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Sarrazin liest in München:Protest gegen Provokateur

Es ist ein umstrittener Auftritt: Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen tritt Thilo Sarrazin an diesem Abend in der Reithalle auf. Demonstranten haben sich bereits angekündigt.

Gegen den Auftritt von Thilo Sarrazin am heutigen Mittwochabend in München wird es auch in München Proteste geben. Laut Polizei werden etwa 50 Teilnehmer zu der Demonstration erwartet.

Die Thesen des ehemaligen Bundesbankvorstands zur Integration sorgen seit Wochen für heftige Diskussionen. Die Veranstaltung, an der auch Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart und Soziologie-Professor Armin Nassehi teilnehmen, wurde wegen der großen Nachfrage vom Literaturhaus in die größere Reithalle an der Heßstraße verlegt, alle 780 Tickets sind verkauft.

Während die SPD bundesweit kontrovers über das Ausschlussverfahren gegen das Parteimitglied Sarrazin diskutiert, gibt sich Münchens SPD-Chef Hans-Ulrich Pfaffmann gelassen: "Wir haben kein Problem damit, dass Herr Sarrazin aus seinem Buch vorliest." Die SPD habe im Bund entsprechend reagiert, "und ich unterstütze dieses Ausschlussverfahren. Das heißt aber nicht, dass wir generelle Leseverbote befürworten."

Unter den Demonstranten wird Siegfried Benker sein, grüner Fraktionschef im Rathaus. "Sarrazin will gar nicht diskutieren, er will nur diskriminieren und ausgrenzen", sagt Benker. Es gebe keinen Grund, seinen Thesen eine weitere Plattform zu bieten. "Indem ich mit Sarrazin darüber diskutiere, ob es ein jüdisches Gen gibt oder nicht, stelle ich seine Thesen als ganz normal dar. Aber es sind keine normalen Thesen. Darüber kann man nicht diskutieren."

Mehr als 100 Münchner Wissenschaftler und Kulturschaffende haben in einem offenen Brief an Literaturhaus-Chef Reinhard Wittmann gefordert, Sarrazin auszuladen. Im Kern geht es den Unterzeichnern um die Form der Veranstaltung: "Wir sind schockiert, dass das Literaturhaus Thesen wie denen Sarrazins einen Raum zur Debatte organisiert, ohne diese sichtbar kritisch zu rahmen."

Wittmann widerspricht: "Wieso sollten wir der Auseinandersetzung aus dem Weg gehen? Damit nützen wir dem, der die Thesen verbreitet." Die Veranstaltung sei als kritische, kontroverse Diskussion angelegt, das sei "besser als ein Verbot". Viele Bürger, sagt Wittmann, hätten ihn angerufen und gebeten: "Bitte knickt nicht ein. Wir möchten uns unser Urteil selbst bilden."