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Haar bei München:Gegen graue Gärten

Haar prüft Verbot von Schotterflächen und Gabionen

Von Bernhard Lohr, Haar

Die Freunde geschotterter Gärten und hoher Gabionenwände in Haar müssen damit rechnen, dass die Gemeinde bald genauer hinschaut, was sie auf ihrem Grundstück machen. Der Gemeinderat beauftragte die Rathausverwaltung zu prüfen, ob die Einrichtung solcher Kiesflächen und Mauern aus Steinen in Gitterkonstruktionen nicht unterbunden werden kann. Die SPD hat das beantragt, weil sie findet, dass "der Erhalt der Artenvielfalt" neben dem Klimaschutz die wichtigste Aufgabe sei. Mit Kies und Schotter werde dieser konterkariert.

Doch aus der CSU kam Widerspruch. Thomas Reichel fand zwar schon, dass der Antrag "recht freundlich" daherkomme und auf ein im Grunde hehres Ziel abstelle. Doch er wehrte sich dagegen, die Gartenbesitzer mit Verboten zu behelligen. Ihm sei der Eingriff in die Freiheitsrechte des einzelnen zu "gravierend", sagte er. "Ich möchte das gar nicht geprüft haben." Mike Seckinger (Grüne) hielt dem entgegen, dass nicht die vor Eingriffen geschützt werden müssten, die mit den Schottergärten, bei denen unter dem Kies oft auch noch Fliesen gelegt würden, "tote Fläche produzieren". Er würde es befürworten, wenn man die bestehenden Regeln anpassen könnte, um so etwas zu unterbinden.

SPD-Fraktionschef Thomas Fäth hatte im Antrag erläutert, dass Vorgärten und Gärten eine immer größere Rolle spielten als Refugium für Insekten, Vögel und Kleintiere. Die Stadt Erlangen habe als erste Stadt in Bayern eine Regelung geschaffen, an der sich Haar orientieren könne. Die SPD sieht zwei Möglichkeiten: Entweder sollte das Verbot in Bebauungsplänen geregelt oder indirekt, indem geschotterte Flächen bei der Grundflächenzahl der überbauten Fläche eines Areals einbezogen wird. Außer SPD und Grünen stimmte auch Anke Bender von der CSU der Prüfung zu.

© SZ vom 25.11.2020
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