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Blühwiesen:Verwelkte Landschaften

In Oberhaching stören keine skurrilen Skulpturen auf den Kreisverkehren. Hier wächst, was sich im Herbst selbst ausgesät hat.

(Foto: Claus Schunk)

In Oberhaching gibt es noch immer Widerstand gegen die naturbelassenen Mittelinseln der Kreisverkehre.

Von Iris Hilberth, Oberhaching

Seit den Achtzigerjahren hat der Bau von Kreisverkehren hierzulande zugenommen. Man hat sich das aus England und Frankreich abgeschaut, weil so ein Kreisel eben im Vergleich zur Ampel für Kreuzungen die kostengünstigere Lösung ist und der Verkehr besser fließt. Noch dazu entsteht so in der Mitte eine verkehrsfreie Zone, eine Insel, mit der man so einiges anstellen kann. Kunstwerke ausstellen. Oder bepflanzen. Bei beiden Lösungen gehen oftmals die Meinungen auseinander, was einen schönen Kreisel ausmacht. Auch in Oberhaching ist das so.

Dort ist man zwar nicht auf die Idee gekommen, wie andernorts mit seltsamen Skulpturen die Aufmerksamkeit der Autofahrer von der Straße hin zum Nachdenken über die Kunst zu lenken. Man ist auch davon abgekommen, mit Stiefmütterchen, Tulpen oder Chrysanthemen tolle Muster auf die Kreisel zu pflanzen. Die sind nämlich nicht nur betreuungsintensiv, weil sie ständig gegossen werden müssen. Die mögen auch Bienen, Hummeln und Co nicht. Seit sechs Jahren, lange bevor jeder Dritte Oberhachinger 2019 für das Volksbegehren "Rettet die Bienen" stimmte, setzt die Gemeinde auf natürliche Mittelinseln. Hier wächst, was sich im Herbst selbst ausgesät hat. Im besten Fall eine bunte Blumenwiese. 2014 hatte Oberhaching sich das im Landkreis Bad Tölz abgeschaut und Blühmischung mit dem Namen "Bouquet Rouge" inmitten der Kreisel verstreut.

Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) hatte sich zu Beginn dieses ökologischen Experiments den Unmut einiger Bürger zugezogen, weil es eben dauerte, bis die Saat aufgegangen war, während anderorts längst die Gartenbaufirmen ausgerückt waren und die Kreisel mit bereits blühenden Pflanzen bestückt hatten.

Inzwischen ist das etwas anders. Auch Nachbargemeinden haben ihr Herz für Insekten entdeckt und haben bienenfreundliche Blühwiesen an Straßenrändern und auf Mittelinseln. In Oberhaching ließen sich zwar laut Bürgermeister viele beruhigen, nachdem die Kreisel dann doch irgendwann in voller Blüte standen. Es gibt aber immer noch Stimmen, die sagen: "Schee is des ned." Für das Frühjahr hat man inzwischen zwar bienenfreundliche Frühblüher wie die Krokusse eingesetzt. Im Herbst, aber, wenn alles verblüht ist, regt sich weiter Widerstand. Das wurde nun wieder am Dienstagabend in der Gemeinderatssitzung deutlich.

Zuerst meldete sich Johannes Ertl von der Wählergemeinschaft Oberhaching zu Wort. Es ist nicht neu, dass das Thema der unansehnlichen Kreisverkehre den ehemaligen Zweiten Bürgermeister umtreibt. Diesmal sprang ihm die neu in das Gremium gewählte Claudia Schmidt-Utzmann von der FDP zur Seite, die vorschlug, den Gartenbaufirmen im Ort anzubieten, die Kreisel kostenlos zu bepflanzen. Als Sponsoren quasi, die dann auch Namensgeber für den Kreisverkehr werden könnten.

Schelle ist nicht nur überzeugt davon, dass die Gartenbaufirmen volle Auftragsbücher haben. Er versuchte klar zu machen, dass die naturbelassenen Kreisverkehre - die demnächst gemäht würden, wenn die Pflanzen abgesamt hätten - Absicht sind. "Wir können auch Hybridpflanzen aus den Gartencenter einsetzen. Da kommt dann aber keine Biene oder sie fliegt hungrig wieder weg." Das wollen die meisten im Gemeinderat auch nicht. Die Grünen erst recht nicht, aber auch die CSU ist mit dem jetzigen Konzept zufrieden. "Freilich schaut das im Moment nicht schön aus. Aber die Viecher kommen trotzdem", sagte Martin Schmid (CSU).

Dass es trotzdem im Herbst auf den Kreiseln blühen könnte, findet SPD-Fraktionssprecherin Margit Markl. Astern zum Beispiel sähen schön aus. Schelle will prüfen, ob man das Angebot für die Bienen durch ein paar Stauden ergänzen könnte. Er machte aber deutlich: "Das Oberhachinger Wappen in verschiedenen Blumenfarben werden wir nicht haben."

© SZ vom 10.09.2020/hilb

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