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Meine Hauszeit:Home-Office fern der Heimat

Selina Trummer studiert Journalismus und Public Relations.

(Foto: Privat)

Selina Trummer aus Graz erlebt ihr Praktikum in einem WG-Zimmer

Noch immer arbeiten viele von zu Hause aus. Seit Wochen arrangiert man sich damit, dass der Weg zum Büro lediglich über das Bad und die Küche führt oder dass der Laptop und die Arbeitsunterlagen den Wohnzimmertisch blockieren. Immerhin sind es die eigenen vier Wände. Vertraut, selbst eingerichtet und neben der beruflichen Arbeit bieten sie genügend Abwechslung. Und wenn man nur aufräumt. Doch was, wenn man seine Home-Office-Zeit in der Fremde verbringt? Wenn sich plötzlich alles auf ein temporär angemietetes WG-Zimmer beschränkt?

Selina Trummer kommt aus Graz, studiert dort Journalismus und Public Relations im sechsten Semester an der Fachhochschule Joanneum. Dieses Frühjahr kam sie für drei Monate nach München, um ihr erstes journalistisches Praktikum zu absolvieren, in der Lokalredaktion der Süddeutschen Zeitung. Anfang März war das, als sie begann, die Kollegen und den Landkreis München kennenzulernen, in einer spannenden Zeit der Kommunalwahl. "Auf jeden Fall eine coole Erfahrung", sagt sie. Doch nach zwei Wochen ging die Redaktion ins Home-Office. Dann kamen die Ausgangsbeschränkungen dazu. Selina Trummers Praktikum findet seither überwiegend in einem etwa 15 Quadratmeter großen WG-Zimmer im Münchner Stadtteil Bogenhausen statt. Alle Absprachen, viele Interviews, die meisten Recherchen laufen über Telefon oder E-Mail.

Zu den WG-Mitbewohnern besteht wenig Kontakt, sie sind selten da, gemeinsame Räume gibt es nicht. Das war von Anfang an so ausgemacht. So verbrachte die Grazerin die ersten Wochen seit dem Lockdown in ihrem Zimmer. "Ich arbeite dort, esse dort, schaue Filme oder telefoniere viel mit Freunden", berichtet sie. Aber es sei okay für sie, "es ist zwar schöner, wenn man Geschichten vor Ort recherchieren und direkt mit den Menschen sprechen kann", sagt sie. Aber ihr Praktikum abbrechen wollte sie auch nicht.

Noch nicht einmal über die Osterfeiertage konnte Selina Trummer zurück nach Hause. Die Grenzen waren ja dicht. "Und am Ende hätte ich auch noch in Graz in Quarantäne gesessen", begründet sie die Entscheidung, in München zu bleiben. Spazierengehen und Joggen war ja möglich, zudem hat sich die 22-Jährige Gymnastikbänder gekauft, um sich irgendwie zu bewegen. Als dann die Lockerung kam, dass man eine Person außerhalb des eigenen Haushalts im Freien treffen durfte, konnte sie immerhin mit einem Kommilitonen spazieren gehen, der ebenfalls derzeit ein Praktikum in München absolviert. "Für ihn ist es noch schwieriger, er hat ein winziges WG-Zimmer und arbeitet am Küchentisch", tröstet sie sich.

© SZ vom 05.05.2020

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