Reinhard Marx wird Kardinal Ehr', Ruhm und Mühsal

Münchens Erzbischof Reinhard Marx wird Kardinal. Das hat er sich ehrlich verdient. Aber er muss sich nun auch in der neuen Rolle beweisen. Zum Beispiel, indem er weiterdenkt.

Ein Kommentar von Monika Maier-Albang

Münchens Erzbischof Reinhard Marx wird Kardinal, und man kann sich ehrlich für ihn freuen. Er hat es verdient - aber er muss sich nun auch in seiner neuen Rolle beweisen. Verdient hat er den Titel, weil er nicht zögerte, als im Frühjahr ein Missbrauchsfall nach dem anderen auch in seinem Erzbistum bekannt wurde. Marx hat mutig durchgegriffen, manchem zu heftig, sicher auch in manchen Personalentscheidungen so kurz entschlossen, dass er den Betreffenden nicht gerecht wurde. Aber er hat eine Linie verfolgt und tat dies nicht, damit er rasch Kardinal wird. Sein Durchgreifen hat ihm eher Feinde beschert: rechtsaußen in der Kirche wie in Rom.

Reinhard Marx, Erzbischof von Freising und München, wird Kardinal.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Titel aber bringt nicht nur Ehr' und Ruhm, er bringt auch Mühsal. Verdienen muss sich Marx die Anerkennung seines Kirchenvolkes, indem er weiterdenkt. Eine "geistliche Vertiefung", eine Erneuerung des Glaubens wünsche er sich, hat er in seiner ersten Stellungnahme nach der Ernennung gesagt. Seit zwei Jahren läuft im Erzbistum ein Zukunftsprozess, Marx hatte ihn angestoßen - doch so gut die Idee ist, so brüskiert fühlen sich viele Ehrenamtliche, die ihre Vision von Kirche zusammengetragen hatten.

Doch das freie Denken endete bislang dort, wo Marx' Grenzen sind: Am Zölibat will er nicht rütteln, das Diakonat der Frau ist für ihn Gedankengut von vorgestern. Das katholische Deutschland wird noch stärker auf München blicken: Geht das Erzbistum voran? Bremst es? Werden die neuen Pfarrverbände funktionieren oder die Pfarrer angesichts des Termindrucks kapitulieren?

Marx wird als Kardinal noch mehr auswärts zu tun haben; schon jetzt raunt mancher Pfarrer, der Bischof solle sich lieber ums Erzbistum kümmern als zum Weltwirtschaftsforum nach Davos zu fahren. Jetzt reist Marx erst einmal nach Rom. Am 20. November will der Papst ihm den purpurroten Hut überreichen. Danach wird gefeiert. Es dürfte, wie es Marx entspricht, ein heiteres Fest werden.