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Geruchsbelästigung:Den Baierbrunnern stinkt's

Ein Gutachten soll klären, ob die Gerüche eines Parfümherstellers für den Ort zumutbar sind

Von Udo Watter, Baierbrunn

Robert Gerb hat sicher nichts gegen Lüften. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Baierbrunner Gemeinderat ist in den Sitzungen in der Turnhalle oft derjenige, der noch ungerührt im T-Shirt dahockt, während andere Mitglieder sich schon wegen des durch die offenen Fenster entstehenden Luftzuges in Jacken und Schals hüllen. Manchmal zieht Gerb, der in Baierbrunn an der B 11 wohnt, aber notgedrungen geschlossene Räume vor. "Es gibt Zeiten, da kannst du das Fenster nicht aufmachen", sagt er. "Da kommt dann ein reiner Chemiegeruch herein, meist süßlich, oft widerlich und ekelhaft." Er nennt diesen Geruch auch "Drom-Wolke", den er vermutet dahinter olfaktorische Emissionen, die Drom Fragrances verursacht - ein Unternehmen, das im Gewerbegebiet an der Oberdiller Straße Parfümöle für die kosmetische, Seifen-, Wasch- und Reinigungsmittelindustrie entwickelt und produziert. "Mir stinkt's", sagt Gerb, "und das schon seit Jahrzehnten."

Auch weil es nicht nur ihm so geht, hat der Baierbrunner Gemeinderat am Dienstag beschlossen, ein Vergabeverfahren einzuleiten, an dessen Ende eine Firma mit der Messung von Geruchsemissionen in Baierbrunn beauftragt werden soll. Die Messungen sollen an diversen Stellen im Ort vorgenommen werden, die von Gemeinderäten innerhalb der nächsten 14 Tage bestimmt werden.

Die Gemeindeverwaltung hatte bereits ein erstes Angebot für die Messung von Geruchsimmissionen im Zusammenhang mit der Firma Drom eingeholt. Dabei wurde auch darauf hingewiesen, dass im Nachgang ein Abgleich der "gemessenen Geruchsereignisse mit den Betriebsdaten der möglichen Verursacher vorzunehmen" sei, um Rückschlüsse auf die Quellen ziehen zu können. Die Kosten für so eine Rasteruntersuchung wurden dabei auf circa 30 000 Euro angegeben, die im Haushalt 2021 nicht vorgesehen sind. Das schien dem Gremium doch etwas teuer zu sein, zumal die betreffende Firma wohl auch schon für Drom Messungen vorgenommen hat - Drom ist ein eingesessenes Baierbrunner Unternehmen, das inzwischen einem Schweizer Duftstoffkonzern gehört.

Im Hintergrund steht zudem ein Bauantrag für die Erweiterung des Lagers durch die Firma Drom, den noch der alte Gemeinderat abgelehnt hat und der nun ruht. Als nächste Instanz könnte freilich die Bauaufsichtsbehörde des Landratsamtes den Antrag unter Definition von Auflagen auch über den Willen des Baierbrunner Gemeinderates hinweg genehmigen.

"Wir sind als Gemeinde nicht für emissionsrechtliche Fragen zuständig", sagt Baierbrunns Geschäftsleiter Matteo Dolce. Er selbst nimmt "merkwürdige, unangenehme Gerüche" auch ab und an wahr und berichtet von Zuschriften von Baierbrunnern oder sogar Radfahrern an der Isar, die von olfaktorischer Belästigung sprächen. Woher die Gerüche genau kämen (und ob sie die Grenze zur Unzumutbarkeit überschritten), ist im Nachweis indes sehr kompliziert. Ein Vorschlag von Christine Zwiefelhofer (ÜWG), die Untersuchung als Studentenprojekt in Auftrag zu geben, wurde daher abgelehnt, es soll eine professionelle, auf Geruchsemissionsmessungen spezialisierte Firma beauftragt werden.

Für Gerb besteht kein Zweifel, wer der Verursacher der unangenehmen Aromen ist, die immer wieder den Ort erfüllen. Er sagt, dass Drom die Baierbrunner sogar schon selbst dafür verantwortlich gemacht habe, die benutzten zu viel Weichspüler, der dann aus den Gullys stinke. "Eine Frechheit", schimpft Gerb. Er verstehe nicht, dass die Firma nicht besser mit der - ihr lange wohl gesonnenen - Gemeinde zusammenarbeite und vermutet, dass auch veraltete Technik für die Gerüche verantwortlich seien. Seine Hoffnung: Dass man nach der Untersuchung der Geruchsemissionen als Gemeinde etwas in der Hand habe, um etwa künftige Kapazitätsausweitungen bei Drom verhindern zu können. Bei Drom war am Mittwoch niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

© SZ vom 06.05.2021
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