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Unterföhring:Kohlrabi neben dem Klassenzimmer

Gemüse aus eigenem Anbau: Einen kleinen Acker haben die Regionalkoordinatorin der "Gemüse-Ackerdemie", Silvia Mayr, Anne Kösler vom Landratsamt München, Acker-Coach Aurelia Fellbrich und Franziska Pretzer von der Grundschule Unterföhring (von links) an eben dieser angelegt.

(Foto: Privat)

Die "Gemüse-Ackerdemie" hat an acht Landkreisschulen zusammen mit Lehrern und Kindern Saatgut ausgebracht. Bei guter Pflege lassen sich die selbst gezogenen Feldfrüchte schon bald ernten, vermarkten und selbst genießen.

Der Frühling ist normalerweise die Zeit, um Beete zu bepflanzen: Saatgut abwiegen, Setzlinge einpacken und raus in die Natur. Wegen der Corona-Pandemie starteten die ersten beiden Pflanztermine des vom Landkreis München geförderten Bildungsprogramms "Gemüse-Ackerdemie" im April und Mai an acht Landkreisschulen überwiegend ohne Kinder. Lehrerkräfte und sogenannte Acker-Coaches haben zusammen mit der für Oberbayern zuständigen Regionalkoordinatorin der Gemüse-Ackerdemie, Silvia Mayr, den Auftakt gemacht - und etwa Mangold, Kohlrabi und Rote Bete auf den Schuläckern in die Erde gebracht.

Mit dem Programm sollen die Wertschätzung von Lebensmitteln und das Verständnis für Landwirtschaft bei Kindern und Jugendlichen geweckt werden. Das Projekt will ein Zeichen setzen gegen den Wissens- und Kompetenzverlust im Bereich Lebensmittelproduktion und helfen, die Entfremdung von der Natur, ungesunde Ernährungsgewohnheiten sowie Lebensmittelverschwendung zu vermeiden.

An den Terminen haben die Grundschulen in Unterföhring, Baierbrunn und Sauerlach sowie die Max-Mannheimer Mittelschule in Garching, die Grund- und Mittelschulen in Hohenbrunn und Kirchheim sowie das Sonderpädagogische Förderzentrum in Unterhaching teilgenommen. Und das mit großer Freude, wie das Landratsamt mitteilt: "Gärtnererfahrung müssen Lehrerinnen und Lehrer gar nicht unbedingt mitbringen", sagt Koordinatorin Silvia Mayr. "Wir liefern die fachliche Expertise, deshalb kommt es uns vor allem auf die Begeisterung der Lehrkräfte an." Der Service der Gemüse-Ackerdemie beginnt mit einem Termin vor Ort, um eine geeignete Fläche zu finden, die mindestens 40 Quadratmeter groß und in Schulnähe gelegen ist. Die Bauhöfe der beteiligten Kommunen haben bei der Ackereinrichtung oft sehr gute Unterstützung geleistet, wie es heißt. Das Saat- und Pflanzgut stammt von der Ackerdemie. Verwendet werden bis zu 30 samenfeste Sorten aus ökologischer Züchtung, die in mehrjähriger Fruchtfolge gesät und gepflanzt werden.

Wie das Projekt konkret umgesetzt wird, ist von Schule zu Schule verschieden. Meistens engagieren sich die Kinder und Jugendlichen in Arbeits- oder Projektgruppen; teilweise wird das Ackern auch in den regulären Unterricht integriert. Auch dazu liefert die Ackerdemie den Schulen Bildungsmaterialien. Unterstützung erhalten die Schulen auch bei der Ferienbetreuung der Schuläcker sowie bei Ernte und Vermarktung des Gemüses. Thematisiert werden in dem Projekt zudem saisonale Besonderheiten wie Schädlinge, Trockenheit und Unkraut. Zum Einsatz kommen keine chemischen Pflanzenschutzmittel und mineralischer Dünger, die Pflanzen werden durch Nützlinge geschützt und durch häufigeres Hacken soll der Wasserverbrauch reduziert werden. Langfristiges Ziel der Gemüse-Ackerdemie ist es, dass die Schulen nach zwei bis drei Jahren ihren Schulacker eigenständig bewirtschaften können. Gerade jetzt in Corona-Zeiten zeige sich, wie wertvoll und wichtig das Thema Selbstversorgung ist, wie es in einer Mitteilung aus dem Landratsamt heißt.

© SZ vom 29.06.2020/hilb

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