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Kommunalwahl im Landkreis München:Podcast statt Klinkenputzen

Am Mikro: Frederik Börner, Ella Miner und Johannes Rohleder erstellen am Wahlabend einen Podcast.

(Foto: Privat)

Drei junge Grüne wollen mit regelmäßig veröffentlichten Videos Wähler für die Stichwahlen mobilisieren

Von Martin Mühlfenzl, Landkreis

Zwei Mal ein Tröten, dann klirren die Bierflaschen. Es ist Wahlparty bei den Grünen, wenn auch eine etwas klein geratene. Johannes, Ella und Freddie haben sich im Wohnzimmer versammelt, drei große Mikros und Laptops stehen auf dem Tisch, Kerzen brennen. Erst einmal stoßen die drei an, auf das gute Ergebnis bei der Kreistagswahl und den Einzug von Landratskandidat Christoph Nadler in die Stichwahl.

Und dann starten sie sofort wieder in den Wahlkampfmodus. Und der wird in den kommenden Tagen so ganz anders aussehen als gewohnt. Denn wer nicht raus soll, der greift eben auf andere Mittel zurück, um potenzielle Wähler zu erreichen. Bei den Landkreis-Grünen hat sich ein achtköpfiges Team aus Nachwuchspolitikern um die Kreisvorsitzende Sabine Pilsinger, 30, gefunden, das voll auf soziale Medien setzen will. Klicks, Reichweite, Likes - darauf wird es in der Schlussphase des Wahlkampfes ankommen. Wähler erreichen die Parteien und Kandidaten in Zeiten von Corona vornehmlich im Netz.

Neben Seiten wie Facebook und Instagram oder die klassische Homepage setzen die jungen Grünen jetzt auch auf einen eigenen Podcast, eine Reihe von abonnierbaren Audiofiles. "Um München: Podcast der Landkreis-Grünen", haben die Wahlkämpfer das Projekt getauft. Die erste Folge ist bereits online, auf Diensten wie Spotify oder Soundcloud und natürlich der Homepage des Kreisverbands. Darin klären Johannes Rohleder, 20 und frisch gewählter Kreisrat aus Unterschleißheim, die 21-jährige Ella Miner und Frederik Börner, mit 27 Jahren neuer Gemeinderat in Neubiberg, erst mal auf, dass die Wahl eben noch nicht gelaufen sei. Mit all den Schülern, deren Unterricht jetzt ausfällt, "fühlen wir jetzt natürlich mit", lassen die drei wissen - aber es gebe ja jetzt das Internet-Lernportal Mebis, das aber gleich mal von Hackern lahmgelegt worden sei und so den Schülern vielleicht doch "ein verlängertes Wochenende" beschert habe. Dann blicken sie zurück, wie sie den Wahlabend erlebt haben. Börner erzählt, als er zuhause eingeschlafen sei, seien die Grünen laut Auszählungsstand stärkste Kraft im Gemeinderat gewesen - am Morgen danach nicht mehr. Ein bisschen ernüchternd" sei das gewesen, sagt der Neu-Gemeinderat.

Und natürlich blicken die Wahlkämpfer auch auf die Stichwahl, in der Christoph Nadler ja doch eine Chance habe, ins Landratsamt einzuziehen. Tröt, klirr - im Podcast ist so gut wie alles erlaubt. "Wir wollen in dieser Zeit natürlich neue Wege gehen und so die Leute erreichen", sagt Kreis-Chefin Pilsinger. Jeden zweiten Tag soll ein Podcast mit unterschiedlichen Besetzungen und Themen online gehen. Für diesen Donnerstag ist geplant, eine Telefonschalte zwischen Landratskandidat Christoph Nadler und Toni Hofreiter, Fraktionschef der Bundestagsfraktion aus Unterhaching, hinzubekommen - sollte es die Lage in Berlin zulassen. Dabei solle es dann um die Themen Umwelt und Energie gehen, aber auch am Coronavirus werden die beiden prominenten Köpfe, wie auch die Nachwuchspolitiker in ihrer ersten Folge, nicht vorbei kommen.

© SZ vom 19.03.2020

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