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Gut bürgerliches Restaurant Gärtnerplatz "Firn":Kernig, reichlich, alpenländisch

Herrengröstl im Manhattan-Style: Anfangs waren die alpenländischen Schmankerln im Firn noch eine Enttäuschung. Doch inzwischen schmeckt das Essen richtig gut.

Im Gärtnerplatzviertel, das selbst in japanischen Reiseführern als Inbegriff des coolen neuen München genannt wird, ist es nicht ganz leicht, dem verwöhnten Pistengänger etwas Neues zu bieten. Noch eine Trendy-Bar mit hochpreisigen Weinen, ausgeschenkt in fingerhutgroßen Gläsern? Noch einen Asia-Imbiss, der vornehmer tut als die Kollegen mit der Stehbude und dem Hühnchen der acht Köstlichkeiten? Gibt es an jeder Ecke. In der Klenzestraße hat es ein junges Team jetzt weniger mit etwas Neuem als vielmehr mit Tradition versucht: Das "Firn" bietet, im weitesten Sinne, alpenländische Küche, freilich modern aufbereitet.

Die Qualität des Essens im "Firn" in der Klenzestraße hat sich bei jedem Besuch verbessert.

(Foto: Catherina Hess)

Das Lokal wirkt durch geschickte Aufteilung größer, als es eigentlich ist. Prunkstück ist die geheimnisvoll in Orange beleuchtete Bar, die eher ein Manhattan-Feeling aufkommen lässt als Erinnerungen an die Zirbelstube. Im Gastraum hinter der Bar sind die Tische erfreulicherweise großzügig verteilt.

So muss man nicht, wie leider anderswo immer öfter zu erleben, eng gedrängt hocken und wehrlos die Heldengeschichten mithören, die am Nachbartisch ein fast noch minderjähriger Marketing-CEO aus seinem jüngsten Incentive-Meeting erzählt. Eher sinnlos, aber ein hübscher Blickfang sind die alten Heimatfilme, die ohne Ton auf der weißen Rückwand des Lokals laufen. Immerhin bieten sie den weiblichen Begleitungen der CEOs die Chance, sich unauffällig abzulenken.

Die Küche präsentierte sich bei den Besuchen in stark ansteigender Form. Beim ersten Besuch erlebte Peffekoven manche Ausrutscher wie einen zu öligen steirischen Salat (mit Tomaten, Gurken, Karotten, Kürbiskernen); das intensive, dunkelgrüne Kürbiskernöl aus der Steiermark hat seine Tücken, denn es will maßvoll verwendet werden. Das Wiener Schnitzel war nicht mehr als akzeptabler Durchschnitt, der Kaiserschmarrn schmeckte nach billigen Weihnachtsplätzchen mit zu viel Zimt. Richtig versalzen war die Frittatensuppe. Gelungen und schön knusprig lag dagegen die steirische Backhendlbrust in Kürbiskernpanade auf dem Teller.

Bei den nächsten Besuchen war alles viel besser und durchweg erfreulich, was darauf hindeuten könnte, dass die Küche nach ersten Anlaufschwierigkeiten zu ihrer Form gefunden hat. Bemängeln ließ sich höchstens, dass die großherzige Verwendung von Salz weiterhin auffällig blieb. Aber das mit 8,50 Euro preiswerte "Herrengröstl" mit Tafelspitz, Kartoffeln, Frühlingszwiebeln und Spiegelei war ein Genuss, denn es verfeinerte, wie es der Anspruch des Firn ist, eher deftige Traditionsgerichte des Alpenraums durch hohe Qualität, nämlich sehr gutes, feines Fleisch und frisches Gemüse.Brotzeiten: kernig, reichlich, preiswert

Das Schnitzel, durch einen tapferen, indes lohnenswerten Selbstversuch des Testers erneut probiert, war nun zart, die würzige Panade ließ sich leicht abheben, wie es sich in Österreich gehört. Das schwere, grobe Schnitzel ist ja eine traurige Erfindung der deutschen Ausflugsgaststätten. Das gebratene Zanderfilet auf Champagnerkraut, gereicht mit Butterkartoffeln und Meerrettichschaum, war fein und schmackhaft.

Richtig alpenländisch sind die Brotzeiten: kernig, reichlich, preiswert. So gibt es "dreierlei Topfenaufstrich", nämlich Schnittlauch, Kernöl und Liptauer, oder ein Jausenbrettl, wie man es auf der Berghütte auch nicht besser bekommt: mit geräuchertem Schinken, Selchfleisch, Leberwurst, Schnittlauchquark und Bergkäse, dazu frisches, sehr gutes Brot.

Nett ist auch die Auswahl offener Weine, die man sonst nicht überall leicht bekommt, etwa einen kräftigen Welschriesling vom Weingut Allacher aus dem Burgenland. Der Preis dafür ist mit 5,80 Euro für schlappe 0,2 Liter übertrieben, aber derlei ist ja inzwischen Standard in der Gastronomie. Die Preise für das Essen dagegen sind, gemessen an denen der Konkurrenz im Viertel, in Ordnung. Brotzeiten liegen zwischen 5,50 und 12,50 Euro, kleinere, aber sättigende Gericht unter zehn, Hauptspeisen zwischen 12,50 und 16,50 Euro.

Eine ausgesprochene Stärke des Firn ist übrigens der nette Service. Selbst ein frühabendlicher Besuch mit vielen Kindern und dementsprechend noch mehr Sonderwünschen, Quengeleien und späten Umbestellungen - "alles ohne Grün!" - brachte die freundlichen Mitarbeiter keine Sekunde ins Schlingern. Und das will etwas heißen. Fazit: insgesamt ein origineller, angenehmer Ort.