Stadtentwicklung:Moderne Häuser im alten Ort

Eine Mehrheit der Garchinger Stadträte befürwortet viergeschossige Wohngebäude an der Freisinger Landstraße. Die CSU sieht dadurch den Charakter des einstigen Bauerndorfs gefährdet

Von Irmengard Gnau, Garching

Soll die Stadt am Rande des alten Garchinger Ortskerns Geschosswohnungsbau zulassen, auch wenn die Gebäude deutlich höher sind als umgebende Bebauung? Diese Frage hat der Stadtrat für das Areal an der Freisinger Landstraße 17 und 17a mehrheitlich mit ja beantwortet. Ein Bauwerber hat das Grundstück, auf dem ein ehemaliger Bauernhof steht, erworben und möchte dort zwei verbundene vierstöckige Gebäude mit insgesamt 42 Wohnungen errichten. Diesem Vorhaben steht ein Teil des Stadtrats jedoch sehr kritisch gegenüber.

Stadtentwicklung: Anstelle des Bauernhofes an der Freisinger Landstraße 17 und 17a dürfen Wohnhäuser entstehen - allerdings nicht mit Mansardendach.

Anstelle des Bauernhofes an der Freisinger Landstraße 17 und 17a dürfen Wohnhäuser entstehen - allerdings nicht mit Mansardendach.

(Foto: Stephan Rumpf)

Insbesondere Albert Biersack, stellvertretender Vorsitzender der CSU-Fraktion, verwahrte sich in der jüngsten Sitzung des Stadtrats wieder deutlich gegen den vorgelegten Planentwurf. Für eine Kommune sei es wichtig, dass sich ihre historischen Ursprünge - in Garchings Fall ein Bauerndorf - im Ortsbild noch erkennen ließen, so Biersacks Argument. "Das ist identitätsstiftend." Und zum Ortscharakter gehöre eben nicht nur die Kirche, "sondern auch das Drumrum". Er verwies auf Nachbarkommunen wie Ismaning, das in seiner Ortsgestaltungssatzung wesentlich strikter vorschreibt, welche architektonischen Elemente im Ortskern verwendet werden dürfen. Die Stadt München stelle ganze Stadtviertelteile unter Ensembleschutz.

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Simulation: Königer GmbH

Das betreffende Grundstück in Garching gehört zum bestehenden Bebauungsplan "Alter Ortskern"; aufgrund der aktuellen Bauanfrage will die Stadt nun jedoch einen sogenannten vorhabensbezogenen Bebauungsplan für dieses eine Grundstück aufstellen. Denn, das betonen die Unterstützer des Vorhabens von SPD, Grünen und Bürgern für Garching, das Areal eigne sich sehr gut zur Nachverdichtung, insbesondere weil es fußläufig zur U-Bahnstation liegt und somit weniger Autoverkehr zu erwarten ist. "Der Bedarf an Wohnraum ist da", betonte Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD). Würde die Stadt nicht in der Ortsmitte neue Wohnungen bauen, müsste sie dafür weitere Außenflächen versiegeln, und das sei zu verhindern, argumentierten die Grünen. Außerdem verwehrten sich die Befürworter gegen eine "Musealisierung" des Zentrums. Garching habe sein Erscheinungsbild in den vergangenen Jahrzehnten, seit der Bebauungsplan für den alten Ortskern entworfen wurde, stark verändert, sei zu einer Stadt mit U-Bahnanschluss geworden; es gebe viele Baustile und von der landwirtschaftlichen Nutzung an der Freisinger Landstraße sei praktisch nichts mehr übrig, argumentierte Götz Braun (SPD). An dieser Stelle könne die Stadt "mit der Zeit gehen", befand auch Gruchmann.

Eine Verringerung der Geschosszahl fand keine Mehrheit. Auch Florian Baierl von den Unabhängigen Garchingern konnte sich mit seiner Kritik, dass die Stadt das Gesamtbild aus den Augen verliere, wenn sie Bauvorhaben einzeln behandle statt den alten Bebauungsplan zu überarbeiten, nicht durchsetzen: Mit 14 zu zehn Stimmen sprach sich der Stadtrat am Ende für das Aufstellen eines Bebauungsplans für das Grundstück aus. Um dem alten Ortsbild näher zu kommen, einigten sich die Kommunalpolitiker jedoch darauf, dass der Bauwerber ein Satteldach statt des vorgesehenen Mansardendachs auf das Gebäude setzen soll. Bevor ein städtebaulicher Vertrag mit dem Investor geschlossen wird, der die Details festlegt, hat das Gremium noch einmal ein Mitspracherecht.

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