen gelte das auch.

Saris Engagement in der Fachschaft hat als Information-Officer begonnen, 2018 bewarb er sich erfolgreich um die Vertretung im Senat und im Hochschulrat. Im Senat sitzt er mit sechs Professoren und Vertretern der wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Mitarbeitern der TU und der Frauenbeauftragten sowie dem zweiten studentischen Vertreter, Philipp Koch, ebenfalls vom Garchinger Campus.

Sechs bis sieben Mal im Jahr tritt der Senat zusammen, der Hochschulrat etwa einmal im Semester. Zuletzt, als es darum ging, einen neuen Präsidenten für die TU zu finden, allerdings weit häufiger. "Die Kandidaten haben sich da vorgestellt und wir haben sie alle ausgehorcht und gelöchert", erzählt Sari. Es sei schon spannend gewesen, was für verschiedene Ideen dort vorgetragen worden seien. "Wir haben immer auf die Lehre geschaut", betont Sari, denn die Verbesserung der Lehre und die Modernisierung der Universität in Zusammenarbeit mit den Studenten sei ein wichtiges Thema.

Studiensatzungen, Berichte über die Berufungsverfahren, Zulassungsverfahren - Sari ist gut beschäftigt, die entsprechenden Unterlagen für die Senatssitzungen durchzuarbeiten. "Man bekommt Routine beim Lesen und man hat ja auch Mustersatzungen", sagt der Student. Beispielsweise hat der Senat beschlossen, englisch verfasste Bachelorarbeiten als Sprachnachweis für ein Masterstudium anzuerkennen, ein Cambridge-Zertifikat ist dann nicht mehr nötig.

Drei bis vier Stunden dauere so eine Sitzung in der Regel, auch die Studenten dürften dort vortragen. Manchmal gibt es auch konkrete Probleme, auf die die Studenten hinweisen. So hatten sich etwa Studierende über einen Mangel an Tutoren beklagt. Nach einer Intervention der Studentenvertreter wurden mehr Tutoren eingestellt. "Kleine Erfolge gibt es ganz viele", sagt Sari.

"Man lernt ganz viel. Zum Beispiel, wie man strukturiert arbeitet und wie man mit Leuten diskutiert."

Bei seinem eigenen Studium hat Sari Abstriche gemacht. Die Aufgabe als Studentenvertreter sei sehr arbeitsintensiv. "Aber ob ich ein Semester länger mache oder nicht, ist egal, habe ich für mich gesagt." Immerhin profitiere er auch durch dieses Engagement: "Man lernt ganz viel. Zum Beispiel, wie man strukturiert arbeitet und wie man mit Leuten diskutiert." Zumal ihn die Themen wirklich interessieren. In Sachen Digitalisierung arbeitet Sari mit Studierenden aus ganz Deutschland in der Arbeitsgemeinschaft des Hochschulforums Digitalisierung zusammen.

An der TU hätte sich schon einiges getan, "aber viele Dinge fehlen noch", sagt er und nennt als Beispiel Online-Klausuren. Vorteile für den Studenten wären auf jeden Fall die Ortsunabhängigkeit, gerade für Leute, die Semester im Ausland verbringen, die Barrierefreiheit und die Geschwindigkeit, in der eine solche Prüfung ausgewertet werden könnte. Dagegen werde häufig argumentiert, die Realisierbarkeit ebenso wie die Aufsicht der Prüfungsteilnehmer sei schwierig. In Deutschland existiere bislang kein etabliertes Modell, anders als in den USA. Ebenso fordert Sari, dass Vorlesungsaufzeichnungen flächendeckend online zur Verfügung stehen sollten, das gebe es bislang nur für einzelne Vorlesungen.

Es gibt also noch viel anzupacken für den Studentenvertreter. Hat er noch besondere Ziele? Wohnraum für Studenten, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Sari, der in Garching wohnt, kennt den Mangel. Selbst wenn neue Studentenwohnheime für 1000 Leute am Campus gebaut würden, sagt er, "5000 könnte der Campus vertragen, die würden auch weggehen." Es hat gepiept. Die Zeit im Besprechungszimmer ist fast abgelaufen und Sari ist schon auf dem Sprung. Es steht genügend Arbeit an.

© SZ vom 03.03.2020
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