Heimatlektüre:Ein Buch über einen Bach

Gertraud und Klaus-Peter Schubert sammeln seit 30 Jahren Wissenswertes über den Hachinger Bach. Jetzt hat das Unterhachinger Ehepaar eine Broschüre zusammengestellt, die zugunsten des Bundes Naturschutz verkauft wird

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Trinkwasser, Badewasser, Abwasser - der Hachinger Bach hat schon viel mitgemacht in seiner Geschichte. Auf seinem Weg von Aufhofen über den Deininger Weiher, durchs Gleißental und durchs Hachinger Tal bis hin nach Daglfing und schließlich zum Kraftwerk Finsing am Speichersee legt er 44 Kilometer zurück, 152 Meter geht es auf dieser Distanz abwärts, in einer Fließgeschwindigkeit von etwa 50 Zentimeter pro Sekunde. Das heißt: Würde man sich auf dem Wasser treiben lassen, dauert es von Oberhaching bis Berg am Laim acht Stunden. All das und noch viel mehr über die Wasserader im Münchner Südosten hat das Unterhachinger Ehepaar Gertraud und Klaus-Peter Schubert zusammengetragen und schließlich dem Bach mit einer begehbare Karte im vergangenen Jahr auch einen Platz im Heimatmuseum verschafft. Jetzt haben sie eine Broschüre über den Hachinger Bach veröffentlicht.

"Seit 30 Jahren sammeln wir alles, was mit dem Hachinger Bach zu tun hat, von Zeitungsschnipseln bis Gutachten zum Grundwasser", berichtet Gertraud Schubert. Zudem haben die beiden auch in den Heimatbüchern von Karl Hobmair und Rudolf Felzmann und den Schriften des Perlacher Festrings geblättert, um der Geschichte des Gewässers auf den Grund zu gehen. Natürlich sind die beiden im Bund Naturschutz engagierten Unterhachinger auch selbst mittlerweile zu Experten geworden, so oft waren sie schon mit dem Rad und zu Fuß am Bach unterwegs. Und einmal im Jahr können Interessierte sie auch bei einer Führung begleiten.

Heimatlektüre: Gertraud Schubert vor dem Mühlraddenkmal in Unterhaching. Mit ihrem Mann Klaus-Peter hat sie ein Heft über den Hachinger Bach veröffentlicht.

Gertraud Schubert vor dem Mühlraddenkmal in Unterhaching. Mit ihrem Mann Klaus-Peter hat sie ein Heft über den Hachinger Bach veröffentlicht.

(Foto: Claus Schunk)

In ihrem Heft, das vom Förderverein Heimatmuseum Unterhaching herausgegeben wird und dessen Erlös vollständig dem Bund Naturschutz zugute kommt, gehen sie nicht nur der Frage nach, wo der Bach herkommt und wo er hinfließt. Geschichtlich gehen sie bis zum Gelasium zurück, also etwa 2,6 Millionen Jahre. In diesem Eiszeitalter war der Hachinger Bach alles andere als ein kleines Rinnsal, wie er uns heute präsentiert, sondern ein gewaltiger Wasserstrom, der das Hachinger Tal formte.

Die Schuberts beschreiben in ihrem Buch die Quellen und Feuchtgebiete im Deininger Moos und im Johanneskirchner Moos, erklären, warum das Grundwasser an bestimmten Stellen an die Oberfläche tritt und anderswo wieder versickert. Mit dem Weiterblättern begibt man sich auf eine Reise entlang des Hachinger Bachs, vorbei an Kirchen wie St. Stephan in Oberhaching, St. Johannes der Täufer in Taufkirchen, St. Korbinian in Unterhaching, St. Paulus in Perlach und Johanneskirchen. Man erfährt aber auch etwas über den Autobahnweiher, der mit dem Bau der A 995 entstanden ist, den ehemaligen Flugplatz und heutigen Landschaftspark Hachinger Tal und die Mühlen, die einst am Bach betrieben wurden.

Heimatlektüre: Die Karte ist in Großformat auch im Heimatmuseum zu sehen, und dort begehbar.

Die Karte ist in Großformat auch im Heimatmuseum zu sehen, und dort begehbar.

(Foto: Grafik: Schubert)

Umfangreich bebildert sind auch die Pflanzen am Bach: Die Wasserminze gedeiht hier neben dem Blutweiderich, Brunnenkresse und Mädesüß haben die Schuberts gefunden. An der Einmündung des Entenbacherls zwischen Taufkirchen und Unterhaching steht eine Eiche, deren Alter auf ungefähr 300 Jahre geschätzt wird. Sie stand also schon dort, als Unterhaching noch ein kleines Dorf war. Markant ist auch die alte Weide im Park Le Vésinet, in deren Höhlen und Löchern Kohlmeisen, Spechte, Fledermäuse und Siebenschläfer leben. Auch die Vögel am Bach wie der Eisvogel, der Silberreiher und das Teichhuhn haben die Schuberts schon beobachtet und einen Platz in ihrem Buch eingeräumt.

Gebadet haben im Bach einst auch die Anwohner. Gertraud und Hans-Peter Schubert erinnern in ihrem Buch an ein Badehaus auf Höhe des heutigen Kriegerdenkmals in Unterhaching, das 1860 errichtet worden war. In Perlach habe es sogar ein Badehäusl gegeben, in dem alle 14 Tage eingeheizt wurde. Und bis in die Sechzigerjahre des 20. Jahrhunderts hinein wurde am Hachinger Bach Wäsche gewaschen.

"Der Hachinger Bach" von Gertraud und Klaus-Peter Schubert ist für 18 Euro in der Buchhandlung Helming und Heuser in Unterhaching erhältlich.

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