Starkregen:Die Isarauen im Blick

Ismaning bereitet sich auf drohende Hochwasserkatastrophen vor

Von Sabine Wejsada, Ismaning

Die Bilder aus Westdeutschland von weggeschwemmten Häusern, Schlammlawinen und Sperrmüllbergen beschäftigen auch die Menschen in Ismaning. Dass sich in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen kleine Bäche und Flüsse innerhalb kürzester Zeit in reißende Ströme verwandelt und alles zerstört haben, was ihnen im Weg war, nährt in der Gemeinde die Befürchtungen, dass es auch in Ismaning zu solch einer Hochwasserkatastrophe kommen könnte. Willi Wantosch wohnt in der tiefer gelegenen Isarau, unweit der "Reißenden", und beobachtete die Lage in Westdeutschland mit großer Sorge. "Was passiert, wenn bei uns so etwas eintritt?", fragte er in der Bürgerversammlung den Rathauschef Alexander Greulich (SPD) im Namen der Anwohner von Linden-, Auen- und Erlenstraße.

Die Folgen eines Starkregens beschäftigten die Gemeinde nicht erst jetzt, sagte darauf Greulich. Seit Jahresbeginn plane man ein sogenanntes Regenwasser-Management. "Wir wissen, dass es bei uns im Ort Ecken und Enden gibt, wo der Regen nicht so abfließt, wie er soll." Deswegen sei eine Kartierung der gesamten Ismaninger Flur wichtig. Zudem arbeite das Rathaus daran, die Kanalisation zu ertüchtigen. Darüberhinaus gelte die Aufmerksamkeit der Isar. "Die haben wir natürlich immer im Blick."

Greulich bezeichnete es als "nicht optimal, dass der Regen in den Kanal fließt"; besser wäre es, er könnte an Ort und Stelle versickern. Dazu beitragen könne die Anwendung des "Schwammstadt-Prinzips", mit dessen Hilfe den Wurzeln von Bäumen in Siedlungsgebieten mehr Raum verschafft werde. Auf diese Weise werde die Versickerung von Regenwasser erleichtert. Das Konzept sieht vor, Bäumen unterhalb der befestigten Oberfläche in miteinander verbundenen Schotterkörpern mehr Raum zu geben. Das Substrat unter der Oberfläche funktioniert wie ein Schwamm. Splitt, vermischt mit Kompost und anderen Substanzen, biete den Wurzeln genug lockeren Untergrund, um sich darin auszubreiten. Gleichzeitig könne das Substrat in den kleinen Hohlräumen Wasser speichern, das dem Baum zur Verfügung steht und langsamer an die Umgebung und die Kanalisation abgegeben wird. Somit leistet das System einen Beitrag, um den Wasserabfluss bei Starkregen zu dämpfen, wie es zum Beispiel die österreichische Gesellschaft für Landschaftsarchitektur formuliert.

Laut Greulich tut Ismaning seit Jahren viel für den Arten-, Klima-, Natur- und Umweltschutz. So habe man in diesem Frühjahr in der Isarau massiv aufgeforstet. Südlich der Kolomansau seien auf einer Fläche von 10 000 Quadratmetern mehr als 5000 Bäume gepflanzt worden. Ziel sei, dass in der Isarau ein klimaresistenter Laubmischwald entsteht. Ganz nebenbei verschafft das viele Grün dem Ort eine Abkühlung in immer heißer werdenden Sommern mit zunehmenden Starkregenereignissen.

Was eine Alarmierung der Bevölkerung im Falle einer drohenden Hochwasserlage angeht, setzt Ismaning nicht nur auf Handy-Apps. "Bei uns gibt es noch analoge Sirenen", so Greulich. Die Töne für unterschiedliche Gefahrenlagen müssten aber wieder eingeübt werden.

© SZ vom 02.08.2021
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