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Kommunalwahl  im Landkreis München:Auf in die zweite Runde

Selbst ist die Frau: Die scheidende Bürgermeisterin Ursula Mayer von Höhenkirchen-Siegertsbrunn beim Eintüten der Wahlunterlagen.

(Foto: Claus Schunk)

Noch nie hat es im Landkreis München so viele Stichwahlen gegeben: Neun amtierende Bürgermeister und Landrat Christoph Göbel müssen um den Wiedereinzug in Rathäuser und Kreisbehörde bangen. In sieben weiteren Kommunen werden am 29. März neue Chefs bestimmt.

Neun amtierende Bürgermeister sowie Landrat Christoph Göbel (CSU) müssen am Sonntag, 29. März, um ihre Wiederwahl bangen. Insgesamt sind nahezu 270 000 Wahlberechtigte im gesamten Landkreis dazu aufgerufen zu entscheiden, ob künftig Göbel oder sein Herausforderer Christoph Nadler von den Grünen die Geschicke im Landratsamt am Mariahilfplatz lenken soll. Der Amtsinhaber geht dabei als klarer Favorit ins Rennen, konnte er doch die erste Runde klar mit 44,5 Prozent zu seinen Gunsten entscheiden, Nadler kam auf 24,9 Prozent.

Diese zweite Runde der Kommunalwahl, die aufgrund der Corona-Krise erstmals als reine Briefwahl organisiert wird, dürfte so spannend werden wie keine Kommunalwahl zuvor. Dies liegt schon an der schieren Zahl der Stichwahlen: Die Wahlberechtigten entscheiden in knapp einer Woche nicht nur darüber, wer Landrat wird, in 16 Städten und Gemeinden geht es auch darum, wer auf dem Chefsessel im Rathaus sitzen wird. Nie zuvor gab es im Landkreis München so viele Stichwahlen.

Arg in Bedrängnis ist vor der finalen Runde Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD), die im ersten Wahlgang mit nur 42,2 Prozent hinter ihrem Herausforderer Andreas Bukowski von der CSU (42,4 Prozent) landete. Auch Oberschleißheims Rathauschef Christian Kuchlbauer (Freie Wähler) muss zittern; er kam auf nur 29,1 Prozent, und muss sich des Newcomers Markus Böck von der CSU erwehren, der 24,1 Prozent schaffte. Als Favoriten ins Rennen gehen hingegen Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck von der SPD (47,9 Prozent) gegen Stefan Krimmer von der CSU (35,1 Prozent) und Unterhachings Rathauschef Wolfgang Panzer von der SPD (48 Prozent) gegen Armin Konentschny von den Grünen (21,1 Prozent). Auch Pullachs amtierende Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund, die bisher einzige Rathauschefin der Grünen im Landkreis, sowie ihr Hohenbrunner Amtskollege Stefan Straßmair von der CSU dürfen sich berechtigte Hoffnungen auf ihre Wiederwahl machen.

Stichwahlen im Überblick

Landrat: Christoph Göbel (CSU/erster Wahlgang: 44,5 Prozent), Christoph Nadler (Grüne/24,9 Prozent).

Aschheim: Thomas Glashauser (CSU/48,0), Eugen Stubenvoll (FW/32,7 ).

Aying: Peter Wagner (CSU/35,9), Hermann Oswald (PWH/32,0).

Baierbrunn: Patrick Ott (ÜWG/45,6), Uwe Harfich (SPD/27,5).

Feldkirchen: Andreas Janson (UWV/42,3), Christian Wilhelm (SPD/32,7).

Garching: Dietmar Gruchmann (SPD/41,0), Jürgen Ascherl (CSU/28,1).

Gräfelfing: Uta Wüst (IGG/36,3), Peter Köstler (CSU/36,3).

Haar: Gabriele Müller (SPD/42,2), Andreas Bukowski (CSU/42,4).

Hohenbrunn: Stefan Straßmair (CSU/47,2), Pauline Miller (ÜWG-FW/BF/33,4).

Höhenkirchen-SIegertsbrunn: Mindy Konwitschny (SPD/37,2), Roland Spingler (CSU/27,2).

Neubiberg: Thomas Pardeller (CSU/37,5), Kilian Körner (Grüne/29,7).

Oberschleißheim: Christian Kuchlbauer (FW/29,1), Markus Böck (CSU/24,1).

Planegg: Hermann Nafziger (CSU/25,9), Cornelia David (FW/17,4).

Pullach: Susanna Tausendfreund (Grüne/42,8), Christine Eisenmann (CSU/23,0).

Schäftlarn: Christian Fürst (CSU/43,7), Marcel Tonnar (Grüne/36,2).

Unterhaching: Wolfgang Panzer (SPD/48,0), Armin Konetschny (Grüne/21,1).

Unterschleißheim: Christoph Böck (SPD/47,9), Stefan Krimmer (CSU/35,1). müh

Spannend dürfte es überall werden

Spannend dürfte es in allen sieben Kommunen werden, in denen ein neuer Rathauschef gesucht wird. Überall dort, wo Bürgermeister nicht mehr antreten, schaffte es kein Kandidat auf Anhieb ins Rathaus. Eine Stichwahl auf Augenhöhe wird etwa in Neubiberg erwartet: Dort ringen Thomas Pardeller (CSU) und Kilian Körner von den Grünen um die Nachfolge von Günter Heyland (Freie Wähler). Auch in Feldkirchen und Höhenkirchen-Siegertsbrunn sind knappe Ergebnisse zu erwarten.

Sicher ist, dass diese Stichwahlen unter ganz besonderen, bisher unbekannten Voraussetzungen stattfinden werden. Im Ottobrunner Rathaus etwa organisiert derzeit ein kleines, stark reduziertes Team um Hauptamtsleiter Wolfgang Walter die Stichwahl, da der Großteil der Belegschaft ins Home-Office geschickt wurde oder unter Quarantäne steht, nachdem es in der Verwaltung vier nachweisliche Erkrankungen mit dem Coronavirus gibt. Auch der wiedergewählte Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) arbeitet derzeit von zu Hause aus. Er übte zuletzt harsche Kritik am Plan der Staatsregierung, die Stichwahlen durchziehen zu wollen - dankte aber zugleich seinen Mitarbeitern für die Vorbereitung des Urnengangs. "Stand jetzt", sagte Loderer, könne in seiner Gemeinde die Wahl abgehalten werden. Schon vor der ersten Runde seien "genügend Reserven" an Wahlhelfern für die Auszählung angehäuft worden. Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr hätten die Wahlunterlagen eingetütet. Dies hat im Rathaus von Höhenkirchen-Siegertsbrunn die noch amtierende Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) am Wochenende gemeinsam mit Mitarbeitern gleich selbst erledigt.

In Haar hat die Gemeindeverwaltung Erzieherinnen, die bei der Gemeinde angestellt sind und derzeit in den Kindertagesstätten nicht arbeiten können, rekrutiert, um die Wahlunterlagen in die Kuverts zu stecken. Diese würden durch Austräger zu allen Haushalten gebracht, sagt Bürgermeisterin Gabriele Müller. Auch sollen an fünf Orten in der Gemeinde mobile Wahlurnen aufgestellt werden, um Briefwahlunterlagen einwerfen zu können.

© SZ vom 23.03.2020/hilb
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