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Asiatischer Laubholzbockkäfer:Der Nasenarbeiter

Andrea Linzmaier und der Border Collie Jackson sind ein eingespieltes Team. Wenn das Frauchen das Kommando "Strolch" sagt, weiß der Schnüffler, dass er den Asiatischen Laubholzbockkäfer zu suchen hat.

(Foto: Claus Schunk)

Border Collie Jackson ist als Spürhund in Haar immer auf der Suche nach dem berüchtigten Baumschädling. Sein Frauchen Andrea Linzmaier ist in der Gemeinde für den Baumschutz zuständig - gemeinsam sind sie inzwischen auch in anderen Regionen unterwegs.

Vielleicht muss man es sich vorstellen wie bei Kindern. Auch die lieben Verstecken-Spielen und vergessen alles um sich herum, wenn es Ostern ans Eiersuchen geht. Für Jackson gebe es jedenfalls auch nichts Schöneres als Suchen, sagt Andrea Linzmaier. Sobald sie mit dem rot und gelb gestreiften Halsband ankommt, an dem außer einem kleinen Glöckchen die Plakette mit der Aufschrift "Anaplophora-Suchhund" baumelt, spürt der Border Collie, dass es gleich wieder losgeht. Die Plakette weist Jackson als ausgebildeten Laubholzbockkäfer-Suchhund aus. Frauchen Andrea Linzmaier ist am Haarer Bauhof für den Baumschutz zuständig. Sie ist oft mit Jackson an der Seite anzutreffen. Sie mit wachen Augen, und er mit der Nase am Boden. "Er will arbeiten", sagt Linzmaier.

Der Übergang zwischen Arbeiten und Spielen ist in dem Fall fließend. Auf ein leises "Sitz" hin, kauert sich Jackson im Garten hinter dem Haarer Rathaus auf den Boden. Andrea Linzmaier geht mit dem Plastikdöschen in der Hand los, in dem sie Holzmehl aufbewahrt, das der Asiatische Laubholzbockkäfer beim Bohren seiner berüchtigten Löcher produziert hat. Sie verschwindet um die Ecke, und als sie wiederkommt, schießt Jackson auf ein Signal hin los. Immer die Nase auf dem Boden bewegt er sich flink voran, schnuppert an drei, vier verschiedenen Büschen, bis er sich an einem auf den Boden legt. Er hat das Döschen erschnuppert. "Ja super", sagt Linzmaier und fährt ihm mit der Hand über das Fell, auf der sie zwei Hundepfoten tätowiert hat. Es sieht bisschen aus wie das Logo einer bekannten Marke für Outdoor-Bekleidung. "Guter Hund", sagt sie. Und: "Ich lebe für die Bäume." Dass sie auch für Hunde lebt und Jackson ein Teil von ihr ist, wird aus ihren Worten und Gesten deutlich. Jackson ist einer von drei Hunden, die sie hat. Es ist ihr "Herzenshund".

Andrea Linzmaier hat in ihrem Leben mit der Natur und mit den Tieren ihre Bestimmung gefunden. Sie hatte eine Lehre als Bankkauffrau gemacht, und erst mit 39 Jahren umgesattelt auf Landschaftsgärtnerin. Als der Asiatische Laubholzbockkäfer erst in Feldkirchen, dann in Salmdorf in der Gemeinde Haar auftauchte, bekam ihre Arbeit eine neue Wendung. Sie erlebte wie aus der Schweiz und aus Österreich Fachleute in der Schädlingsbekämpfung mit ausgebildeten Käferspürhunden im Münchner Osten aufkreuzten. Und sie fragte sich, ob ihr Border Collie Jackson, dessen feine Nase ihr schon aufgefallen war, nicht auch so was könnte. Eigentlich sei ein Border Collie als Hütehund vor allem ein Augentier, sagt Linzmaier. Doch Jackson sei da anders. Schnüffeln, Suchen, Finden - "ihm macht das unheimlich Spaß", sagt Linzmaier.

Glücksmomente für Tier und Frauchen

Mit der Suche nach Spuren des Asiatischen Laubholzbockkäfers haben Linzmaier und Jackson eine maßgeschneiderte Rolle gefunden. Große Teile des Haarer Gemeindegebiets sind Quarantänezone. Gartenbesitzer sind gehalten, nach Bohrlöchern in Baumstämmen oder Spänen zu suchen, die auf die Existenz des Käfer hinweisen. Linzmaier geht alle zwei Monate mit Jackson sämtliche Laubbäume an Straßen ab und inspiziert diese. 16 Baumarten werden als potenzielle Wirtsbäume des Käfers speziell beobachtet. Beide werden sie als erfahrene, kompetente Käferexperten gerufen. Letztens waren sie in Kelheim, wo der Laubholzbockkäfer am Hafen in etlichen Bäumen entdeckt wurde.

Als nächstes geht es nach Aschheim, wo an der Autobahn gefällt wurde und zur Sicherheit geklärt werden soll, ob sich dort der Schädling eingenistet hat. Den Geruch des Laubholzbockkäfers hat Jackson im Gehirn abgespeichert. Andrea Linzmaier spricht vom Schlüssel-Schloss-Prinzip. Wenn Jackson die Probe mit den Spänen finde, oder ein Stück Holz, an dem der Käfer drangewesen sei, dann griffen bei ihm Schlüssel und Schloss ineinander. Ein Glücksmoment für das Tier, und fürs Frauchen.

Jackson nimmt Witterung auf

Das Suchen und das Finden ist für Jackson ein Spiel. Aber es ist auch Arbeit, die ihm gut tut. Jackson springt einen Fremden nicht an, er ist eher zurückhaltend und auf die Hundeführerin fixiert. "Er ist ein sehr schüchterner Hund", sagt Linzmaier. Aber längst nicht mehr so wie früher. "Durch die Nasenarbeit" habe er Selbstbewusstsein entwickelt. Der Border Collie, der jetzt die Suchhund-Plakette trägt, war zwei Mal eine Woche auf Käferschulung in Ossiach in Österreich. Zwei Prüfungen musste er bestehen. Er weiß, was von ihm erwartet wird, sobald er das Halsband umgehängt bekommt, und ein Stichwort fällt. Sobald Linzmaier "Strolch" sagt, weiß Jackson, dass er zur Käfersuche los soll. Direkt eine Käferspur gefunden hat er im Gemeindegebiet freilich noch nicht.

Auf jeden Fall sollten sich in Haar alle in Acht nehmen, die es auf die von Linzmaier so geschätzten Bäume abgesehen haben. Denn Jackson hat mittlerweile auch eine Mantrailer-Ausbildung absolviert und kann auf Geruchsproben hin, die man ihm unter die Nase hält, auch die Spur von Menschen aufnehmen. Als die Bauhof-Mitarbeiterin zuletzt erfuhr, dass ein Unbekannter am Ernst-Mach-Gymnasium einen Baum umgesägt hatte, zog sie spontan mit ihrem Hund los. Jackson schnüffelte am Baumstamm, den der Täter wohl angefasst hatte, und tatsächlich nahm er Witterung auf. Er zog gleich los und führte Linzmaier an einen heruntergedrückten Maschendrahtzaun. Über den war der Unbekannte wohl geklettert.