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Haar bei München:Schmutz-Kampagne

Der Bahnhof in Haar

Die Südseite des Haarer Bahnhofs ist nach Meinung der örtlichen CSU ein Schandfleck. Die Schuld dafür gibt die Partei den früheren SPD-Bürgermeistern.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Die Unterschriftensammlung der CSU zum angeblichen Schmuddelbahnhof reißt alte parteipolitische Gräben wieder auf

Von Bernhard Lohr, Haar

Der Streit um eine attraktivere Gestaltung des Bahnhofs in Haar spitzt sich zu. Altbürgermeister Helmut Dworzak (SPD) hat sich zu der Unterschriftenaktion von CSU und FDP zu Wort gemeldet und wirft der CSU unter Bürgermeister Andreas Bukowski vor, entweder keine Ahnung zu haben oder "bewusst die Unwahrheit" zu verbreiten. Dworzak bezieht sich damit auf einen Facebook-Post der CSU. Darin wird Bukowskis Vorgängern im Rathaus, also Dworzak und seiner Parteifreundin Gabriele Müller, vorgehalten, mit der Deutschen Bahn keine "kooperativen und konstruktiven" Gespräche geführt zu haben. "Deshalb ist auch in puncto Südseite nie etwas passiert." Eine Aussage, die der CSU einige "Likes" eingebracht hat.

Im Moment ist nur noch wenig zu spüren vom Miteinander, das es unter dem neuen Bürgermeister geben sollte. Parteiübergreifend wolle man für das Wohl der Gemeinde arbeiten, hieß es. Es wurden Arbeits- und Initiativkreise gebildet, in denen sich die Gemeinderäte an Sachthemen abarbeiten sollten. Doch jetzt wirft die CSU der Mehrheit von SPD und Grünen im Gemeinderat vor, mit ihrem ablehnenden Votum zum Neubau des Kiosks eine Chance vertan zu haben und trägt den Groll auf die Straße. Das Ganze bekommt durch den Hinweis Brisanz, dass im Rathaus bereits seit 2011 Pläne für einen großen Umbau auf der Bahnhof-Südseite in der Schublade liegen. Die SPD habe nichts vorangebracht, heißt es von der CSU, und jetzt blockiere sie zumindest die Aussicht auf kleine Verbesserungen.

Das ist freilich für jemanden wie Helmut Dworzak nur schwer zu ertragen. Dworzak hat sich seit seinem Rückzug aus dem Rathaus im Jahr 2014 öffentlich nicht in die Ortspolitik eingemischt. Doch jetzt ist das Fass übergelaufen. In seiner Amtszeit wurde eine deutliche Aufwertung des Bahnhofs in die Wege geleitet. Der Nordzugang wurde komplett neu gestaltet, ebenso die Bahnsteigunterführung. Auf der Südseite zur Ortsmitte hin wurde der Bahnhofsaufgang neu angelegt. Der Lärmschutz wurde ausgebaut. Die Geschäfte im Bahnhofsgebäude sind saniert. Jeder Maßnahme seien jahrelange Gespräche vorausgegangen, sagt Dworzak. "Das Desinteresse der Bahn war groß." Dennoch habe die Gemeinde viel erreicht.

Geblieben ist freilich der marode Kiosk und die heruntergekommene Toilettenanlage. Eigentlich ein Randbereich, der aber viele Haarer doch nervt. Und es reicht, dass viele ungeachtet der Fortschritte weiter vom "Schmuddelbahnhof" reden. Die CSU sieht sich als Sprachrohr dieser Unzufriedenen. In einer Pressemitteilung der CSU vom Sonntag erklären Eva Schlensok, Vorsitzende der Frauenunion in Haar, und Christine Jelic, dass sie die Unterschriftenaktion der CSU gestartet haben. "Da der Bahnhof Süd noch immer einem Schandfleck ähnelt wollen wir jetzt zusammen mit den Haarer Bürgern sowie zahlreichen Gewerbetreibenden ein modernisiertes Ambiente umsetzen", schreiben sie. Sie seien die "Politik-Spiele" und den "Streit im Gemeinderat" leid. Dabei scheint der jetzt mit der Unterschriftensammlung gerade loszugehen. "Da die anderen Parteien nur reden, aber nichts bewegen, packen wir es an!" So mobilisiert die CSU im Netz.

SPD und Grüne hat das jedenfalls einander wieder näher gebracht. In einer gemeinsamen Erklärung werfen sie Bürgermeister Bukowski und der CSU vor, die "Mehrheitsmeinung" im Gemeinderat nicht zu akzeptieren. Es würden "Halbinformationen" gestreut. "Was hier gemacht wird, ist keine Bürgerbeteiligung!" SPD und Grüne erklären, sie seien für einen offenen Dialog. Auch sie wollten eine Verbesserung bei Kiosk und Toilettenanlagen, schreiben sie, aber nicht zu den finanziellen und gestalterischen Bedingungen der Deutschen Bahn. Deshalb habe der Gemeinderat Bürgermeister Bukowski den Auftrag erteilt, mit der Bahn über eine große Lösung - also mit einer Bebauung des Parkplatzes - zu diskutieren. Dafür freilich hat Bukowski von der Bahn bereits einen Korb bekommen. "In den letzen Verhandlungen mit der Bahn ist klar geworden, dass an diesen Ideen auch weiterhin kein großes Interesse besteht." Das dürfte Dworzak bekannt vorkommen.

© SZ vom 11.05.2021
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