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Mittelschule Riemerling:Zoff nach dem Spatenstich

Die Stimmung beim Spatenstich war unter den Bürgermeistern und der Schulleiterin prächtig. Der Ärger für Stefan Straßmair (Zweiter von rechts) folgte prompt.

(Foto: Claus Schunk)

Hohenbrunner Gemeinderäte werfen dem Bürgermeister vor, den Termin für sich behalten zu haben. Er habe die Chance zum Dialog mit den Bürgern verpasst. Stefan Straßmair kann das nicht nachvollziehen.

Von Stefan Galler, Hohenbrunn

Die Atmosphäre war locker, die überschaubare Gruppe der Anwesenden gut gelaunt: Als die Bürgermeister der Gemeinden Hohenbrunn, Ottobrunn, Putzbrunn und Neubiberg am Freitag mit einem symbolischen Spatenstich das Startsignal gaben für den Neubau der Carl-Steinmeier-Mittelschule im Hohenbrunner Ortsteil Riemerling, waren keine Misstöne zu hören.

Die Rathauschefs scherzten mit den Fotografen, die neue Rektorin Ute Landthaler konnte ihre Vorfreude auf das neue Haus kaum verbergen.

Doch die Laune näherte sich nicht überall dem Siedepunkt, vielmehr gibt es im Nachgang der Veranstaltung richtig Ärger in den Reihen der Hohenbrunner Mandatsträger. Grund dafür ist die Vorgehensweise von Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU), der den Gemeinderat nicht zum Spatenstich eingeladen, ja noch nicht einmal darüber informiert hatte, dass dieser Termin stattfinden solle.

Als "Zaungäste nur geduldet"

Die Fraktion der Grünen reagierte noch am gleichen Tag mit einer bitterbösen Pressemitteilung: Gemeinderäte und Bürger seien "buchstäblich nur als Zaungäste geduldet" gewesen, hieß es dort. Straßmair habe drei Tage vor dem Spatenstich auf der Bürgerversammlung der Gemeinde kein Wort über den Termin verloren, "obwohl er als Schulverbandsvorsitzender das Ereignis ja selbst inszeniert" habe. Martina Kreder-Strugalla und Wolfgang Schmidhuber, die Sprecher der Hohenbrunner Grünen, äußerten Unverständnis darüber, dass der Rathauschef die Gelegenheit nicht nutzte, "um mit den Anliegern des wegen seiner Platzierung auf dem Schulcampus höchst umstrittenen Neubaus ins Reine zu kommen, er hätte sie einladen sollen und um Verständnis für die nun jahrelange Baustellenbelastung bitten können", hieß es in der Mitteilung.

Das Bürgerforum Hohenbrunn, Teil der Ratsfraktion ÜWG/Freie Wähler-Bürgerforum, stieß am Wochenende ins gleiche Horn: Durch die Tatsache, dass weder Bürger noch Anwohner zum Spatenstich gebeten worden seien, setze sich "die nicht transparente Vorgehensweise bei der Realisierung dieses Großprojektes" fort. "Nur mit einer sehr knappen Mehrheit und unter Einsatz rechtswidriger Maßnahmen hatte der Schulverband, dessen Vorsitzender der Hohenbrunner Bürgermeister ist, den Neubau der Mittelschule auf dem Sportareal in Riemerling durchgesetzt", heißt es in der von Gemeinderätin Pauline Miller verschickten Pressemitteilung.

Bürgerforum: Eine verpasste Gelegenheit

Und weiter: "Das Bürgerforum empfindet es als nicht nachvollziehbar, dass der Bürgermeister unserer Gemeinde erneut eine Gelegenheit verpasst, Transparenz zu beweisen und die Bürger einzubeziehen." Bürgernahe Politik sehe anders aus.

Stefan Straßmair bleibt ob der Vorwürfe gelassen. Auch er äußerte sich am Montag schriftlich zu den Vorgängen: Der Spatenstich sei "ein reiner Pressetermin" gewesen, und zwar "mit dem Ziel, die Bürger mittels die Bürger mittels der Printmedien möglichst breit über den Baubeginn zu informieren". Der CSU-Politiker betonte, dass es sich um "keine offizielle Veranstaltung" gehandelt habe, weshalb weder die Schulverbandsräte, noch die Schulfamilie und folglich auch keine Gemeinderäte der Verbandsgemeinden geladen worden seien. "Gesamt wären alleine letztere 90 Personen", so Straßmair, der darauf verweist, dass es eine offizielle Veranstaltung zum Richtfest im nächsten Jahr geben werde, womöglich auch schon zur Grundsteinlegung.

© SZ vom 18.10.2016/belo
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