Oberhachinger Brauereigenossenschaft "Gehts ins Wirtshaus und trinkts unser Bier"

Braumeister Johann Griebl zeigt die verschiedenen Biersorten.

(Foto: Claus Schunk)

Nicht nur Oberhachings Bürgermeister Schelle glaubt an den Erfolg der Genossenschaft, die im Ort braut. Ein eigenes Bräustüberl ist ein fernes Ziel.

Von Vinzenz Neumaier, Oberhaching

Den Oberhachinger Bürgern scheint ihr eigenes Bier zu schmecken. Eifrig leeren die knapp 200 Besucher im Bürgersaal beim Forstner ihre Gläser. Das trübe Kellerbier der Brauereigenossenschaft Oberhaching schneidet besonders gut ab.

Zwei Mitglieder im Publikum attestieren dem Bier eine glatte Neun von Zehn. Das Helle, die neueste der insgesamt fünf Biersorten, schafft immerhin eine respektable Sieben von Zehn auf ihrer Skala.

Seit zwei Jahren braut die Genossenschaft und ihre Mitglieder sind zufrieden. Das war bei der Generalversammlung der Brauereigenossenschaft deutlich zu spüren. Nicht nur das Bier schmeckt den Mitgliedern, auch die Finanzen der Oberhachinger Genossenschaft sind solide. Die Brauereigenossenschaft konnte ihren Verlust im vergangenen Jahr auf 4000 Euro minimieren, wie Sascha Bucklitsch, Vorstandsmitglied und Fachmann für Bilanzen, erläuterte. 2016 musste Bucklitsch einen höheren Verlust verbuchen: Die Oberhachinger Brauer standen noch mit knapp 26 000 Euro in der Kreide.

Bald kommt die schwarze Null

Vor allem Anfangsinvestitionen in Bierkrüge und Werbeschilder rissen ein Loch in die Bilanz. Aber jetzt passen die Finanzen. Florian Schärpf, ebenfalls Vorstandsmitglied der Genossenschaft, ist überzeugt: "Bald kommt die schwarze Null."

Die Brauereigenossenschaft ist für ihn eine absolute Erfolgsgeschichte. Ein Erfolg, der sich mittlerweile auch außerhalb von Oberhaching herumspricht. Das Bayerische Genossenschaftsblatt berichtete bereits über die ehrenamtlichen Brauergenossen. Für Schärpf liegt das Erfolgsrezept in dem handwerklich gebrauten Bier. Die Oberhachinger verschneiden ihre Biere nicht, sondern lassen jeden Sud, so wie er ist. Das unterscheide ihr Produkt von Bier aus Großbrauereien, meint Schärpf: "Wir haben ein Lebensmittel, das immer anders schmeckt. Genauso wie beim Wein."

Knapp 300 Hektoliter Bier braute Hans Griebl, der hauptberuflich bei der Augustiner Brauerei arbeitet, im vergangenen Jahr für die Genossenschaft. Auf ehrenamtlicher Basis. Noch rührt er die Sude in einer 30-Hektoliter-Versuchsanlage an. Die steht in der Waschküche vom "Steinberg Beda" in der Oberhachinger Thingstraße. Der Vorstand der Genossenschaft überlegt das zu ändern: Eine eigene Brauerei samt Bräustüberl soll entstehen, so die Idee. In naher Zukunft bleibt das wahrscheinlich noch Wunschdenken. "Noch haben wir zu wenig Manpower", sagt Vorstandsmitglied Schärpf.

In der Zukunft plant die Brauereigenossenschaft weiter zu wachsen. Im Moment halten 470 Mitglieder Anteile zu je 250 Euro. Insgesamt stecken aktuell knapp 170 000 Euro an Mitgliedsgeldern in der Genossenschaft. Im Sommer peilt der Vorstand an, die Marke von 500 Mitgliedern zu knacken. Beim Gründungsfest vor knapp zwei Jahren waren es etwa 300 Mitglieder.

Oberhachinger Bier beim Thailänder

Abnehmer findet das Oberhachinger Bier im ortsansässigen Getränkemarkt Tremmel. Das thailändische Restaurant am Kirchplatz schenkt es ebenfalls aus. Dem Betreiber des italienischen Restaurants im Ort schmeckt das Bier sogar so gut, dass er es mit nach Italien nimmt. Auch dort kommt das Oberhachinger Bier anscheinend super an.

Über die Akzeptanz und Unterstützung aus dem Ort sind alle Brauereigenossen froh. Denn für 2018 hat sich der Vorstand der Genossenschaft einiges vorgenommen. Die Devise: "professioneller werden" und dabei die Bierqualität auf gleichbleibend hohem Niveau halten. Konkrete Pläne des Vorstands beinhalten unter anderem, den Vertrieb auszubauen, einen Ansprechpartner für Kunden zu etablieren und mit einem Marketingkonzept stärker für das Oberhachinger Bier zu werben. Zudem plant die Genossenschaft, den Vorstand mit einem Beirat zu unterstützen.

Für Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle (CSU), der auch im Aufsichtsrat der Genossenschaft sitzt, hat die Qualität des Biers oberste Priorität. Wachstum sei zwar gut, aber nicht essenziell. Die Genossenschaft wolle Großbrauereien keine Konkurrenz machen. "Wieso also expandieren?", fragt Schelle.

Das Bier ist nach Ansicht des Bürgermeisters vor allem für die Oberhachinger bestimmt. Eine Einschätzung, die der Vorstand teilt. Schelle selbst hatte der Brauereigenossenschaft vor gut vier Jahren Leben eingehaucht.

Vom weiteren Erfolg seiner Idee ist er überzeugt. Denn durch die Genossenschaft seien Freundschaften im Ort entstanden. Das Projekt stifte zudem Identität in Oberhaching, findet der Bürgermeister. Deshalb lautet auch sein Plädoyer an alle Brauereigenossen: "Bleibts durstig, gehts in Wirtshaus und trinkts unser Bier."