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Haar bei München:Kein Atelier am Rathaus

Gabriele von Ende-Pichler ist enttäuscht von der Gemeinde.

(Foto: Claus Schunk)

Die Künstlerin Gabriele von Ende-Pichler gibt entnervt auf

Von Bernhard Lohr, Haar

Das "Atelier am Rathaus" der Haarer Künstlerin Gabriele von Ende-Pichler hat sich in den vergangenen drei Jahren zu einem ungewöhnlichen Treffpunkt im Haarer Zentrum entwickelt. Er war vieles in einem: ein Ort der bildenden Kunst natürlich mit wechselnden Ausstellungen, aber auch ein Ort des Gesprächs und der Debatte, weil Vorträge angeboten wurden und Ende-Pichler vor allem Frauenthemen immer wieder in den Fokus rückte. Doch der experimentell genutzte Raum in der früheren Poststelle in der Bahnhofstraße 3 steht seit vergangenem Wochenende leer. Ende-Pichler hat aufgegeben und nach einigem Hin und Her mit der Gemeinde schließlich den Mietvertrag aufgelöst.

Die Vorgänge sind nicht ganz einfach zu entwirren. Es geht um das Aus der Buchhandlung "Lesezeichen", die nach Jahrzehnten an der Leibstraße wegen Sanierung und zu erwartenden Pachtsteigerungen geschlossen hat und für die neue Räume gefunden werden sollten. Das Rathaus brachte sich in diese Suche früh ein und weil der Gemeinde nicht viele passende Räume im Ortszentrum gehören, die in Frage kommen, war bald das Atelier im Blick. Auch auf Facebook machte der Vorschlag die Runde, das Atelier umzusiedeln und die Räume für eine Buchhandlung zu nutzen. Die Debatte, auch im Netz, verselbstständigte sich bald.

Die Haarer Künstlerin jedenfalls erlebte, dass immer wieder Leute bei ihr im Atelier standen, die fragten, wann sie denn schließe. "Das letzte halbe Jahr war toll", sagt sie mit ironischem Unterton. Sie habe mit Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) verhandelt, aber man sei nicht vorangekommen. Alternative Räume, die ihr angeboten wurden, seien für sie nicht akzeptabel gewesen. Sie habe keine Veranstaltungen mehr buchen können, weil alle gedacht hätten, das Atelier sei bald dicht. Schließlich habe sie bei Bukowski die Reißleine gezogen. "Nach drei Gesprächen habe ich gesagt: ich höre auf." Bukowski hält sie vor, das Aus mit verschuldet zu haben.

Das Rathaus erklärt, der Bürgermeister habe Ende-Pichler kurz nach seinem Amtsantritt am 25. Mai bei einem Termin gefragt, ob sie die Atelierräume für eine Buchhandlung vorzeitig räumen würde. Das habe sie damals bejaht und erst dann sei man aktiv geworden. "Bei einem Nein ihrerseits wäre diese Option nicht weiterverfolgt worden." Ende-Pichler freilich sagt, sie habe der Buchhandlung nicht im Wege stehen wollen. Sie habe sich bereit erklärt, "in den sauren Apfel zu beißen", wenn man für sie eine Alternative finde. Die habe man aber nicht gefunden.

Nun muss Ende-Pichler ihr Leben neu sortieren. Trotz allem sprüht sie vor Ideen. Sie erzählt, dass sie jetzt im Truderinger Kulturzentrum einmal wöchentlich einen Raum für "Einzelgespräche mit Malen" nutzt. "Es tun sich viele Türen auf", sagt sie. Es gebe Interesse an ihren Vorträgen und Begleitungen mit Menschen in Krisen. Das Thema "Kommunikation mit Kunst - Bilderzyklus 7 Jahreswachstum" sei in Gesundheitsberufen angekommen und solle auch in der Ausbildung verankert werden. Die Gemeinde sieht sich derweil nach wie vor in aussichtsreichen Verhandlungen, im neuen Jahr wieder eine Buchhandlung in Haar anzusiedeln. Um der Künstlerin zu helfen, habe man einen Teil der Umzugskosten übernommen.

© SZ vom 16.09.2020

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