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Haarer Kommunalpolitik:Kies, Kohle und schlechte Laune

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Andreas Bukowski und Peter Paul Gantzer (von links) werden wohl keine Freunde mehr.

(Foto: Claus Schunk)

Der ehemalige SPD-Abgeordnete Gantzer nervt Haars CSU-Bürgermeister mit seiner Beharrlichkeit im Gemeinderat

Von Bernhard Lohr, Haar

Das Verhältnis zwischen Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) und Gemeinderat Peter Paul Gantzer (SPD) bleibt kompliziert. Die beiden Kommunalpolitiker begegnen sich reserviert, seitdem Bukowski den früheren Landtagsabgeordneten wegen übler Nachrede angezeigt hat. Das Verfahren ist noch in der Schwebe. Nun sind beide im Gemeinderat wieder aneinandergeraten. Bukowski bezeichnete Gantzer als "Wadlbeißer" und Verbreiter von schlechter Laune, weil dieser an der Sitzungsplanung des Bürgermeisters herumgemäkelt hatte. Zudem sah der sich wegen der Verhandlungen über das Kieswerk von dem SPD-Mann unter Druck gesetzt.

Mit Gantzer ist ein anderer Ton in den Gemeinderat eingezogen. Immer wieder schlägt durch, dass er Jahrzehnte als Abgeordneter im Maximilianeum saß und keine Scheu hat, heiße Themen anzupacken und in offenen Worten anzuprangern. So recherchierte er, ob das Kiesunternehmen Glück mit Sitz in Gräfelfing, welches das Quetschwerk Mühlhauser im Ortsteil Salmdorf betreibt, in der Gemeinde Haar Gewerbesteuer zahlt, was manche immer wieder zu dessen Verteidigung anführen. Laut öffentlich zugänglichen Unterlagen tat es das zumindest in den Jahren 2018 und 2019 nicht.

Damit schaffte Gantzer ein Stückweit mehr Klarheit in der seit Jahrzehnten währenden Debatte, welchen Nutzen und welchen Schaden Haar vom Kieswerk hat. Im Gemeinderat sprach er das nun an und ermahnte den Bürgermeister zu einer harten Haltung im Ringen um ein Ende des Kiesbetriebs. Als Gantzer dann noch unter Verweis auf Aussagen aus dem Innenministerium forderte, Bukowski solle die Sitzungen in der Corona-Pandemie entschlacken, platzte dem der Kragen. "Ich glaube, Sie verwechseln den Landtag mit dem Gemeinderat", sagte Bukowski, "wir sind ein Kommunalgremium." Der "gute Geist" im Gemeinderat drohe verloren zu gehen. "Die ständige Wadlbeißerei bringt uns nicht weiter."

Auch aus den Reihen der CSU äußerte sich Unmut über Gantzers Vorgehen. Dennoch will Bukowski Gantzers Anregungen aufgreifen und zum Kieswerk einen Hinweis prüfen lassen. Gantzer wollte geklärt wissen, ob das Werk einen Teil der Gewinne in Haar versteuern müsse. Er zitierte aus dem Steuerrecht, das eine Zerlegung von Gewinnen nach Ort der Entstehung verlange. Es dürfe nicht sein, dass Haar der Dreck bleibe, so Gantzer, und der Würmtalgemeinde Gräfelfing mit niedrigem Steuersatz der Gewinn.

© SZ vom 27.11.2020
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