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Verkehr:Oberhaching prüft Vorrang für Radler

Verkehrsplaner sollen neue Regeln für die Linienstraße untersuchen

Von Iris Hilberth, Oberhaching

Wäre es nach der SPD gegangen, hätte die Gemeinde Oberhaching an der Linienstraße ein paar Schilder aufgestellt und die Nord-Süd-Verbindung entlang der Bahnlinie wäre sofort als Fahrradstraße ausgewiesen worden. Doch so einfach sei das nicht, mahnte die Verwaltung in der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses und schlug vor, erst einmal die Sinnhaftigkeit und Machbarkeit einer solchen Umwandlung von einem Verkehrsplanungsbüro prüfen zu lassen. Margit Markl von der SPD leuchtete dieses Vorgehen nicht ein, die übrigen Ausschussmitglieder sprachen sich aber für eine solche Untersuchung aus.

Die Linienstraße zählt zu den am stärksten von Radfahrern genutzten Strecken in Oberhaching. Wer aus München an der Kugleralm vorbei in Richtung Sauerlach weiter will, kommt hier durch. Es wäre also naheliegend, eine Fahrradstraße daraus zu machen, das räumt auch die Verwaltung ein. Für die Radler würde sich nicht viel ändern, es bliebe weiterhin bei Tempo 30 und das heute schon vielfach praktizierte Nebeneinanderfahren mit dem Fahrrad wäre legalisiert, führte Amtsleiter Alexander Maierhöfer aus und sprach von einem "symbolischen Charakter", allerdings "mit weitreichenden Folgen".

Wie die Verwaltung erläuterte, müsste an jeder Abzweigung die Tempo-30-Zone neu beschildert werden. Und es gibt viele Einmündungen in die Linienstraße, an jeder müsste zusätzlich das Bodenpiktogramm "Fahrradstraße" angebracht werden. Das wäre zwar viel Arbeit für den Baubetriebshof, doch das eigentliche Problem sieht Maierhöfer in den bislang wenig bekannten Bestimmungen, die mit einer Fahrradstraße für Radfahrer und Autofahrer einhergehen. Wegen möglicher Missverständnisse sieht man im Rathaus weiteres Konfliktpotenzial in diesem Bereich. Schon jetzt sind sich Radfahrer und Anwohner hier nicht immer gewogen. "Denn jene Radler, die heute schon wenig rücksichtsvoll unterwegs sind, dürften noch mehr Eigensinn entwickeln, da ja nunmehr die gesamte Straße alleine ihnen, also den Radlern, vorbehalten ist", befürchtet die Verwaltung. Genau dieses "emotionale Momentum" dürfte gerade bei den Anwohnern kaum auf Akzeptanz stoßen, glaubt Maierhöfer. Die heute schon angespannte Situation könnte noch verschärft werden, die Fahrradstraße eine "Verschlimmbesserung" mit sich bringen und die Gräben zwischen den Verkehrsteilnehmern weiter vertiefen. "Wir werden das prüfen, ganz genau anschauen und gründlich nachdenken", versprach Bürgermeister Stefan Schelle (CSU).

© SZ vom 07.04.2021
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