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Unwetter:Mordsdusel am Morgen

Sturmtief "Sabine" entwurzelt Bäume und deckt Dächer ab - etwa an der Erich-Kästner-Schule in Höhenkirchen

Eine Gruppe von Lehrern hat am Montagmorgen großes Glück gehabt, als eine Sturmböe Teile des Dachs der Erich-Kästner-Schule in Höhenkirchen abdeckte. Zwei größere Teile des Blechdachs am Mittelbau hatten sich gelöst und flogen in Richtung Straße. Ein Teil landete gegen 8.30 Uhr nur knapp neben dem Bushaltehäuschen, an dem einige Lehrer warteten. Sie hätten das Dach direkt auf sich zufliegen sehen, berichtete Rektor Torsten Bergmühl, und sie seien nur knapp einem Unglück entgangen. "Heute hatten wir echt einen Mordsdusel", sagte er. Wegen des Orkantiefs Sabine waren die Schulen im Landkreis geschlossen. Am Dienstag findet laut Landratsamt wieder Unterricht statt; mit Ausnahme der Erich-Kästner-Schule.

Den ganzen Tag über beeinträchtigten immer wieder aufkommende starke Böen den Alltag im Landkreis. S-Bahnen verkehrten über Stunden nicht und später nur eingeschränkt. Gegen 7.45 Uhr wurde der Verkehr auf den Außenästen für längere Zeit eingestellt. Besonders betroffen war die S 7, auch am Nachmittag war nur ein Pendelverkehr zwischen Hohenbrunn und Höllriegelskreuth möglich. Die Feuerwehren rückten laut Einsatzzentrale im Landratsamt alleine bis 13.30 Uhr insgesamt 275 Mal aus. Bäume und Äste blockierten Verkehrswege. Die B 11 zwischen Schäftlarn und Icking war von umgestürzten Bäumen freizuräumen, bei Hohenschäftlarn war am Morgen die Straße nach Schorn von schweren Stämmen blockiert. Es seien, ähnlich wie an der Kästner-Schule, Dächer abgedeckt worden, hieß es. Niemand sei aber bis in den Nachmittag hinein verletzt worden. Alles sei weitgehend glimpflich ausgegangen. Die Einsatzzentrale sprach von "normalem Unfallgeschäft".

Die Schäden allerdings lassen sich noch nicht genau abschätzen. Das Landratsamt berichtete von teils heftigeren Schäden in den Wäldern und Erholungsgebieten im Landkreis. Es seien Bäume umgestürzt und zahlreiche, auch größere Äste durch den Sturm abgerissen worden und auf Fuß- und Radwege gefallen. Weil auch für die kommenden Tage unbeständiges Wetter mit weiteren teils heftigeren Sturmböen vorhergesagt ist, werden sich der Mitteilung zufolge die Aufräumarbeiten sowie die Baumkontrollen einige Zeit hinziehen. Die Bevölkerung wird aufgerufen, die Erholungsgebiete und Waldflächen noch zu meiden, weil instabil gewordene Bäume auch noch Tage nach dem Sturm umstürzen könnten. Angebrochene Äste könnten herunterfallen. Die Feuerwehr rechnete am Montagabend noch mit weiteren Sturmeinsätzen. Die offizielle Unwetterwarnung für München galt bis 18 Uhr.

Aus Sicht von Rektor Bergmühl zeigte der Vorfall an der Erich-Kästner-Schule, dass es vollkommen richtig war, den Unterricht am Montag im Landkreis komplett ausfallen zu lassen. Nicht auszudenken, es hätten sich Schulkinder auf den Wegen oder an der Bushaltestelle aufgehalten und wären von Teilen des Dachs getroffen worden. Die Böe hat außer dem Blechdach auch die darunterliegende Dachpappe und Isolierung abgerissen. Das Dach ist womöglich nicht dicht. Aus Sicherheitsgründen bleibt laut Bergmühl die Kästnerschule auch am Dienstag geschlossen. Es werde auch keine Notbetreuung geben.

Am Neuen Schloss Schleißheim hat das Orkantief Schäden von bisher nicht bekannten Ausmaß verursacht. Die Bayerische Schlösserverwaltung sah sich außer Stande, dazu nähere Angaben zu machen. Detaillierte Aussagen seien erst nach Ende des Sturms möglich. Mancherorts wie in Haar waren Friedhöfe aus Sicherheitsgründen gesperrt. Wegen Aufräumarbeiten gilt das auch für Dienstag.

© SZ vom 11.02.2020
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