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Integration:Ansingen gegen Rassismus

Die Schüler Lazat, Tizi, Maitili und Henrik sind in dem Video zu sehen, das Andreas Starek (rechts) von der Band Schlawindl mit Unterstützung von Christian Springer (links) gedreht hat. Die Schulleiterinnen Heike Frenzl (hinten links) und Sabine Jackermeier sowie Bürgermeister Martin Böck begrüßen die Aktion.

(Foto: Catherina Hess)

Oberschleißheimer Schüler haben mit der Band Schlawindl ein Musikvideo mit ernster Botschaft gedreht

Von Irmengard Gnau, Oberschleißheim

Einmal ein Youtube-Star sein, und das in einem professionell produzierten Video - dieser heimliche Traum geht für Schüler der Grundschule in der Parksiedlung in Oberschleißheim in Erfüllung. Sie sind die Protagonisten im Musikvideo "Wir stehen nicht auf Rassismus" der bayerischen Kinderrockband Schlawindl, gemeinsam mit Schülern der Grund- und Mittelschule Neustift aus Freising. Am Freitag präsentierten Schlawindl-Bandleader Andreas Starek und die Schüler das Video offiziell in Oberschleißheim. "Vom Zeitpunkt her ist das Lied heute, glaube ich, passender denn je", sagt Starek. "Unsere Welt ist durch Corona aus den Fugen geraten. Für Kinder ist das deutlich dramatischer als für Erwachsene. Jetzt auch noch mit einem aufflammenden Rassismus konfrontiert zu sein, wirft viele Unsicherheiten und Fragen auf. Ich möchte mich aktiv mit den Kindern mit all dem beschäftigen und versuchen, eine Antwort zu finden."

Der Hintergrund des Liedes ist ernst. Dass Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder Herkunft ausgegrenzt, gemobbt oder angegriffen werden, kommt in Deutschland täglich vor. Der brutale Anschlag auf eine jüdische Synagoge in Halle an der Saale im vergangenen Herbst, die Ermordung von zehn Menschen in Hanau im Februar und die über Jahre nicht aufgeklärte Mordserie der rechtsextremen Gruppierung NSU haben dem Thema traurige Aufmerksamkeit verschafft. Doch Rassismus verbirgt sich genauso im Alltag. Die Oberschleißheimer Grundschüler und ihre Lehrer setzen sich aktiv mit dem Thema auseinander. Seit Oktober 2019 gehört die Schule in der Parksiedlung dem Netzwerk "Schule gegen Rassismus - Schule mit Courage" an. Das Netzwerk mit mehr als 3300 Mitgliedern in der Republik feiert heuer sein 25-jähriges Bestehen und setzt sich für ein würdevolles Miteinander aller Menschen und gegen Diskriminierung ein.

Starek hat die Patenschaft für die Oberschleißheimer wie die Freisinger Schule übernommen, die Schüler kennen den Musiker aus Erding bereits von mehreren Projekten. "Wir stehen nicht auf Rassismus" hat der 50-Jährige aus diesem Anlass schon vor vier Jahren geschrieben, die Idee zum Musikvideo aber kam erst jetzt auf. Im März wurde das Oberschleißheimer Bürgerhaus daher zur Kulisse, die Schüler wurden zu Darstellern. Bereits beim ersten Konzert hätten die Sechs- bis Zehnjährigen den Refrain des Liedes begeistert mitgesungen, erzählt Starek. Der Musiker zeigt sich insgesamt beeindruckt, wie umsichtig die Oberschleißheimer Schüler, deren Familien aus 32 Nationen stammen, miteinander umgehen. Dieses nationenübergreifende Miteinander sei ein großes Anliegen der Schule, erklärt Direktorin Heike Frenzel: "Ich freue mich sehr darüber, dass die Schülerinnen und Schüler sich mit Spendenaktionen und vielen Projekten, besonders aber im täglichen Miteinander dafür einsetzen, wie wichtig es ist, dass sich alle mit Respekt behandeln, egal woher sie kommen, welche Sprache sie sprechen, was sie glauben oder wie sie aussehen. Wir sind bunt - und das ist gut so."

Mit dem Kabarettisten Christian Springer hat Musiker Starek einen prominenten Schirmherrn für das Videoprojekt gewonnen. Starek und Springer engagieren sich gemeinsam im Verein Orienthelfer für Menschen auf der Flucht. Zu sehen und zu hören ist das Video zu "Wir stehen nicht auf Rassismus" von Schlawindl auf der Videoplattform Youtube, außerdem ist das Lied auf der aktuellen CD der Band enthalten.

© SZ vom 06.07.2020

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