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Sauerlach:Forum der Windkraft-Freunde

Windrad bei Welshofen, 2020

Könnten durchaus eines Tages auch im Hofoldinger Forst stehen: Windräder wie dieses bei Welshofen in der Gemeinde Erdweg.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Bei der ersten Online-Veranstaltung zu den geplanten Rotoren im Hofoldinger Forst bleibt lautstarke Kritik aus. Die Initiatoren erwarten aber noch erheblichen Widerstand bis hin zu Klagen gegen das Projekt

Von Bernhard Lohr, Sauerlach

Der mögliche Bau von vier Windrädern im Hofoldinger Forst bewegt keine Massen. Bis zu 100 Personen nutzten am Montagabend die bequeme Möglichkeit, sich von zu Hause aus am Laptop, PC oder Smartphone über eine Online-Bürgerveranstaltung über die Pläne aus Sauerlacher Sicht zu informieren oder ihre Meinung kundzutun. Der weit überwiegende Teil der eingeloggten Gäste kam aus Sauerlach selbst und 80 Prozent bekannten, für Windkraft offen zu sein oder diese zu befürworten. Dennoch erwarten die Vertreter der Energieagentur Ebersberg-München, die das Projekt koordinieren, noch Widerstand, bis hin zu Klagen vor Gericht.

Bei Demonstrationen im Fackelschein in Brunnthal haben Gegner der vier in Rede stehenden Windräder schon mal mit aggressiven Rufen gegen die bis zur Rotorspitze 240 Meter hohen Anlagen auf sich aufmerksam gemacht. Bei der ersten Online-Runde kamen nun viele technische Fragen auf den Tisch: Wieso wird die Atomkraft nicht als Zwischenlösung genutzt? Besteht eine Gefahr für den Verkehr auf der nahen Autobahn? Wie werden die glasfaser-karbonverstärkten Rotorblätter recycelt? Kann sich jeder an einer Bürgerwindpark GmbH beteiligen? Hans Gröbmayr, Referent der Energiewende-Agentur, und Ingenieur Robert Sing vom zuständigen Planungsbüro hatten auf alles Antworten und zerstreuten Befürchtungen. Manchem lief das zu glatt. "Ich finde die Veranstaltung zu einseitig", schrieb dann einer. "Wir halten uns an die Wahrheit", konterte Gröbmayr, "nach bestem Wissen und Gewissen."

Auch Bürgermeisterin Barbara Bogner (UBS) und Landrat Christoph Göbel (CSU) bekannten sich zur Windkraft. Bogner sagte, "das eine oder andere Windradl" wäre "ein großer Schritt nach vorne" bei der notwendigen Abkehr von fossilen Brennstoffen. Göbel ging indirekt auf die Gegner gerade der Anlagen im Hofoldinger Forst ein, die von München Richtung Süden blickend vor dem Alpenpanorama zu sehen sein würden: Er glaube nicht, dass die Nutzung von Windkraft "mit dem schönen Landschaftsbild nicht vereinbar wäre", sagte er. Am klarsten bezog in der Expertenrunde Hans Zäuner Position. Der Landwirt aus Bruck im Landkreis Ebersberg und Geschäftsführer der Windkraftanlage Osterkling GmbH sagte: "Das ist unsere Heimat, das ist unsere Stromerzeugung. Da sind wir stolz drauf." Viele Befürchtungen zu störendem Schall seien überzogen. Er wünsche den Sauerlachern auch ein Windrad.

Angesichts laufender Windmessungen und artenschutzrechtlicher Untersuchungen verdichten sich laut Ingenieur Sing die Anzeichen, dass der Betrieb der vier Windräder, die die vier in einer Arbeitsgemeinschaft verbundenen Gemeinden Sauerlach, Brunnthal, Aying und Otterfing links und rechts der A 8 prüfen lassen, rentabel und mit dem Schutz der Tierwelt und Pflanzen vereinbar ist.

Bogner sagte zu, dass die Windräder, von denen jedes etwa 2000 Haushalte mit Strom versorgen könnte, von Bürger-Gesellschaften betrieben werden. Möglicherweise werde es aus praktischen Erwägungen eine Gesellschaft unter Beteiligung aller vier Kommunen geben. Wichtig sei, Investoren von außen auszuschließen, die vor Jahren mit Plänen für bis zu 24 Windkraftanlagen in den Rathäusern vorgesprochen hätten.

Sollte es weiter keine Hindernisse geben, weil etwa eine seltene Tierart gefährdet wäre, könnte der Bau der vier Anlagen 2022 beginnen. Hans Gröbmayr stellt sich aber auf Klagen ein. Es hätten sich Bürgerinitiativen gegen die Windkraft-Nutzung gebildet, die öffentlich bisher nicht in Erscheinung getreten seien. Eine Abfrage unter den 67 Teilnehmern am Schluss gegen 21.45 Uhr zeigte: 57 Prozent fanden die Veranstaltung gut, 30 Prozent hatten noch Fragen, und 14 Prozent erklärten, der Abend habe ihnen nicht weitergeholfen.

© SZ vom 16.09.2020

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