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Naturschutz:Ein Haus für die Eidechsen

"Da braucht's keine Anleitung. Das hab' ich einfach zusammengebaut", sagt Peter Csernich über das Häuschen aus Holz und Steinen, in dem sich Waldeidechsen wohlfühlen sollen.

(Foto: Claus Schunk)

Der Taufkirchner Peter Csernich schafft in einem Wäldchen am Hachinger Bach Lebensraum für gefährdete Arten. Vor allem sein Engagement für Reptilien wurde bei der Umweltehrung des Landkreises gewürdigt

Von Patrik Stäbler, Taufkirchen

Wer Peter Csernich in sein zweites Wohnzimmer folgen will, der muss mit ihm über eine Wiese stapfen, ehe es auf einem Trampelpfad in den Wald geht. "Hier habe ich mal eine so große Eidechse gesehen", sagt der 72-Jährige, zeigt erst auf einen Haufen Totholz zwischen den Bäumen und reckt danach die Zeigefinger empor, gut zehn Zentimeter auseinander. Im nächsten Moment eilt Csernich auch schon weiter, tiefer hinein in jenes Waldstück am Hachinger Bach im Taufkirchner Ortsteil Potzham, das er besser kennt als jeder andere.

"Die Nistkästen da oben, die wasche ich immer im Bach aus", erzählt er im Vorbeigehen und deutet auf mehrere Holzboxen, die an Baumstämmen hängen. "Und in diesen Benjeshecken dort" - sein Zeigefinger wandert zu einem hüfthohen Stapel aus Ästen und Zweigen - "können Vögel und kleine Tiere reinkriechen und Schutz finden. Viele Zaunkönige gibt es hier. Und das da hinten, das war mein erster Haufen. Da lebt irgendetwas Mäuseartiges drin."

Sagt's, und schreitet weiter - zum nächsten Totholzhaufen, zum nächsten Baumstumpf, zur nächsten Geschichte. Peter Csernichs Haus steht nur einige hundert Meter entfernt von dem Wäldchen im Landschaftsschutzgebiet. Mindestens einmal die Woche komme er hierher, um nach dem Rechten zu sehen, sagt er - natürlich immer in Abstimmung mit der Eigentümerin des Waldstücks, das ist ihm wichtig.

Einmal rückt Peter Csernich mit der Sense dem japanischen Springkraut zu Leibe, das am Rande des Wäldchens so wild wuchert; ein andere Mal überprüft er beim Spaziergang durch den Wald, ob große Äste herunterhängen oder Bäume umsturzgefährdet sind; mal stapelt er Äste und Zweige zu Benjeshecken; und mal kommt er mit seinem selbstgebauten Mini-Traktor vorbei, um - stets in Absprache mit dem Verwalter - Holz aufzuarbeiten, das er dann in seinem Ofen verfeuert. Und nicht zu vergessen sein jüngstes Projekt, für das der Taufkirchner kürzlich bei der Umweltehrung des Landkreises München ausgezeichnet wurde: ein selbstgebautes Häuschen für Waldeidechsen am südlichen Waldrand, in dem die Reptilien ein ruhiges und sonniges Plätzchen finden sollen.

"Ich bin gerne hier draußen am Arbeiten. Mir wird warm, und ich komme ins Schwitzen - allein wegen der Luftfeuchtigkeit im Wald", sagt Peter Csernich, der inzwischen vor seinem Eidechsenhaus angekommen ist. Genauer gesagt ist es bereits sein zweites Häuschen, das erste steht einen Steinwurf entfernt. Doch nachdem er unsicher war, ob sich die Eidechsen dort wohlfühlen, habe er kurzerhand noch ein weiteres gebaut, erzählt er. Die Holzscheite dafür habe er extra zurechtschneiden lassen; sogar ein Dach hat das liebevoll gestaltete Häuschen bekommen.

Woher er die Anleitung hatte? "Ach was", sagt Csernich, lacht und macht eine wegwerfende Handbewegung. "Da braucht's keine Anleitung. Das hab' ich einfach zusammengebaut." Auch sein Wissen über den Wald und dessen Bewohner hat er sich selbst angelesen und in Gesprächen mit Nachbarn sowie Waldbesitzern erworben. Wobei der gelernte Kältemechaniker, der 30 Jahre lang bei der IABG gearbeitet hat, auch davon nicht viel Aufheben machen will. "Da brauchst du kein großes Wissen", sagt Peter Csernich. "Da musst du einfach nur natürlich sein."

Zudem braucht es ein feines Gespür für die Natur, über das der 72-Jährige zweifelsfrei verfügt - ebenso wie über eine gute Beobachtungsgabe. Diese kommt ihm auch bei seiner zweiten Leidenschaft zugute, dem Judo. Schon seit Jahrzehnten betreibt der Rentner diesen Sport beim TSV Unterhaching - und würde es auch weiterhin tun, wäre da nicht die Corona-Pandemie.

Umso wichtiger ist dem leidenschaftlichen Bastler die Arbeit in seiner hauseigenen Werkstatt, in seinem Garten und in dem nahen Wäldchen. Schließlich sei er "kein Jogger", sagt Csernich, "sondern ich brauche eher die kurzen, kräftigen Bewegungen". Etwa, wenn er eine umgestürzte Esche auseinandernimmt. Ein Sturm habe dem Baum zugesetzt - so wie diverse Unwetter dem gesamten Wäldchen.

Vor allem mache aber der Borkenkäfer der Natur hier zu schaffen, sagt Csernich und zeigt auf ein weitläufiges Areal hinter einer Baumgruppe. "Früher sind dort überall Bäume gestanden." Inzwischen jedoch ragt kein einziger Stamm mehr in die Höhe - einerseits. Andererseits wuchert auf dem Areal dichtes Gestrüpp, im Vorbeigehen hört man Vögel zwitschern und Kleintiere rascheln. "Man sieht hier eben auch sehr schön", sagt Csernich, "wie sich die Natur erholt und verändert".

Dass er für sein ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet wurde, hat den Taufkirchner "schon überrascht", wie er sagt, "und sehr gefreut". Nun hofft er, dass sein Reptilien-Hotel alsbald von Waldeidechsen bezogen wird, sobald die Tiere aus ihrer Winterruhe erwachen.

© SZ vom 13.04.2021
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