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Grünwald:Zur Abwechslung mal nur Einbrüche

Andreas Forster hat Anfang April die Leitung der Polizeiinspektion Grünwald übernommen, die auch Pullach, Straßlach-Dingharting, Baierbrunn und Schäftlarn betreut.

(Foto: Claus Schunk)

Andreas Forster war als Bereitschaftspolizist in Wackersdorf im Einsatz, kümmerte sich um Schwerkriminalität und Cybercrime. Jetzt ist er Chef der Grünwalder Inspektion und freut sich, dass es in deren Einsatzgebiet noch richtig schön ländlich zugeht

"Das ist richtig Land", sagt Andreas Forster, seit 1. April Leiter der Polizeiinspektion 32, zuständig für Grünwald, Pullach, Straßlach-Dingharting, Baierbrunn und Schäftlarn, einen Bereich mit insgesamt rund 113,5 Quadratkilometern und rund 33 000 Einwohnern. Er sagt diesen Satz mit freudigem Tonfall, und eigentlich ist es gar nicht nötig, dass er gleich darauf versichert: "Das meine ich nicht abwertend, im Gegenteil." Das Land, für dessen Sicherheit er jetzt zuständig ist, ist ihm sehr sympathisch, was im Grunde auch gar kein Wunder ist, denn er wohnt ja selbst nur wenige Kilometer entfernt in Unterhaching.

Die berufliche Karriere des 56-Jährigen allerdings spielte sich bisher größtenteils in Gebieten mit "städtischer Prägung" ab, wie er sich ausdrückt. Seit 1994 war er im Polizeipräsidium München tätig, in ganz unterschiedlichen Bereichen. Im Polizeidienst ist er seit 1980 und seine Laufbahn fing gleich ziemlich heftig an: Denn als Ausbilder bei der Bereitschaftspolizei, damals in Dachau, musste er oft mit einer ganzen Hundertschaft nach Wackersdorf ausrücken, zu den Demonstrationen gegen die Wiederaufbereitungsanlage. Im Vergleich zu den derzeitigen Münchner Demonstrationen gegen die Corona-Beschränkungen, die "meist friedlich" sind, so Forster, ging es dort ungemütlicher zu für die eingesetzten Polizeibeamten. "Das lief manchmal nicht ohne Gewalt, da flogen auch schon mal Steine", erinnert sich Forster. Oft musste er bei den "geschlossenen Einsätzen" seiner ganzen Einheit eine ganze Woche in Wackersdorf verbringen. Er erinnert sich, dass die Polizei dort innerhalb eines Zaunes stand, die Demonstranten standen drum herum. "Man ist nicht gerne rausgefahren", sagt er. Nicht nur wegen des "mulmigen Gefühls", das die Beamten dort aufgrund der brisanten Lage hatten, sondern natürlich auch, weil Forster damals jung war und sich am Wochenende lieber mit Freunden getroffen hätte, wie er lächelnd zugibt.

Das nächste Einsatzgebiet war die Inspektion in Milbertshofen, wo er zum Dienstgruppenleiter aufstieg. In der Abteilung für Verbrechensbekämpfung im Münchner Präsidium verbrachte Forster anschließend die nächsten drei Jahre. Hier ging es darum, eine Übersicht über alles zu bekommen, was in München passiert, ob Einbrüche oder organisierte Kriminalität, Tötungsdelikte, Raub, Sexualdelikte. Alle Fälle wurden gesammelt, um anhand der Erkenntnisse die besten Methoden der Bekämpfung zu ermitteln. Nach drei Jahren wechselte Forster erneut das Gebiet, denn der Polizeifunk wurde auf Digitalfunk umgestellt; es galt, alle Fahrzeuge und Dienststellen umzurüsten. Neues aufzubauen ist etwas, das Forster immer reizte. So war er auch 2013 dabei, als das Kriminalfachdezernat Cybercrime aufgebaut wurde. Mit Betrügern, die Konten abräumen, und anderen Straftaten hatte er hier zu tun. Natürlich kennt Forster sich auch mit dem Internet aus: Deep Web, Darknet und "Crime as a Service" - etwa die Suche nach einem Geldwäscher via Internet - sind Begriffe, die ihm geläufig sind.

Seit Anfang April aber kommen ihm solche Begriffe nicht mehr so oft über die Lippen. Denn die Straftaten, die sich in seinem neuen Zuständigkeitsbereich abspielen, sind von einem nicht so schweren Kaliber. Wohungseinbrüche etwa gehören hier zu den schwereren Delikten, natürlich auch Geschwindigkeitsüberschreitungen und Trunkenheitsfahrten, in letzter Zeit auch ein paar wenige Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz. Alles in allem aber war es bisher sehr ruhig, sagt Forster. Mit seinen rund 50 Untergebenen bewältigt er die Aufgabe, für die Sicherheit der Bewohner zu sorgen, daher sehr gut.

Der Tag beginnt jeden Morgen mit der "Lage", der Besprechung der Diensthabenden und der Übergabe vom Nachtdienst. Denn die Inspektion ist rund um die Uhr besetzt. Die Entwicklung der Straftaten ist in der Corona-Krise überall günstig ausgefallen, auch in der PI 32. "Es passiert relativ wenig zurzeit, fast gar nichts", erzählt Forster. Daher hat er genügend Zeit, um sich den neuen Arbeitsplatz genau anzuschauen. "Ich bin noch in der Beobachtungsphase", sagt er. Allerdings ist ihm noch nichts aufgefallen, was dringend geändert werden müsste. So wird er wohl auch langfristig sehr zufrieden bleiben mit seinem "Traumjob" als Inspektionsleiter, den er von Anfang an als Ziel seiner Polizei-Laufbahn hatte. Nicht zuletzt verdankt Forster diesen der Tatsache, dass sein Vorgänger im September 2019 wegen des Verdachts der Vorteilsnahme im Amt vom Dienst suspendiert wurde. Die Inspektionsleitung war zuletzt nur kommissarisch besetzt worden, das Ermittlungsverfahren läuft noch.

In Unterhaching wohnt Forster nur hundert Meter entfernt von der dortigen Polizeiinspektion, wie er erzählt. Wäre es denn noch traumhafter gewesen, gleich dort eingesetzt zu werden? Nein, ein paar Kilometer zwischen zu Hause und Arbeitsplatz seien doch besser, sagt er lächelnd. Schließlich wolle man auch mal in Ruhe beim Bäcker Semmeln holen.

© SZ vom 05.06.2020

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